Erhalten durch Aufessen

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Text von: redaktion

Lamm aus der Region schmeckt - während der Leinelammwochen und auch im restlichen Jahr.

Lange schon hatten sich die Geschäftspartner aus Süddeutschland angekündigt, nun sollen die Verträge endlich unterschrieben werden. Und zum Abschluss noch schick essen gehen. „Gern. Aber bitte nicht so was Abgehobenes, sondern was Bodenständiges, was Regionales“, hatte der Schwabe noch gesagt. Doch wohin in der Region Göttingen? Und was ist hier im Herbst eine regionale Spezialität?

Eine Antwort auf diese Frage hat der Göttinger Landschaftspflegeverband: Seit 2006 organisiert er mit großem Erfolg die „Leinelammwochen“. In diesem Jahr finden sie vom 20. September bis 5. Oktober statt. Elf regionale Gastronomen (siehe Übersicht, S. 110) bereiten mit großem Geschick, Kreativität und viel Engagement eine regionale Besonderheit zu; außerdem verkauft die Geismarer Fleischerei Sebert frisches Lammfleisch. Neben den kulinarischen Genüssen verspricht Leinelamm zudem einige positive Nebeneffekte: So unterstützen die Kunden indirekt die Pflege der südniedersächsischen Landschaft und leisten einen Beitrag zur Erhaltung der selten gewordenen Leineschafe.

Wie bitte? Selten geworden und dann auch noch verspeisen? Richtig gehört: „Unser Motto heißt: Erhalten durch Aufessen“, erklärt Ute Grothey, Projektleiterin beim Göttinger Landschaftspflegeverband. Nur wenn es eine ausreichende Nachfrage nach regionalem Lammfleisch gebe, sei die Schafhaltung für die örtlichen Schäfer wieder interessant.

Dabei hat das Schaffleisch mächtig aufzuholen: Von den 61Kilogramm Fleisch, die jeder Bundesbürger pro Jahr isst, entfallen knapp 40 Kilogramm auf Schweinefleisch, über zehn Kilogramm auf Geflügel – und gerade mal ein Kilogramm auf Schaf. Das meiste davon kommt tiefgefroren aus Neuseeland. Ganz anders sei das in Großbritannien, so Grothey, wo pro Bürger sechs Mal mehr Schaffleisch als hierzulande gegessen werde. In Griechenland seien es gar über 13 Kilogramm Schaffleisch pro Kopf.

Begeistert vom Leinelamm ist Jacqueline Amirfallah, Chefin des Gauss am Theater in Göttingen und bekannte Fernsehköchin: „Regional, frisch geschlachtet, gut abgehangen, nicht vakuumiert, ein feiner Lammgeschmack – das Produkt ist einfach klasse“, schwärmt die Küchenmeisterin, die auch außerhalb der Leinelammwochen diese Spezialität immer mal wieder auf die Speisekarte setzt. Im vergangenen Jahr kredenzte sie ihren Gästen beispielsweise eine Kraftbrühe vom Leinelamm mit Maultaschen, die mit geschmortem Lammnacken gefüllt waren.

Um die Vorzüge von Lammfleisch wieder ins Bewusstsein zu rücken, dessen vielfältige Verwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Gäste wie Gastronomen von den schmackhaften Tieren zu überzeugen, hat der Landschaftspflegeverband in den vergangenen Jahren einiges auf die Beine gestellt: So wurde bei Gastronomen der Region die Werbetrommel gerührt, auf dem Schäferfest in Klein Schneen Lammbratwurst, -steaks und -gulasch angeboten, lokale Entscheidungsträger wurden bei einem Leineschaf-Degustationsmenü mit Leinelammbratwurst, Ragout aus der Lammkeule und kurz gebratenem Lammrücken verköstigt – die Gäste zeigten sich restlos begeistert.

Auch in der Berufsschule des Landkreises am Ritterplan brutzelten Köche aus der Region Köstlichkeiten vom Leinelamm. So will der Verband auch beweisen: „Leinelamm schmeckt.“ Das angestaubte Image von Schaffleisch soll nun aufgepeppt werden, denn viele Menschen denken bei Schaf eher an alten Hammel statt an zartes Lammfleisch.

Der Erfolg gibt den Organisatoren recht: 100 Leinelämmer oder über 3. 500 Portionen Leinelamm wurden 2007 in den zwei Aktionswochen in der örtlichen Gastronomie verspeist. „Ein schönes Ergebnis und ein Zeichen, dass die Kunden solch ein regionales Angebot zu schätzen wissen“, sagt Ute Grothey. Das Leineschaf habe eine neue Wertschätzung erfahren.

Der Verband hat geschafft, dass die vom Aussterben bedrohte Rasse – im wahrsten Sinne des Wortes – wieder in aller Munde ist. Denn das Leineschaf schafft auch so etwas wie regionale Identität. Es hilft zudem, das abwechslungsreiche und vielfältige Landschaftsbild zu erhalten. Leineschafe weiden in Streuobstwiesen und Hangweiden, pflegen Magerrasen und Feuchtgrünland – allesamt Flächen, die ohne tierische Landschaftspfleger brach fallen und alsbald verbuschen würden.

Besonders geeignet sind dafür Schafe. Das Leineschaf, dessen Ursprung im Leinebergland und im Eichsfeld liegt, kommt da gerade wie gerufen: „Es ist genügsam, robust und anpassungsfähig – und ideal für die Landschaftspflege“, sagt Ute Grothey. Die Tierhalter stellen für den Verband wichtige Partner dar. Deshalb engagiert sich der Verband stark für die Schafzüchter.

Mittlerweile halten auf Initiative des Landschaftspflegeverbandes wieder ein Dutzend Schafhalter diese bedrohte Haustierrasse, rund 350 reinrassige Leineschafe und weit über 500 Kreuzungstiere weiden in der Region. Leinelamm gibt es übrigens nicht mehr nur während der Aktionswochen. Wegen der großen Nachfrage gibt es neuerdings bei der Fleischerei Sebert auf Bestellung frisches Lammfleisch aus der Region.

Ausgewählte Partner der Leinelammwochen