Erfolgreich im Musikbusiness

© Sebastian Mauritz
Text von: Stefan Liebig

Wie Ganz Schön Feist das Gelbe vom Ei fanden – und nun schon seit 20 Jahren zusammenspielen.

Können zwei Jahrzehnte Bühnenerfolg ein Missverständnis sein? Vermutlich nicht.

Doch die Bandgeschichte von Ganz Schön Feist ist eng verbunden mit einem Erfolg, den die Bandmitglieder auch heute noch nicht ganz fassen können:

Im Jahr 1991 flatterte eine Einladung zum Deutschen Rockpreis in Würzburg ins Haus. „Ein tolles Gefühl für uns: Wir sollten dabei sein, wenn die Größen der deutschen Rockmusik sich treffen. Auch wenn wir eigentlich nicht wussten, was wir da sollten“, erinnert sich Rainer Schacht an die gemeinsame Nominierung mit Rock- und Heavy-Metal-Bands.

Aufgeregt verfolgten die Neulinge die Preisverleihung. Sie lief wie ein Countdown – jede Runde schied eine Gruppe aus. Schon unter den letzten fünf zu sein, hätte die Korken knallen lassen. Doch eine Band nach der anderen flog aus dem Rennen. Am Ende blieben nur die fassungslosen ‚Feisten’ übrig und schwebten ungläubig auf die Bühne, um den Preis entgegenzunehmen.

Schlagartig stieg der Bekanntheitsgrad der südniedersächsischen Band. Neben den Plattenfirmen war auch das Fernsehen auf die ‚Pop-A-cappella-Comedy’-Gruppe aufmerksam geworden. Der Auftritt in der letzten Ausgabe von ‚Der große Preis’ mit der deutschen Fernsehlegende Wim Thoelke begeisterte Menschen in ganz Deutschland. Dieser neue Stil, der A-cappella mit Comedy-Elementen und instrumenteller Musik unterstützte, kam beim Publikum an.

Mathias Zeh alias ‚C.’ denkt an das damalige Gefühl zurück: „Wir waren wie die Jungfrau zum Kinde gekommen und total überfordert von dem plötzlichen Erfolg. Alles war so neu für uns.“ Heute nehmen die drei Musiker Preise schon fast routiniert entgegen, reisen von Konzert zu Konzert und veröffentlichten bereits viele Singles und Platten.

Nach einem weiteren TV-Auftritt bei Harald Schmidt im Jahr 1998 schoss das Album ‚Gänseblümchen’ sogar in die deutschen Verkaufscharts. Seitdem sind weitere zwölf Jahre vergangen. Grund genug auf die erfolgreiche Zeit zurückzublicken und für die Fans eine Best-of-CD auf den Markt zu bringen. Mit 23 Titeln auf zwei CDs nehmen sie die Hörer mit auf eine Reise durch die Bandgeschichte. Der Titel ‚the yellow from egg’lässt dabei keine Zweifel über die Qualität der Auswahl aufkommen.

Das volle ‚Feist-Erlebnis’ bekommt aber natürlich nur, wer sich eines der Konzerte anschaut. Bei der aktuellen Tour ‚Klassentreffen’ lockte das nach eigenen Angaben ‚haarloseste Trio Deutschlands’ bereits über 20.000 Fans zu seinen Auftritten. 70 bis 80 Konzerte jährlich und durchschnittlich ein neues Album alle zwei Jahre – das bedeutet jede Menge Organisation.

Ein Rädchen greift erfolgreich ins andere.

Da die Künstler sich selbst aber weder als Manager sehen noch Lust haben, welche zu werden, nutzen sie seit 2007 die Dienste von Michael Thenner, der Ganz Schön Feist mit Mareike Peter eine Fulltime-Agentin zur Seite stellte. Sie kümmert sich um das gesamte Drumherum des Bandlebens: Organisation der Konzerte, Unterbringung, Ticketing, Pressearbeit …

Eine Arbeit, die die Bandmitglieder in höchs ten Tönen loben. „Durch die systematische Analyse von Verkaufszahlen der CDs oder der Konzertbesuche erhalten wir wichtige Daten für die Planung von Touren oder ein verbessertes Merchandising. Das könnten wir selbst gar nicht leisten – und wir hätten auch gar keine Lust dazu“, erzählt der 2004 zur Band gestoßene Christoph Jess und lobt Mareike Peter als „die Seele des Bookings“.

Da also ein Rädchen ins andere greift, konnten die erfolgreichen Musiker ihren ohnehin schon hohen Marktwert mithilfe der Werbeagentur blaueQuelle durch professionelles Marketing im Internet, kreative Werbeideen und nationale Pressearbeit weiter steigern. Ihre Konzertreisen führen nun sogar regelmäßig ins Ausland. So zählen Auftritte in Bozen, Wien oder Linz zu jeder Tour.

Nicht zuletzt wegen des besonderen österreichischen Humors, den vor allem Mathias Zeh zu schätzen weiß: „Ich habe mich dort einfach extrem gut verstanden gefühlt.“ Und das obwohl die ‚Feisten’ auf regionale mundartliche Spielereien gänzlich verzichten. Aber auch in der Heimat gibt es Fans, die voll hinter der Band stehen.

Immer noch ungläubig berichten die Drei vom Konzert auf der Bremker Waldbühne, bei dem es „wie aus Kübeln goss“. 250 Zuschauer ließen sich völlig durchregnen – hielten aber bis zum letzten Ton aus. „Ich möchte noch mal alle grüßen, die da waren und ihnen meinen vollen Respekt bekunden“, sagt Mathias Zeh ehrfürchtig.

Sicher befand sich unter diesen 250 Unbeirrbaren auch das ein oder andere Mitglied des Ganz-Schön-Feist-Fanclubs. Die haben nämlich sogar ihre eigene Internetseite. Von deren professioneller Betreuung zeigen sich die Musiker absolut beeindruckt und freuen sich über die Unterstützung, die sie auf diesem Wege erfahren. Dies alles zeigt, wie viele Elemente zu einem erfolgreichen Bandleben zusammengefügt werden müssen.

Rainer Schacht, Christoph Jess und ‚C.’ können sich dank der Unterstützung durch ihre Agentur, engagierte Kulturschaffende, die auch an außergewöhnlichen Orten Konzerte organisieren, und vor allem auch durch ihre Fans, voll auf ihre Musik konzentrieren. Und dass sie wissen, wie wichtig es ist, auf ein Ziel zuzusteuern, bewiesen sie schon vor vielen Jahren mit einem ihrer Titel: „Es ist gut, wenn du weißt, was du willst“ …