Entscheider auf zwei Rädern

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Text von: redaktion

Zahlreiche Entscheider fahren Motorrad als Ausgleich zum stressigen Alltag und berichten über ihre große Leidenschaft.

Die Sonne strahlt. Es ist angenehm warm. Befindet man sich bei solch sommerlichen Bedingungen zwischen Harz und Thüringer Wald an einer Landstraße, muss man nicht lange warten, bis man das markante Dröhnen und Knattern von Motoren hört.

Einmal, zweimal, dreimal, dann ist Ruhe, bis der nächste Tross Motorradfahrer vorbeirauscht. Mal geht es in hoher Geschwindigkeit durch das kurvige Gelände, mal zieht auch nur eine einsame Chopper gemütlich vorbei. Zwischen diesen beiden Extremen von Fahrertypen bewegen sich auch die Entscheider der Region, die leidenschaftlich gern Motorrad fahren.

Lars Obermann von der Spedition Obermann beispielsweise hat ein Faible für italienische Sportmaschinen, würde diese jedoch genauso wenig auf der Landstraße voll ausfahren wie seine beiden Mitstreiter Marc Burgholte und Matthias Bode, da die Gefahr eines Sturzes gegeben sei und auch die erlaubte Höchstgeschwindigkeit schnell deutlich übertroffen werde. Daher erachten die drei Osteroder die Rennstrecke als besseren Ort für einen Geschwindigkeitsrausch. Dafür bietet beispielsweise die Motorsportarena Oschersleben ideale Bedingungen. Der Fokus beim Fahren auf der Rennstrecke liege aber gar nicht auf einer besonders hohen Endgeschwindigkeit sagt Obermann, sondern viel mehr auf der Dynamik, mit der die Maschine beschleunigt und durch die man regelrecht in den Sitz gepresst werde.

Ein weiteres Highlight für die drei Freunde sei der gemeinsame, jährliche Motorradurlaub, da dort alles zusammenkäme, was das Motorradfahren ausmache, erklärt der 41-Jährige: „Es ist einfach großartig, eine Woche im Jahr völlig abschalten zu können.“ Das Besondere dabei sei, ergänzt Marc Burgholte, Betreiber zweier Altersheime, die perfekte Relation von Motorradfahren am Tag, wenn man nur mit sich und seinen Gedanken alleine sei und den gemeinschaftlichen Abenden, an denen viel geredet und gelacht werde.

Aber auch in der Region seien die drei gerne unterwegs. Vor allem der Harz sei eines der schönsten Reviere überhaupt in Deutschland, das zudem viele Variationsmöglichkeiten biete. Natürlich dürfe bei einer anständigen Rundfahrt durch den Harz der bekannte Motorradtreffpunkt in Torfhaus nicht fehlen, da man dort immer auf eine Vielzahl Gleichgesinnter treffe, mit denen es sich gut Fachsimpeln lasse, erklärt Lars Obermann. Marc Burgholte wiederum zieht es bei seinen Ausfahrten eher in den Ostharz, von wo aus es schöne Strecken zum benachbarten Kyffhäuser und hinunter in den Thüringer Wald gebe. Genießen könne man das Motorradfahren im ganzen Harz jedoch eigentlich nur in der Woche, da an den Wochenenden einfach zu viel Verkehr herrsche, sind sich die drei einig.

Doch egal, wo und wann sie fahren, überall findet das Trio einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsleben. Darüber hinaus sei das Motorradfahren immer ein tolles Gruppenerlebnis, findet Matthias Bode, der einen Betrieb für Tief- und Gartenbau führt.

Aber nicht nur der Harz im Norden und Osten der Region bietet ideale Bedingungen zum Fahren. Schaut man etwas westlicher, so schließt sich der hügelige Solling an, von wo aus es schöne Übergänge ins Weserbergland gibt. Aber auch das Eichsfeld gehört genauso zu den bevorzugten Motorradgebieten wie der Kaufunger Wald im Süden der Region.

Diese Landschaften gehören zu den Stammrevieren der Männer von „business on bikes“ (siehe Seite 104): Daniel Gerlach (blackbit), Michael Röttcher (Gothaer Versicherungen), Frank Engelhardt (Miele-Küchenstudio) und Uwe Smidt (Plastoreg).

Für die technikbegeisterten Gerlach und Smidt steht dabei das präzise Zusammenspiel von Mensch und Maschine im Vordergrund. Aber auch sie sehen im Motorradfahren einen klaren Kontrast zu ihrem Alltagsleben. „Man kann einfach mal abschalten, bekommt den Kopf frei und kann Stress abbauen“, sagt Smidt. „Außerdem hat man einen viel größeren Radius als beispielsweise beim Laufen oder Radfahren“, ergänzt Gerlach. Dadurch sehe man mehr von der Landschaft und erhalte zudem intensivere Eindrücke als beim Autofahren. All das, fügt Engelhardt hinzu, mache die „Faszination Motorrad“ aus. Um diese auch während der Arbeit auszunutzen, fährt Michael Röttcher auch mal mit dem Motorrad zum Kunden.

Für Norbert Liekmeier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Göttingen, hingegen bedeute Motorradfahren vor allem Entspannung und die finde er nicht bei Tempo 200, sondern eher, wenn er samstagmorgens übers Land fährt: „Die Leute auf dem Dorf sind einfach viel entspannter. Die stehen morgens an der Straße mit ihrem Besen in der Hand und unterhalten sich seelenruhig mit jemandem, den sie gerade treffen“, erzählt Liekmeier. Zum Motorradfahren selber sei er durch eine ähnliche Situation gekommen. Ein Urlaub auf Ibiza mit seinen drei Söhnen habe ihn dazu inspiriert: „Eigentlich war das Motorradfahren ganz weit weg von mir, schließlich bin ich zuletzt als Jugendlicher gefahren, aber als ich diese Gruppe von Harley-Fahrern sah, die in der warmen Abendsonne die Landstraße hinunter fuhren, bekam ich wieder Lust.“

Das Beispiel ist typisch für viele der anderen Entscheider, die auch als Jugendliche Motorrad fuhren, dann lange pausierten, um schließlich wieder zum Fahren bewegt zu werden. Keiner von ihnen hat die Entscheidung bereut, wieder auf ein zweirädriges Gefährt zu steigen, da die intensiven Gefühle und Sinneseindrücke, die über das Fahren transportiert werden, so eindringlich sind, dass sie immer wieder aufs Motorrad steigen. „Motorradfahren ist einfach ein Traum“, sagt Lars Obermann abschließend, „ein Traum, den man sich aber erfüllen kann.“

Und so wird es auch in der nächsten Saison wieder Dröhnen und Knattern zwischen Harz und Thüringer Wald.