©Luka Gorjup
Text von: Lena von Felde

Inken Knoth beweist mit ihrer Ausbildung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme bei Piller in Osterode, dass auch junge Frauen sich in einer Männerdomäne behaupten können.

Vor genau einem Jahr hat Inken Knoth ihre Ausbildung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme bei Piller in Osterode begonnen. Wesentlicher Inhalt dieses Berufsfeldes ist es, Geräte sowie Komponenten zum Beispiel für das Bankwesen, Versicherungen, Rechenzentren, Flughäfen, Krankenhäuser, Telekommunikation und für industrielle Anwendungen zu fertigen, zu steuern, zu prüfen und instand zu halten. Auf die Frage, warum Inken sich gerade für diese Ausbildung entschieden hat, hat die 17-Jährige eine klare Antwort: „Ich kannte diesen Beruf schon ungefähr von meinem Vater, der auch Elektroniker ist – und als in der Schule dann ein Programm angeboten wurde, welches sich ‚Mädchen schwer auf Draht‘ nannte, war ich sofort dabei.“ Hier wurde den Schülerinnen der Realschule auf dem Röddeberg in Osterode das Löten beigebracht, und Inken fand riesigen Spaß daran. Auch die Firma Piller war ihr schon länger durch ein Schulpraktikum bekannt, bei dem Inken in den verschiedenen Abteilungen der Firma arbeitete und somit einen guten Einblick in die Arbeit bekommen konnte.

Somit fiel ihr nach ihrem erweiterten Realschulabschluss die Wahl eines Ausbildungsbetriebes auch nicht schwer. Das Unternehmen im Harz ist weltweit im Bereich der unterbrechungsfreien Stromversorgung tätig und hat inzwischen rund 1.000 Mitarbeiter. In diesem Jahr feiert es sogar sein 100-jähriges Bestehen am Standort Osterode. „Das Arbeitsklima hier bei Piller ist sehr angenehm, auch wenn die Arbeit teilweise natürlich anspruchsvoll ist.“, erzählt Inken.

Ein typischer Arbeitstag gestaltet sich für Inken so, dass sie morgens von ihren Ausbildern einen Auftrag – zum Beispiel die Verdrahtung eines Schaltschranks – bekommt, welchen sie anschließend ausführt. Dabei sitzt sie mit den Facharbeitern zusammen an einem Platz, arbeitet jedoch selbstständig. Die Azubis arbeiten in Gleitzeit und gehen im ersten Ausbildungsjahr zweimal in der Woche in Osterode zur Berufsschule. Im Ausbildungsjahr zwei, drei und vier dann nur noch einmal.

In der Schule hat Inken im ersten Lehrjahr zum Beispiel die Grundlagen der Elektrotechnik oder Digitaltechnik gelernt. Besonders gut gefällt ihr an ihrer Ausbildung, dass sie kleine, feine Arbeiten ausführen muss, bei denen sie extrem viel Fingerspitzengefühl beweisen muss – wie beispielsweise beim Löten.

Von insgesamt zwölf Auszubildenden in ihrem Lehrjahr ist Inken Knoth die einzige weibliche Auszubildende. „Obwohl ich das einzige Mädchen bin und in einem typischen Männerberuf arbeite, werde ich nicht anders oder besonders behandelt“, sagt die 17-Jährige. „Meine Leistungen werden genauso bewertet wie die von den Jungs, und ich fühle mich sehr wohl hier.“ Natürlich falle man als Mädchen in diesem Beruf auf, aber wenn man selbstbewusst an die Sache rangehe, sei es auch für niemanden etwas ‚Besonderes‘. „Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und gegen die gängigen Klischees zu kämpfen, um zu zeigen, dass auch junge Frauen sich in diesem Beruf problemlos behaupten können“, sagt Inken überzeugt.

Für die Zeit nach ihrer Ausbildung – die insgesamt dreieinhalb Jahre dauert und mit einer Abschlussprüfung abgeschlossen wird – hat Inken noch keine genaueren Pläne, doch stehen ihr diverse Möglichkeiten offen: Die Firma Piller bildet aus, um den eigenen Fachkräftebedarf zu decken. Außerdem ist es möglich, ein Stipendium von Piller zu bekommen und zu studieren – zum Beispiel Elektrotechnik an der Universität Kassel oder Maschinenbau an der TU Braunschweig. „Ich bin noch sehr jung und habe noch genug Zeit, um meine Zukunft zu gestalten. Für mich ist das nächste Ziel erst einmal, meine Ausbildung erfolgreich abzuschließen.“

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