Einsatz lohnt sich

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Tobias Kintzel

Auf einer ‚Jobexpedition‘ fanden sich Studentin Wiebke-Anika Hamel und Carl Zeiss Microscopy GmbH in Göttingen.

Vor einem Jahr hat Wiebke-Anika Hamel direkt nach dem Studium ihren ersten Job als Business-Process-Analyst bei der Carl Zeiss Microscopy GmbH angetreten. Bevor sie im Wintersemester 2010/2011 im Rahmen ihres Masterstudiums ‚Unternehmensführung‘ an der Georg-August-Universität Göttingen einen Praxisvortrag des Zeiss-Geschäftsführers Wilhelm Nörthemann gehört hatte, war ihr nicht einmal bewusst gewesen, dass einer der führenden Anbieter von Mikroskopieprodukten für Biowissenschaft und Materialforschung einen Standort in Göttingen hat. „Herr Nörthemann hat sich in seinem Vortrag mit organisatorischem Wandel sowie dessen Verankerung in der Unternehmenskultur beschäftigt. Dabei betonte er vor allem die Wichtigkeit von jungem, motiviertem und qualifiziertem Personal für das Gelingen dieses Vorhabens“, erinnert sich Hamel. „Am Ende sprach er für alle Interessenten eine Einladung zu einer Werksführung aus und ermutigte uns, sich initiativ oder auf eine ausgeschriebene Stelle zu bewerben.“ Gemeinsam mit drei Kommilitonen entschied sich die Studentin, die Ernsthaftigkeit dieser Einladung zu überprüfen und sich für eine Werksbesichtigung bei Zeiss anzumelden.

„Für uns ist es sehr aufschlussreich zu beobachten, wer solch einem Aufruf folgt und tatsächlich die Initiative ergreift“, betont Thomas Reimann, der als Teamleiter Personalmanagement bei Zeiss tätig ist. „Wir sehen solche Angebote als Chance für Studenten, als eine Art Eintrittskarte, aus der sie etwas machen können.“ Nach der Führung durch das Werk in der Königsallee schloss sich für Hamel noch ein Vorstellungsgespräch an: Sie hatte sich für ein Praktikum im Bereich Logistik beworben, einem ihrer Schwerpunkte sowohl im Bachelor- als auch im Master-Studium.

Das für das Frühjahr 2011 angebotene Praktikum sagte Hamel zunächst ab – sie wollte ein Auslandssemester in Australien verbringen. Von dort nahm sie erneut den Kontakt zu Thomas Reimann auf, um zu fragen, ob sie das Praktikum nach ihrer Rückkehr noch immer antreten könne. „Frau Hamel hatte nachvollziehbare Gründe für ihre Absage und verfolgte ihre Ziele ehrgeizig. Mit den Erfahrungen eines Auslandssemesters konnte sie außerdem eine zusätzliche, für uns interessante Qualifikation vorweisen“, sagt der 31-Jährige zurückblickend. „Nach einem Telefoninterview mit der Fachabteilung haben wir dann das Praktikum möglich gemacht.“

Sowohl für die Carl Zeiss Microscopy GmbH als auch für die Studentin Hamel hat sich das Praktikum gelohnt: Das von Februar bis April 2012 von Wiebke-Anika Hamel erarbeitete Konzept zum Thema Behältermanagement für den Standort Göttingen überzeugte die Fachabteilung und den Geschäftsführer Wilhelm Nörthemann so, dass sie nach Beendigung des Praktikums als externe Auditorin die Umsetzung ihres Konzepts parallel zum Studium weiter begleiten durfte. „Von den Erfahrungen, der Übernahme von Verantwortung und dem gewährten Gestaltungsspielraum in der Erreichung der Ziele profitiere ich noch heute“, ist sie überzeugt.

Als sie während der Fertigstellung ihrer Masterarbeit im Dezember 2012 von der offenen Stelle als Business-Process-Analyst erfuhr, bewarb sie sich. „Frau Hamel durchlief das gesamte Verfahren wie alle anderen Bewerber auch. Aus dem Praktikum wussten wir natürlich, welche Ergebnisse wir erwarten können und wie sie arbeitet. Am Ende konnte sie sich durchsetzen“, so Reimann.

Während die junge Prozess-Analystin zugibt, weder beim Praxisvortrag noch bei der anschließenden Werksführung bereits an eine Festanstellung gedacht zu haben, sah das aus Unternehmenssicht schon anders aus. „Wir suchen regelmäßig den Kontakt in die Universität und zu den Studenten, halten Vorträge und bieten die Möglichkeit einer Werksbesichtigung immer wieder gerne. Das sind, verglichen mit den üblichen Rekrutierungskosten, günstige Wege, Fachkräfte auf das Unternehmen aufmerksam zu machen, und diese Maßnahmen können im ‚War for Talents‘ den Unterschied bedeuten“, erklärt der Personaler Reimann. Deshalb habe Carl Zeiss auch schon an der Jobexpedition, einem Projekt von geniusgöttingen, teilgenommen. Das erklärte Ziel der Jobexpedition ist es, Hochschulabsolventen bei Besuchen vor Ort Karrierechancen in der regionalen Wirtschaft aufzuzeigen und Unternehmen mit potenziellen Fachkräften zusammenzubringen.

Sowohl der Besuch eines Vortrags als auch eine ‚Expedition‘ ins Unternehmen – organisiert durch geniusgöttingen oder individuell vereinbart – seien niederschwellige, wenig aufwändige Angebote für Studenten, sich einem Unternehmen zu nähern und sich zu informieren, so Reimann. Für Carl Zeiss gehöre es dann konsequenterweise dazu, jungen, motivierten und qualifizierten Fachkräften individuelle Wege für den Einstieg in das Unternehmen zu bieten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Flexibilität auszahlt“, sagt Reimann mit Blick auf die 28-jährige Prozessanalystin an seiner Seite, die sich heute gut und gerne um das Konzeptionieren und Einführen von Prozessoptimierungen im Unternehmen kümmert. „Und der etwas erhöhte Aufwand dieser individuellen Angebote wird durch die Ergebnisse in jedem Fall gerechtfertigt.“