Eine Million Euro für die Ausbildung von forschenden Ärzten

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Text von: redaktion

Als Arzt voll in die Krankenversorgung eingebunden zu sein und gleichzeitig auf hohem Niveau zu forschen, das ist heute für viele junge Nachwuchsmediziner in Deutschland schon aus zeitlichen Gründen schwer zu bewerkstelligen. Dabei braucht die (deutsche) Medizinforschung solche Experten, die in beiden Feldern arbeiten und so Grundlagenforschung und Krankenversorgung miteinander verbinden.

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) kann jetzt ein Else Kröner-Forschungskolleg einrichten. Damit schafft sie professionelle Voraussetzungen für die Ausbildung und Förderung von klinisch tätigen Ärzten zu ärztlichen Wissenschaftlern oder ‚Clinician Scientists‘. Junge Ärztinnen und Ärzte, die sich am Anfang ihrer Weiterbildung zum Facharzt befinden, können sich für das Kolleg bewerben. Die entscheidende Anschubförderung kommt von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Sie unterstützt das Göttinger Forschungskolleg für drei Jahre mit insgesamt einer Million Euro. Die wissenschaftliche Leitung des neuen Forschungskollegs liegt bei Matthias Dobbelstein, Direktor des Instituts für Molekulare Onkologie der UMG, und Michael Ghadimi, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie der UMG. Koordiniert wird das Forschungskollegs durch Sarah König, ebenfalls aus der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie der UMG.

„Die Einrichtung des Forschungskollegs wird helfen, eine erhebliche Lücke in unserer Forschungslandschaft zu schließen“, sagt Dobbelstein, Sprecher des Kollegs. „Die Förderung ärztlicher Wissenschaftler wird dringend benötigt, um Ergebnisse der Grundlagenforschung zügiger in klinisch nutzbringende Konzepte umzusetzen. Die Göttinger Infrastruktur zur wissenschaftlichen Ausbildung und unsere internationalen Partner im Kolleg werden uns dabei helfen.“

Forschung im Kolleg

Inhaltlich befasst sich das Göttinger Else Kröner-Forschungskolleg mit Fragen zur Behandlung von Patienten, die an Dickdarm- oder Enddarmkrebs leiden. Dabei handelt es sich um eine der häufigsten Tumorarten. Allein in Deutschland wird jährlich bei 65.000 Menschen diese Krebsart neu festgestellt und etwa fünf Prozent aller Deutschen erkranken im Laufe ihres Lebens daran. Derzeit ist der Darmkrebs meist nur heilbar, wenn er in sehr frühen Stadien der Erkrankung behandelt wird. Die Forschungsarbeiten des Kollegs sollen neue Behandlungsansätze durch die Hemmung von Signalwegen und zellulärer Maschinerien aufdecken. Daneben sollen molekulare Parameter erforscht werden, die es möglich machen, den Behandlungserfolg bei einzelnen Patienten besser vorhersehen zu können. Bei der Forschung auf diesem Gebiet liegen in Göttingen bereits umfangreiche Erfahrungen vor. Eine DFG-geförderte Forschergruppe zum Enddarmkrebs, weitere Forschungsverbünde und umfangreiche klinische Studien befassen sich damit.

Förderung im Kolleg

Die Kollegiaten werden Projekte in Zusammenarbeit mit klinischen und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen an der UMG und internationalen Partnern entwickeln und mindestens drei bis fünf Jahre intensiv daran arbeiten. Zunächst erforschen sie die Grundlagen, die auf eine Verbesserung der Patientenbehandlung abzielen. Anschließend betreuen sie die Projekte in ihrem klinischen Umfeld weiter, um die Ergebnisse aus den molekularen Untersuchungen zum Wohl von Patienten umzusetzen. Die Förderung im Rahmen des Forschungskollegs wird die wissenschaftliche Arbeit mit fachlich-methodischer Qualifikation und eine intensive Betreuung und Karrierebildung durch Experten und Mentoren umfassen. Daneben ergänzen Fortbildungsveranstaltungen, Methodenkurse, Workshops und Trainings zu Schlüsselkompetenzen das Programm.