Eine Göttinger Geschichte in Bild und Text

© Nina Tobien
Text von: redaktion

Ein erzählerischer Spaziergang mit Aktiveinheit führt am 27. Juli ab 15 Uhr durch die Ausstellung Nina Tobiens, die im Lichtenberghaus mit ihren Bildern und Settings auch konkret auf die 'Göttinger-Begegnung' des Physikers Georg Lichtenberg mit dem sogenannten Magier Philadelphus Philadelphia eingeht.

Der Kunstverein Göttingen präsentiert die erste institutionelle Einzelausstellung Nina Tobiens in seinen Ausstellungsräumen im Künstlerhaus (Lichtenberghaus).

Auf diesen speziellen Ort nimmt Tobien mittels eines historischen Ereignisses konkret Bezug: 1777 sollte der Zauberkünstler und Illusionist Philadelphus Philadelphia, von Goethe und Schiller bewundert, ein Gastspiel in Göttingen geben.

Der berühmte Göttinger Physiker und Mathematiker Georg Christoph Lichtenberg war über die Salonmagie so verärgert, dass er fingierte Reklamezettel anfertigen ließ – ein ‚Avertissement‘, auf dem unglaubliche Wundertaten Philadelphias angekündigt wurden, die dieser natürlich nie würde zeigen können.

Der so bloßgestellte Philadelphia verließ Göttingen, ohne eine Vorstellung gegeben zu haben.

In Collagen und Installationen entwickelt Tobien aus dieser Geschichte narrative Konstruktionen, die einem eigenen Ordnungssystem unterliegen. Dabei stehen wahrnehmungstheoretische und epistemologische Fragestellungen in Wissenschaft, Kunst bzw. Zauberkunst und okkulten Phänomenen im Vordergrund.

Ausgehend von Lichtenbergs ‚Avertissement‘, auf dem eine Darstellung der Welt auf dem Kopf abgebildet ist – Lichtenbergs klare Aussage über die „verkehrte Welt“ der Zauberkunst gegenüber der Wissenschaft – verweist Tobien mittels der Struktur der Möbiusschleife auf Themen der Umkehrung, Spiegelung und Entsprechung dieser beiden Felder.

Der Spaziergang durch die Ausstellung am 27. Juli 2013 von 15 bis 16:30 Uhr wird geleitet von Anja Marrack, Leitung KUNSTTRANSFER

Künstlerhaus Gotmarstrasse 1, 37073 Göttingen
Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 14 – 18 Uhr
sowie Samstags und Sonntags 11 – 17 Uhr
Eintritt: 2,50 Euro

Anmeldung bzw. Terminabsprache per E-Mail oder telefonisch unter 0551/541846 (Di.- Fr. 10-15 Uhr)

Nina Tobien (geboren 1978 in Hanau) hat an der Städelschule Frankfurt und die Hochschule für Gestaltung Offenbach studiert und beschäftigt sich mit Archiven und Strukturen in Wissenschaft und Kultur. Das zur Ausstellung konzipierte Künstlerbuch von Nina Tobien wird von argobooks, Berlin, veröffentlicht.