Eine andere Welt

© Entscheider Medien GmbH
Text von: redaktion

Die Basketballer der BG 74 Göttingen spielen in der 1. Liga - Herausforderung und Chance für das Management und die Region zugleich.

„Wir wollen nicht nur für ein Jahr dabei sein, sondern mittel- bis langfristig erstklassigen Basketball in Göttingen etablieren“, hat Marc Franz, einer der Geschäftsführer der Starting Five GmbH, bei der Mannschaftsvorstellung Ende August in der Lokhalle den eigenen Anspruch formuliert. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, das sich die BG 74 Göttingen und die Starting Five für die bald beginnende erste Saison mit zwei Mannschaften in der höchsten deutschen Spielklasse, der 1.Basketball Bundesliga, gesteckt haben.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen nicht nur sportliche Höchstleistungen erbracht werden, entscheidend wird vielmehr sein, dass die wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen erfüllt werden. Als erster Baustein dafür kann die Sicherung des von der 1.Basketball Bundesliga (BBL) geforderten Mindestetats von einer Million Euro gesehen werden. Gleichzeitig müssen die Verantwortlichen noch vielen anderen gerecht werden: den erfolgsverwöhnten Göttinger Fans und den Sponsoren, die für ihre finanzielle Unterstützung eine entsprechende Gegenleistung erwarten. „Letztlich ist der Sport unser Produkt. Wir müssen bei den Heimspielen ein perfektes Event auf die Beine stellen, bei dem die Mannschaft auf dem Platz überzeugt und auch der Rahmen stimmt“, erklärt Michael Pickart, der zweite Geschäftsführer der Starting Five.

Um die dafür notwendige Professionalisierung der Strukturen zu garantieren, wurde bereits im Frühjahr 2007 die Starting Five GmbH als Trägergesellschaft der Erstligamannschaften gegründet und im Anschluss ein starkes regionales Netzwerk aufgebaut. Und so ist, wenige Wochen vor dem ersten Heimspiel, die Ausgangsbasis viel versprechend.

Die Lokhalle bietet als Austragungsort der Heimspiele eine einmalige Umgebung, und bei einer Kapazität von 3.500 Plätzen sicherlich eine stimmungsvolle Atmosphäre. Gleichzeitig kann die Starting Five auf das erfahrene Event-Team der Lokhalle um den Geschäftsführer Michael Thenner zurückgreifen, um für einen reibungslosen Ablauf der 17 Heimspiele in der Saison zu sorgen. „Wir übernehmen den gesamten Aufbau für die Spiele. Wir werden bis ins Detail professionelle Arbeit abliefern“, verspricht Michael Thenner. Dazu gehöre auch ein klassisches Catering, das bei einer ausverkauften Halle von 40 erfahrenen Service-Kräften bereitgestellt werde. Nimmt man die etwa 15 Sicherheitskräfte der Hardegser HKS und die fünf Techniker der Halle hinzu, kommen pro Abend jeweils bis zu 60 Arbeitskräfte zum Einsatz.

Auch konnten die Verantwortlichen der BG und der Starting Five gemeinsam mit ihrem Partner, der Göttinger Agentur unic, erfolgreich neue Sponsoren gewinnen und bestehende binden. Nachdem im Rahmen der Teampräsentation bereits die Sparkasse Göttingen und E.ON Mitte als neue regionale Sponsoren präsentiert werden konnten, folgte Anfang September, in der laut unic-Geschäftsführer Dirk Artmann bisher profisportfreien Zone Göttingen, die größte Überraschung: Mit der Krombacher Brauerei konnte nicht nur ein überregionaler, sondern ein überaus profilierter Sportsponsor als Unterstützer gewonnen werden. „Der Vertrag mit der führenden deutschen Premiumbrauerei ist ein Zeichen, das wir für die Zukunft setzen wollen“, kommentiert Marc Franz. Das umfangreiche Werbe- und Marketingpaket hat eine mehrjährige Laufzeit und umfasst unter anderem Werbung auf den Spielerbänken, Banden im TV-relevanten Bereich und die Namensgebung für die Krombacher VIP-Lounge.

Aber nicht nur die Krombacher Brauerei, sondern auch die regionalen Sponsoren wie E.ON Mitte, Börner-Eisenacher oder die Spedition Zufall sehen ihr Engagement langfristig. Darüber hinaus betont Henrich Wilckens, Vorstandvorsitzender von E.ON: „Wir wollen mit dem Sponsoring für die BG unsere Verbundenheit mit der Region unterstreichen.“ Ein Aspekt, den auch Dirk Artmann deutlich herausstellt: „Ein Sponsoring kann nicht nur zur Erreichung kommunikativer Unternehmensziele dienen, sondern gerade auch ein klares Bekenntnis zur Region sein. Spitzensport in Göttingen ist ein wichtiger Beitrag zum Selbstbewusstsein in Südniedersachsen.“

Die gesamte Region müsse sich auf die 1. Bundesliga einlassen und sie als Marketing- Chance wahrnehmen. Das hat die Stadt Göttingen bereits getan. „Hochklassiger Basketball passt perfekt zur Hochschulund Wissenschaftsstadt Göttingen. Unser Standort-Marketing wird um eine wunderbare Facette reicher“, macht Detlef Johannson, Pressesprecher der Stadt, klar. In Absprache mit der Starting Five und unic böten sich auch kleinen Mittelständlern Möglichkeiten, vom Spitzensport der BG zu profitieren. So können nicht nur Karten für Business-Plätze für einen Spielbesuch mit Kunden gekauft, sondern auch Werbebanner in der Halle platziert, Anzeigen im Spielheft geschaltet oder die Promotion-Flächen genutzt werden.

Trotz aller Erfolge der Starting Five: Erste kritische Stimmen werden laut. So ist nicht nur ein langjähriger Sponsor wegen nicht eingehaltener Absprachen verstimmt, sondern auch in der Vergangenheit sehr aktive Ehrenamtliche stehen dem Grad der Professionalisierung kritisch gegenüber. Allerdings ist das kein reines Göttinger Phänomen: Die Anforderungen im Profi-Sport stellen jeden Verein vor die Herausforderung, den Spagat zwischen Traditionen und Kommerzialisierung zu meistern, ohne Fans und ehrenamtlich Tätige zu verprellen. Sieht man dazu den ungeheuren Kraftakt, den die Teilnahme mit zwei Mannschaften in der ersten Liga bedeutet, versteht man Marc Franz‘ Erkenntnis: „Die 1.Basketball Bundesliga ist eine andere Welt!“