Ein Viertel auf alles

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Text von: Redaktion

Abgeltungsteuer 2009 – wie Sie jetzt noch Geld sparen können. Tipps von Holger Ludwig (Foto, l.) und Roger Borgmann.

Zunächst hört es sich nicht schlecht an: Legen Sparer ihr Geld bei der Bank an, kosten die Erträge ab 2009 nur 25 Prozent Steuern. So propagiert es Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Außerdem soll die pauschale Abgeltung ein Versteckspiel zwischen Anlegern und Finanzamt verhindern. Doch so einfach und verlockend wird die neue Steuerwelt nicht – zumindest nicht für alle Anleger.

1. Die Abgeltungsteuer wird mehr als 25 Prozent der Erträge kosten. Denn plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer können bis ca. 28 Prozent abgegolten werden. Soli und Kirchensteuer werden ja auch heute bereits fällig.

2. Was bei der Abgeltungsteuer außerdem zu Buche schlägt: Sie wird demnächst auch für Kapitalerträge erhoben, die bislang steuerfrei waren. Richtig freuen können sich daher nur reine Zinssparer und Anleger mit Lebensversicherungen. Draufzahlen werden hingegen Fondsanleger und Aktienbesitzer. Die konnten bislang Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer komplett steuerfrei realisieren. Ausschüttungen der Aktien und Fondsgesellschaften kosten derzeit nur zur Hälfte Steuern („Halbeinkünfteverfahren“). Selbst sehr gut verdienende Selbständige oder Angestellte zahlen für ihre Dividenden somit maximal 22,5 Prozent Steuern. Künftig sind es 25 Prozent. Anleger sollten ihr Depot deshalb rechtzeitig abgeltungsteuerfest machen. Dabei gilt es, Vorteile bis Ende 2008 zu nutzen und die Anlageinstrumente den neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

In Ruhe abwarten können Sparer, die nicht mehr als 801 Euro pro Jahr an Kapitalerträgen erhalten (Ehepaare: 1.602 Euro). Dieser Sparerfreibetrag bleibt erhalten mit einer kleinen, aber wichtigen Änderung: Mit dem Freibetrag, der künftig Sparerpauschbetrag heißt, sind ab 2009 auch alle Ausgaben rund um das Konto oder Depot abgegolten. Auch Sicherheitssparer, die auf feste Zinsen setzen, können gelassen bleiben. Solche typischen Zinssparer zahlen bislang meist deutlich mehr als 25 Prozent Einkommensteuer für Zinsgutschriften, die über dem Sparerfreibetrag liegen.

Neue Überlegungen sind im Hinblick auf die Abgeltungsteuer für Lebens- und Rentenversicherungen anzustellen. Besonders die fondsgebundenen Varianten werden künftig hoch interessant. Ermöglichen sie doch, das Portfolio umzuschichten, ohne dass Abgeltungsteuer fällig wird. Mit einer höheren Steuerbelastung müssen Anleger rechnen, die bevorzugt in Aktien, Aktienfonds, Zertifikate oder Anleihen investieren. Diese Erträge werden gleich an zwei Stellen teurer. Zum einen wird bei Aktien und Aktienfonds das Halbeinkünfteverfahren gestrichen. Das bedeutet: Dividenden werden demnächst Abgeltungsteuer kosten. Derzeit sind sie nur zur Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz abgabenpflichtig. Was aber noch gravierender ist: Kursgewinne aus Aktienverkäufen oder anderen Papieren sind ab 2009 grundsätzlich abgeltungsteuerpflichtig. Die Spekulationsfrist, die derzeit noch dafür sorgt, dass Anleger Papiere steuerfrei verkaufen können, die sie länger als ein Jahr gehalten haben, entfällt.

Allerdings: Bei Aktien, Anleihen oder Fonds besteht bis zum 31.Dezember 2008 Bestandsschutz. Wer bis zu diesem Datum kauft oder aufstockt, profitiert noch von den bestehenden Regelungen und kann Kursgewinne nach einem Jahr oder auch viel später steuerfrei einstreichen. Die größten Vorteile winken bei steueroptimierten Fonds, die auf langfristigen Wertzuwachs setzen. Jetzt gilt es, Kapitalanlagen für die Abgeltungsteuer zu optimieren, vor allem bei Investments mit einem hohen Gewinnpotenzial, also Aktien oder Fonds. Für diese Anlageklasse bieten Dachfonds feine Möglichkeiten. Während Fondsvermögens- verwaltungen mit Einzelfonds bei Umschichtungen zwischen den Einzelfonds zu Abgeltungsteuer führen, lösen Umschichtungen innerhalb von Dachfonds keine Abgeltungsteuer aus. So ergibt sich für die Anleger ab 2009 eine Steuerstundung, bis sie ihre Anteile veräußern. Ein Vorteil, den Kunden zum Beispiel auch beim neuen Modularen Vermögensmanagement von MLP genießen: Dieses Anlagekonzept ist durch die Dachfondskonstruktion abgeltungsteueroptimiert. Daneben bieten diese Superfonds einen weiteren Vorteil: Sie können nicht nur in andere Fonds investieren, sondern in alle Anlageinstrumente, also auch in Derivate, unter Berücksichtigung eines optimalen Rendite-Risiko-Verhältnisses. Bei bestehenden Einzelfonds oder Einzelwertpapieren kann also eine Umschichtung in Superfonds sinnvoll sein.

Dr. Holger Ludwig (Foto, l.) und Roger Borgmann sind MLP-Berater der Geschäftsstelle Göttingen II. Kontakt: goettingen2@mlp.de