Ein Fest für Amar

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Text von: redaktion

Sechs Stunden dauerte die Operation. Dann hatte Wolfgang Ruschewski, Schwerpunktprofessor für Kinderherzchirurgie in der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen, die Fehlbildungen am Herzen des kleinen Amar beseitigt.

Der neun Monate alte Junge aus dem Irak litt an der so genannten Fallot‘schen Tetralogie. Die Kinderhilfe-Irak der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) hat die Behandlung vermittelt.

Der Vorstand der Universitätsmedizin Göttingen unterstützte die Operation durch die Übernahme der medizinischen Versorgung. „Dank der guten Diagnostik im Irak konnten wir schnell handeln und dem Jungen helfen. Da die Erkrankung bei ihm nicht so ausgeprägt war und die Operation gut verlaufen ist, wird er wohl keine Nachbehandlung in seiner Heimat benötigen und kann ganz normal aufwachsen wie andere Kinder in seinem Alter auch“, sagt Thomas Paul, Direktor der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin der Universitätsmedizin Göttingen.

Vier Fehlbildungen des Herzens korrigiert

Der Name der Herzerkrankung ‚Fallot‘sche Tetralogie‘ (‚tetra‘, lateinisch = vier) weist auf vier Fehlbildungen des Herzens hin: ein großes Loch in der Kammerscheidewand, eine Verlagerung der Aortenklappe, eine Einengung der Lungenschlagaderklappe sowie ein übermäßiger, zusätzlich einengender Muskelaufbau der rechten Herzkammer.

„Bei der Operation haben wir die beiden Herzklappen, die vorher miteinander kommuniziert haben, getrennt“, sagt Ruschewski. „Da die Pulmonalklappe bei Amar relativ gut ausgebildet war, konnten wir eine Ausflussbahnplastik mit einer begrenzten Erweiterungsplastik der rechten Herzkammer vornehmen. Über diese kann das Blut wieder normal an die Lunge weiterfließen.“

Vor der Operation war der Blutfluss von der rechten Herzkammer in die Lunge durch die verengte Pulmonalklappe erschwert.

Teilweise floss Blut direkt in den Körper zurück, anstatt in der Lunge wieder mit Sauerstoff angereichert zu werden. Die Folge ist meistens eine Sauerstoffunterversorgung der Organe mit so genannter Blausucht (Zyanose).

„Die Erkrankung war bei dem Jungen noch nicht so stark fortgeschritten, dass er an Blausucht litt. Seine Haut war normal rosig. Nach der Operation ist Amar für sein Leben lang geheilt und wird keine weiteren medizinischen Eingriffe mehr brauchen“, sagt Ruschewski.

Amars rechte Herzkammer muss sich noch daran gewöhnen, das gesamte venöse Blut in die Lunge abzugeben, also ihre normale Aufgabe zu übernehmen.

In der Kinderherzchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen zählt die Operation zur Routine. Jedes Jahr werden etwa zwölf Kinder mit dem Krankheitsbild ‚Fallot‘sche Tetralogie‘ operiert.

Hilfe aus Deutschland

Amar lebt mit seiner Familie in der Stadt Babel im Irak und hat eine dreijährige Schwester. Trotz guter Diagnostik der Erkrankung des Jungen in seiner Heimat konnte die schwierige Operation vor Ort nicht durchgeführt werden.

Deshalb ist die Mutter mit Amar nach Deutschland gereist.

Die Kosten für die Untersuchung, die Behandlung, den Flug sowie die Unterkunft haben sich die Kinderhilfe-Irak und die Universitätsmedizin Göttingen geteilt. „Unsere Familie im Irak freut sich schon sehr, dass wir wieder alle zusammen sind. Dann gibt es ein großes Fest zu Ehren Amars“, sagt seine Mutter Alyaa Gburinaji Salamat.