“Ein fast vergessenes Sahnestück“

© Katrin Kunze
Text von: Yannick Lowin, redaktion

In einer konzertierten Aktion wollen die Radsportler vom Tuspo Weende eine Renaissance der Göttinger Radrennbahn herbeiführen.

„Der Radsport boomt in Göttingen“, davon ist Holger Buch, Abteilungsleiter des Göttinger Sportvereins Tuspo Weende, überzeugt.

Dies zeige sich nicht nur an den Hunderten von Radsportbegeisterten, die jedes Wochenende das Umland befahren, sondern vor allem an der Vielzahl von Kindern und Jugendlichen, die in den vergangenen Jahren mit dem Radsport begonnen haben.

„Ein anspruchsvolles Kinder- und Jugendtraining zu gestalten, ist auf öffentlichen Straßen allerdings schwierig und kann sogar gefährlich werden“, erklärt Buch. Abhilfe würde da eine Radrennbahn schaffen.

Eine solche Bahn existiert sogar in Göttingen – und ist damit, neben einer maroden in Hildesheim, die einzige Freiluftbahn weit und breit.

Die für eine Radrennbahn außergewöhnlich lange 400-Meter-Piste wurde in den fünfziger Jahren im heutigen SVG-Stadion am Sandweg gebaut, als der Radsport eine „große Nummer“ gewesen sei, wie der Patentanwalt und stellvertretende Abteilungsleiter der Radsportler vom Tuspo Weende, Peter Schneider, erzählt.

Auf der Bahn hätten viele Wettbewerbe stattgefunden, darunter auch die berühmten Steherrennen. Ende der achtziger Jahre habe sich die Bahn allerdings in einem maroden Zustand befunden, und da niemand bereit gewesen sei, für die Sanierung des Asphalts aufzukommen, wurde sie still gelegt.

Vor fünfzehn Jahren gab es dann bereits die ersten Versuche, die Bahn wieder zu reaktivieren. Diese verliefen jedoch alle im Sande. Auch Holger Buch und Peter Schneider interessierten sich dafür.

Konkretere Züge nahm eine Sanierung der Radrennbahn erst an, als der grüne Stadtratsabgeordnete Ulrich Holefleisch im Winter 2008/2009 zu einem runden Tisch einlud. Dabei machte er den anwesenden Funktionären der Göttinger Radsportvereine jedoch klar, dass die Stadt eine Renovierung zwar begrüße, aber keine entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen könnte.

Nichtsdestotrotz waren Buch, Schneider und ihre Mitstreiter fest entschlossen, die Sanierung zu realisieren. Erste Gespräche mit der SVG Göttingen, der Pächterin der Sportanlage, verliefen sehr positiv, und man konnte sich unkompliziert auf eine Nutzungsvereinbarung einigen.

Die Finanzierung der teuren Sanierung soll schnell auf die Beine gestellt werden.

Auch die Finanzierung der etwa 130.000 Euro teuren Sanierung wollten die Beteiligten so schnell wie möglich auf die Beine stellen. Daher entwickelten sie ein innovatives Finanzierungskonzept: Neben der Förderung des Landessportbundes, der 20 Prozent der Kosten übernimmt, hatten die Verantwortlichen vom Tuspo Weende die Idee, den Rest auf privatem Wege erst vor- und dann zu refinanzieren.

„Privatleute haben uns Summen zwischen 5.000 und 10.000 Euro zu sehr niedrigen Zinssätzen geliehen“, erzählt Peter Schneider. „Auf diese Weise konnten wir die Fördergelder beim Landessportbund beantragen und uns darum kümmern, die Sanierung der Bahn zu planen“, ergänzt Holger Buch.

Refinanziert werden sollen die Darlehen jetzt über Spenden, ebenfalls von Privatleuten und von Unternehmen aus Südniedersachen. Mit diesem Konzept wollten die Verantwortlichen verhindern, dass das Spendensammeln im Vorfeld zu viel Zeit in Anspruch nimmt und die Fördergelder für das Jahr 2011 dann schon weg sind.

Unterstützt wird die Aktion auch vom Radsportverband Niedersachsen, der die Vergabe offizieller Meisterschaften in Aussicht gestellt hat. Die Bahn solle dann außerdem für alle Radsportvereine im Umkreis und auch für den Schul- und Behindertensport breiteren Kreisen zugänglich gemacht werden.

„Alle Radsportbegeisterten aus Südniedersachsen und Nordhessen können sich nun“, so erzählt Peter Schneider begeistert, „auf ein in Niedersachsen einmaliges Sahnestück freuen.“

Interessierte Spender können sich direkt an Holger Buch (0551/541442) und Peter Schneider (0551/7893818) wenden. Jeder Spender wird dann auf einer Sponsorentafel, die an der Rennbahn aufgestellt wird, verewigt und findet auch in der Öffentlichkeitsarbeit zur Radrennbahn eine entsprechende Erwähnung.