Ein (fast) perfekter Plan

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Tobias Kintzel, redaktion

Mathematikprofessor Stephan Westphal hat eine Software entwickelt, mit der professionelle Sportligen ihre Spielpläne optimal gestalten können.

Wenn in der ,deutschen Basketball Bundesliga‘ sechs Mannschaften gemeldet wären, hätte es früher – nach dem vor der Saison 2011/2012 gebräuchlichen Planungssystem – 720 denkbare Spielpläne gegeben. Wenn. Tatsächlich sind 18 Teams in der Liga aktiv, und so waren es mehr als sechs Billiarden Möglichkeiten, die Spielpaarungen der Saison anzusetzen. Und obwohl das eine unvorstellbare große Zahl ist, sagt Stephan Westphal: „Sofern die Liga-Verantwortlichen die Saison mit Hilfe meiner Software geplant haben, können sie am Ende des Prozesses die klare Aussage treffen: Das ist der beste Spielplan.“

Den Kontakt mit Westphal, der damals Juniorprofessor am Institut für numerische und angewandte Mathematik an der Georg-August-Universität war, hatte die Basketball-Bundesliga im Jahr 2010 aufgenommen. Auslöser waren fortgesetzte Probleme mit der Ausarbeitung und anschließenden Umsetzung der Spielpläne, häufig ausgelöst durch schlechte Verfügbarkeiten der Sporthallen.

„Basketball ist eben nicht die Ballprinzessin! Oft müssen sich die Vereine Hallen mit anderen Veranstaltungen teilen. Spielverlegungen waren ein großes Problem“, erklärt Westphal. Die Konsequenzen bekamen sowohl die Liga als auch die Vereine zu spüren. Während die Liga damit zu kämpfen hatte, dass die Tabelle oft nicht den tatsächlichen Stand im Rennen um die Play-off- Plätze widerspiegelte, bedeuteten Spielverlegungen für die Vereine deutliche finanzielle Einbußen.

„Oft mussten Spiele mitten in der Woche angesetzt werden, und die Vereine konnten deutlich weniger Karten verkaufen“, so der Professor. Aufmerksam geworden waren die Verantwortlichen der Basketball-Bundesliga über die Berichterstattung zu Westphals Arbeit für die ,Deutsche Fußball-Liga‘ (DFL), die für die Planung der Spielpaarungen der Erst- und Zweitligisten bereits länger auf Westphals Software setzte.

Ein halbes Jahr arbeitete der südniedersächsische Mathematiker an der Software für die Basketballer. Neben den oft nicht vorhandenen Hallenverfügbarkeiten sollten der traditionelle Wechsel von Heim- und Auswärtsspielen und individuelle Wünsche der Vereine in die Planung einfließen. Dazu sollten die vom Fernsehsender Sport1 zur Verfügung gestellten 30 Sendeplätze mit spannenden Partien als Werbung für den Basketballsport belegt werden. Stephan Westphal ergänzt: „Die Liga hatte noch ein besonderes Anliegen. Der 2. Januar sollte ein Derbytag mit möglichst kurzen Fahrtstrecken für Mannschaften und Fans zu benachbarten Teams werden.“ Hinter der schließlich entwickelten Software steckt die Idee, alle diese Wünsche berücksichtigen zu wollen. Auf dem Weg zum (fast) perfekten Plan werden vom System heute für jeden nicht erfüllbaren Wunsch Strafpunkte vergeben.

„Der Plan mit den wenigsten Strafpunkten ist der beste! Ganz einfach, objektiv nachvollziehbar und belegbar“, sagt der 37-Jährige. „Und über die Eingabe von GPS-Daten der Spielhallen kann eindeutig gezeigt werden, dass es eine Konstellation für den Derbytag gibt, in der die zu fahrenden Kilometer nicht weiter verringert werden können.“ Seit der Spielzeit 2011/2012 plant die Basketball-Bundesliga nun eigenständig den Spielplan für die gesamte Saison mithilfe der Software, die Westphal entwickelt hat. Heute ist er ordentlicher Professor am Institut für Angewandte Stochastik und Operations Research der Technischen Universität Clausthal. Der Prozess ist interaktiv, jederzeit flexibel anpassbar, und die einfließenden Faktoren sind gewichtbar.

Dass der Einsatz des Planungstools ein Erfolg ist, zeigen zwei Tatsachen: Zum einen steigen die Zuschauerzahlen der Liga kontinuierlich, zum anderen werden auch die Spielpläne der Ligen ProA und ProB seit letzter Saison mit Westphals Entwicklung entworfen. „Auch die Vereine freuen sich. Die Zahl der Mittwochspiele haben wir drastisch reduziert, und die Hallen sind über die Spielplanoptimierung besser ausgelastet. Das bedeutet mehr Gewinn bei gleichbleibenden Kosten“, fügt Stephan Westphal noch hinzu.

Und von diesen Vorteilen wird ebenfalls die BG Göttingen weiterhin profitieren – nach dem erfolgreichen Aufstieg und der Lizenzvergabe nun auch endlich wieder in der 1. Basketball-Bundesliga!