©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sven Grünewald

Die Arbeit des Verpackungsclusters Südniedersachsen hat sich bewährt: Das Netzwerk schafft seit 15 Jahren für regionale Unternehmen – nicht nur aus der Verpackungsbranche – vielfältige Synergieeffekte.

Auch wenn ,nur‘ Verpackung außen draufsteht, im Verpackungscluster ist richtig viel drin. Da sich das Netzwerk auch für Unternehmen, die nicht in der Verpackungsindustrie tätig sind, geöffnet hat, finden sich unter den zurzeit 95  Mitgliedern drei Branchenschwerpunkte: Verpackungsunternehmen aus Südniedersachsen, metallverarbeitende Unternehmen aus Südniedersachsen und Nordhessen (über die Kooperation mit dem Metallverarbeitungscluster Waldeck-Frankenberg) sowie – man staune – Naturkostgroßhändler, die bundesweit zwischen Hamburg und dem Bodensee verteilt sind. „Wir haben uns vor vielen Jahren, bereits 2006, entschieden, das Netzwerk zu öffnen“, erzählt Geschäftsführer Roland Marx.

Dafür seien drei Gründe maßgeblich gewesen: Erstens wollte man für die ursprünglichen Mitglieder Kunden aus allen Branchen gewinnen, die Verpackungen brauchen. Zweitens benötigen alle Mitglieder branchenunabhängig zentrale Güter wie Strom, Gas, Fahrzeuge – mehr Unternehmen bedeutet bessere Einkaufsmacht. Und drittens ermöglichen mehr Mitglieder letztendlich auch die Finanzierung des Clusters. „Seit zehn Jahren und nach Auslauf der Förderungen trägt sich der Cluster wirtschaftlich selbst“, sagt Marx zufrieden.

Ebenso stolz auf diesen Erfolg des Netzwerks ist Detlev Barth, Geschäftsführer der WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen. Die WRG war bei der Gründung Träger und Geburtshelfer des Clusters. „Wenn man bedenkt, dass die große Mehrzahl vergleichbarer Cluster nach Auslaufen der Anfangsfinanzierung sang- und klanglos die Segel gestrichen hat, ist dies allein schon bemerkenswert“, sagt Barth heute. Inzwischen stehe der Verpackungscluster auf Augenhöhe neben dem Osteroder Industrienetzwerk Mekom und dem Measurement Valley. „Auch die Entscheidung, den Sitz von Göttingen nach Hann. Münden zu verlegen, hat dem Cluster gutgetan“, erklärt Barth. „Die enge Anbindung an Unternehmen wie Knüppel Verpackung, das sich sehr engagiert in den Cluster einbringt, und zahlreiche weitere Verpacker aus dem Raum Hann. Münden stärkt die Position des Clusters nachhaltig.“

Über den Einkauf als größtes Geschäftsfeld des Clusters ließen sich für die Mitgliedsunternehmen wirtschaftliche Vorteile zwischen sechs und acht Prozent des Umsatzes generieren – bei einem Gesamtvolumen von 120 Millionen Euro seit Aufbau des Clusters seien damit Ersparnisse von sieben bis acht Millionen Euro zusammengekommen, so Marx. Jährlich kauft der Verpackungscluster in 14 verschiedenen Einkaufsprojekten für rund zehn Millionen Euro Waren ein. Ebenfalls als eine richtige Maßnahme hat sich vor fünf Jahren die Umbenennung der Verpackungsakademie Südniedersachsen in ClusterAkademie erwiesen, über die Fortbildungen und Seminare angeboten werden. „Unter dem Namen Verpackungsakademie ist es uns damals nicht gelungen, Nichtmitglieder für die Seminare zu begeistern“, so der Geschäftsführer. Zu regional, zu branchenspezifisch habe das Angebot geklungen. „Doch die Umbenennung hatte eine Außenwirkung, die immens war.“ Inzwischen konnten auch schon große Unternehmen gewonnen werden, das Seminarangebot zu nutzen – 2019 wurden rund 80 eintägige Veranstaltungen realisiert. „Heute beträgt der Umsatz der ClusterAkademie mit Nichtmitgliedern etwa 50 Prozent“, erklärt Marx. Sie läuft inzwischen sogar so gut, dass es Überlegungen gibt, zu expandieren.

Ansonsten heißt es im Wesentlichen: Weiter so! Die Arbeit des Clusters ist routiniert und trägt für die Mitglieder Früchte. Zahlreiche Erfolgsgeschichten belegen dies – siehe ausgewählte Beispiele. Intensiver soll hingegen der interne Austausch werden, um die wirtschaftlichen Effekte untereinander durch die Mitgliederbegegnung zu erhöhen. Nur eine Sache hat Roland Marx aufgegeben – den Versuch des ,Crossclusterings‘: „Bis auf die Kooperation mit dem Metallcluster und im Naturkostbereich sind die Ansätze einer engen Zusammenarbeit eher gescheitert.“ Potenzielle Kooperationspartner seien mehr daran interessiert, die erfolgreichen Teile der Clusterarbeit zu kopieren, anstatt zusammenzuarbeiten. „Das lief leider viel zu einseitig.“ Un abhängig davon werden je nach Themenstellung die guten Kontakte zu den Netzwerken Mekom, Measurement Valley und dem Industrieverein Alfeld genutzt und geschätzt.

Erfolgsgeschichten:

M.I.T. Maxx Software GmbH, Göttingen – Kundengewinnung 

Vor acht Jahren ist M.I.T. Maxx Software in den Verpackungscluster eingetreten. Die Softwareschmiede aus Göttingen mit derzeit 14 Mitarbeitern fing 2002 mit Telematik-Anwendungen zur Flotten- und Fuhrparksteuerung an und entwickelt seit 2011 zunehmend eigene Logistiksoftware-Produkte und vertreibt diese direkt. Das Hauptanliegen von Geschäftsführer Farshid Noorani für die Mitgliedschaft war, den Kontakt zu potenziellen neuen Kunden zu finden. „Wir bieten kaufmännische und logistische Lösungen für Mittelständler an. Eine Spezialisierung von uns ist das Warehouse Management für Firmen, die größere Lager haben“, erklärt Noorani. „Das ist im Bereich Verpackung definitiv gegeben.“ Von großer Bedeutung für das Softwareunternehmen war die Öffnung des Clusters für Naturkostgroßhändler. „Es gibt nicht so viele Unternehmen, die für den Bereich Lebensmittelgroßhandel Lagersoftware anbieten“, so Noorani. Die Spezialität von M.I.T. liegt dabei in der Reduktion der Fehlerquote auf dem Weg von der Bestellung der Produkte über die Zusammenstellung und den Versand.

Zu seinen Kunden gehört heute auch Naturkost Elkershausen aus Göttingen – kennengelernt haben sie sich auf einer Messe, die der Verpackungscluster mit seinem Kooperationspartner Metallcluster veranstaltete und auf der sich die Mitgliedsunternehmen präsentieren konnten. Das System von M.I.T. überzeugte. „So ist es uns gelungen, die Fehlerquote bei ihnen um über 90 Prozent zu reduzieren“, sagt Noorani stolz. Und das Beispiel Elkershausen überzeugte danach auch andere Mitglieder. „Inzwischen setzen viele im Cluster ebenfalls unser System ein. Allein dadurch hat sich die Mitgliedschaft für uns auf jeden Fall gelohnt.“

Pufas Werk KG, Hann. Münden – Fortbildung und Einkaufsprojekte

Die Pufas Werk KG, gegründet 1928, ist ein mittelständischer Industriebetrieb mit heute etwas über 250 Mitarbeitern sowie einem zweiten Produktionsstandort in Leipzig. Pufas stellt Renovierungsartikel für den Malergroßhandel und Baumärkte her – darunter Kleister, Füllspachtel oder auch Spezialprodukte wie beispielsweise Schimmelsprays. Rund 750 Europaletten werden täglich verschickt.

Im Verpackungscluster ist das Unternehmen seit 2009 Mitglied – seitdem werden sowohl Einkaufsprojekte als auch die Fortbildungsmöglichkeiten über die heutige Clusterakademie genutzt. „Seit es das Fortbildungsangebot über den Verpackungscluster gibt, sind wir dabei“, sagt Ausbildungsleiterin Uta Kiel. „Vorher hatten wir versucht, das über lokale Anbieter abzudecken, aber das hat nicht immer so gut geklappt.“ Über die Clusterakademie sei es dem Netzwerk jedoch gelungen, sehr gute Referenten zu gewinnen, „die genau unseren Bedarf, den wir für unsere Auszubildenden und Angestellten haben, decken“. Besonders hilfreich sei die gute und flexible Organisation der Fortbildungen. Der Bedarf wird bei den Unternehmen angefragt, und wenn eine kritische Menge an Teilnehmern zusammenkommt, wird versucht, eine entsprechende Veranstaltung zu organisieren. „Wenn es klappt, hat man genau den Kurs, den man gerade braucht, ohne die Mitarbeiter quer durch Deutschland auf Reise schicken zu müssen“, erklärt Kiel. Abgesehen von dem Zeitaufwand sei das gerade für die Auszubildenden, die teils noch wenig mobil sind, schwierig. Zwischen zehn und 20 Mitarbeiter werden jährlich zu Fortbildungen in die Akademie geschickt, um ihr Wissen zu aktualisieren oder spezielle Kenntnisse zu gewinnen. „Diese Möglichkeit vor der Haustür zu haben, ist ideal.“

Voss – Die Blechprofis GmbH, Brilon Neukundengewinnung

Im Jahr 2005 wurde in Nordhessen der Metallcluster gegründet, der mit dem Verpackungscluster assoziiert ist – was bedeutet, dass die jeweiligen Unternehmen über die Kooperation gleichzeitig Mitglied in beiden Clustern sind. Geschäftsführer Heinz Voss war bei der Gründung mit von der Partie. Sein Familienunternehmen Voss – Die Blechprofis wurde vor 52 Jahren im nordrhein-westfälischen Brilon gegründet, beschäftigt heute rund 50 Mitarbeiter und fertigt Blechkonstruktionen und Blechzuschnitte in den verschiedensten Materialstärken bis 25 Millimeter an. Der Großteil der Kunden wird regional bedient.

Gleich bei der Eröffnungsveranstaltung des Metallclusters, die gemeinsam mit dem Verpackungscluster stattfand, kam Voss mit dem Geschäftsführer eines Fahrzeugherstellers ins Gespräch. Im weiteren Verlauf der Unterhaltung stellte sich heraus, dass Voss für Spezialteile und Baugruppen als Lieferant für das Unternehmen wertvoll war. Die Geschäftsbeziehung wuchs, auch über den Verkauf des Fahrzeugherstellers an einen Konzern hinaus. „Heute ist die Firma einer unserer größten Kunden“, erklärt Voss zufrieden.

Den Clustern kam für diese Entwicklung eine entscheidende Bedeutung zu. „Denn letztlich hat sich erst dadurch die Gelegenheit ergeben, mit dem Unternehmen ins Geschäft zu kommen“, so Voss. „Aber auch der Kontakt mit den anderen Mitgliedern ist fruchtbar.“ Einen der vorrangigen Mehrwerte durch die Vernetzung sieht Heinz Voss auch in den neuen und verbesserten Geschäftsbeziehungen zu den anderen Netzwerkunternehmen. „Man ergänzt sich gegenseitig – der eine kann das gut, der andere etwas anderes.“