Ein bunter Experimentierkasten

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Das XLAB ist zu einem echten Aushängeschild für den Wissenschaftsstandort Göttingen geworden. Damit dies so bleibt, soll die XLAB-Stiftung helfen, neue Unterstützer zu finden.

Wahrscheinlich ist den meisten die folgende Situation noch aus der eigenen Schulzeit bekannt: Der Chemielehrer versucht zum x-ten Mal einen Versuch durchzuführen. Da es ihm aber nicht so recht gelingen will, und sich die Schulstunde ihrem Ende nähert, erklärt er lediglich theoretisch, was er eigentlich anschaulich darstellen wollte.

Im XLAB dagegen – dem Experimentallabor für junge Leute, hat man es sich seit dem Start im Jahr 2000 zum Ziel gesetzt, Schüler und junge Studierende dazu anzuregen, selbständig zu experimentieren, um ihnen so naturwissenschaftliche Zusammenhänge begreifbar zu machen.

„In der Schule bleibt man oft auf einer abstrakten Ebene stehen, wodurch man sich als Schüler mit purem auswendig lernen konfrontiert sieht“, kritisiert XLABLeiterin Eva-Maria Neher, ist sich aber auch bewusst, „dass die 45 Minuten einer Schulstunde nicht ausreichend sind.“

Daher hat man im Göttinger XLAB den Anspruch, während der ein oder mehrere Tage andauernden Workshops intensiv mit den Teilnehmern ein spezielles Thema zu durchdringen. „Wir wollen, dass die jungen Leute auf hohem Niveau experimentieren und damit an den Anspruch wissenschaftlichen Forschens anknüpfen können“, erklärt die promovierte Biologin.

Dass dieses Konzept funktioniert, beweist das XLAB mit einer großen Zahl an Teilnehmern. Besonders hervorzuheben sind dabei die so genannten „Science Camps“, an denen seit dem Jahr 2003 bisher 330 junge Leute aus 34 Nationen teilgenommen haben. Die Resonanz auf die zweimal im Jahr stattfindenden Camps ist durchweg positiv:

„In den Augen der Teilnehmer tragen wir in entscheidender Weise zu dem Bild bei, dass Deutschland etwas für die Ausbildung seiner Nachwuchswissenschaftler tut“, sagt Neher. Das durch seine extravagante Architektur auffallende XLAB ist damit zu einem Aushängeschild des Wissenschaftsstandortes Göttingen geworden.

Um in Zukunft weiterhin den eigenen Ansprüchen gerecht zu bleiben, haben sich die Verantwortlichen um Eva-Maria Neher zur Gründung der XLAB-Stiftung entschieden. Die Finanzierung des XLAB beruht auf drei Säulen: öffentliche Mittel, private Gelder und Kurseinnahmen.

In der Anfangsphase des Experimentallabors ging es vor allem darum, schnell einen strukturellen Rahmen zu schaffen, um handlungsfähig zu sein. Daher wurde das Projekt zunächst als Verein organisiert.

„Eine Stiftung ist für Förderer und Zustifter attraktiver, da das Vermögen erhalten bleibt und jede Zuwendung für einen Zweck verwendet wird, den der Stifter mitbestimmen oder gar mitgestalten kann“, erklärt Neher.

Förderungsmöglichkeiten für potenzielle Stifter gibt es zahlreiche, wie etwa das Sponsoring der „Science Camps“ oder auch der jährlich stattfindenden „Science Festivals“.

Als größtes Problem stellt Neher aber momentan die Kapazitätsprobleme fest: Zum einen fehle es an ausreichenden Übernachtungsmöglichkeiten für Teilnehmer von mehrtägigen Workshops und den „Science Camps“, und zum anderen müssten auch die Räumlichkeiten, in denen experimentiert werden kann, erweitert werden. Allerdings sei es bei der momentanen wirtschaftlichen Situation schwierig, potente Stifter zu finden, da viele Unternehmen ihre Sponsoringausgaben generell eher kürzen.

Aber wie heißt es so schön: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, gibt sich Neher motiviert bei der Suche nach Stiftern.