Effizientere Energieversorgung: Mahr setzt auf „Contracting“

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Text von: redaktion

Das am heutigen Donnerstag in Betrieb genommene Heizkraftwerk auf dem Firmengelände des Göttinger Messtechnikherstellers Mahr ist der Startschuss für ein neues Energieversorgungs- Vertragsmodell zwischen den hiesigen Stadtwerken und Großkunden.

Mit einem symbolischen Druck auf einen roten Knopf haben Mahr-Chef Thomas Keidel, Stadtwerke-Vorstand Reinhard Kraft und Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (Foto, von links nach rechts) die Heizzentrale mit eigenem Blockheizkraftwerk aktiviert. Die Stadtwerke Göttingen wollen mit diesem Projekt ihren jungen Geschäftsbereich Contracting ausbauen. Kern des Vertragsmodells: Das Gebäude stellt Mahr, die Technik darin haben die Stadtwerke errichtet. Der Dienstleister betreibt zudem für die kommenden zehn Jahre auf dem Firmengelände von Mahr die betreffende Anlage und liefert dem Messtechnikhersteller damit quasi Fertigenergie in Form von Wärme, Strom und optional auch Kälte. Um die Beschaffung von Energie-Rohstoffen und die Wartung der Technik muss sich Mahr nicht mehr kümmern. Rund 500.000 Euro haben die Stadtwerke investiert, etwa 150.000 Euro hat Mahr für die Errichtung des notwendigen Gebäudes ausgegeben.

Das so genannte Wärme-Contracting wird in Deutschland seit den 1990er Jahren von Gebäudeeigentümern und Dienstleistern immer häufiger in Anspruch genommen. Mahr und die Stadtwerke Göttingen selbst betreten damit jedoch Neuland. Der Dienstleister kann dank zehn- oder 15-jähriger Verträge seine Investitionen langfristig umlegen. Der Vorteil für den Hausbesitzer besteht in der Auslagerung von Neu-, Wartungs- und Ersatzinvestitionen. Außerdem kann er sich mehr auf sein Geschäft konzentrieren. „Wir wollen Messtechnik machen und keine Wärme“, erklärt Thomas Keidel, Vorsitzender der Geschäftsführung von Mahr.

Eine zuverlässige Klimatisierung von Produktionsräumen spielt für die Messtechnik von Mahr eine zentrale Rolle. Dank aktueller, effizienter Technik sollen auch laufende Kosten reduziert werden. Die neue Anlage ersetzt die 20 Jahre alten, noch in Eigenregie betriebenen, Vorgängerin. Der Messspezialist hofft damit, rund 30 Prozent des derzeitigen Energieverbrauches zu senken.

Bei der Heizanlage handelt es sich um einen 2-Stoff-Brenner für Gas und Öl mit 1120 kW Leistung, einen Gas-Brenner für 920 kW Wärme und ein nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeitendes Blockheizkraftwerk für 216 kW Wärme und 140 kW Strom. Die neue Heizzentrale versorgt neben der Produktion auch die Verwaltungsgebäude mit Wärme und zum Teil mit Strom. Interessantes Detail am Rande: Zentrale Bauteile der Anlage stammen vom Unternehmen MAN aus Nürnberg, das in seiner Produktion auch Mahr-Messtechnik einsetzt.

„Insgesamt haben wir eine für Mahr wirtschaftlich sinnvolle Lösung gefunden“, so Thomas Keidel. Die neue Heizzentrale ist Bestandteil eines Fünf-Jahres-Planes von Mahr zum Einsparen von Energieverbrauch und -kosten. Inklusive dieses Projekts hat das Unternehmen Thomas Keidel zufolge in den vergangenen drei Jahren rund 2,5 Millionen in neue Technik investiert: Unter anderem in ein neues Beleuchtungsmanagement, das im Produktionsbereich den Stromverbrauch um 70 Prozent senken konnte. Weitere Ausgaben in Höhe von zwei Millionen Euro seien noch vorgesehen. So ist es geplant, ein zweites Blockheizkraftwerk zu installieren und die Abwärme mittels einer Absorptions-Kältemaschine ebenfalls dafür zu nutzen, um die Produktionshallen zu klimatisieren.

Laut Stadtwerke-Vorstand Reinhard Kraft sei es erklärte Strategie, das Contracting mit umweltschonenden Technologien auszubauen. Weitere Infos dazu unter Telefon 0551/301-319 oder per E-Mail unter contracting@swgoe.de.

Text und Foto: Berti Kolbow