Duales Studium – was ist das überhaupt?

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Text von: redaktion

Auf der Überholspur in Richtung Karriere. Wie finde ich den richtigen Beruf, und auf welchem Weg erlerne ich ihn am besten? Eine oft gestellte Frage. Meistens läuft sie auf die Entscheidung zwischen Studium und Ausbildung hinaus. Aber es geht auch beides. Das nennt sich dann duales Studium.

Vor ein paar Jahren waren duale Studiengänge noch nicht angesagt. „Wer keinen Studienplatz an der Uni kriegt, studiert halt dual“, war eines dieser Vorurteile. Inzwischen erlebt das ,Dualstudieren‘ aber einen regelrechten Boom. Arbeitgeber und Studenten erkennen die Chancen, die in dem System liegen: Nach drei Jahren stehen oft schon der Bachelorabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Praxis und Theorie sind durch den wechselnden Aufenthalt an Universität und im Betrieb eng miteinander verbundenen. Universitätsstudenten müssen sich um die Finanzierung des Studiums selbst kümmern – beim dualen Studium gehört ein gesichertes Einkommen automatisch dazu. Und das Beste zum Schluss: Wenn die Chemie zwischen Absolvent und Arbeitgeber stimmt, ist der Berufseinstieg inklusive guter Karrierechancen auch schon perfekt. Denn welcher Arbeitgeber würde einen so gut ausgebildeten Mitarbeiter freiwillig ziehen lassen?

Auch Göttingen bietet bereits mehrere Möglichkeiten, einen dualen Abschluss zu erwerben. An der Berufsakademie Göttingen gibt es beispielsweise neuerdings den Studiengang Health Care Management (Gesundheitswirtschaft). Am Ende des dreijährigen dualen Studiums kann sich der Absolvent Kaufmann im Gesundheitswesen nennen und hat den akademischen Abschluss Bachelor of Arts (BA). Diese hohe Qualifikation bietet den Einstieg in die Führungsetage von Gesundheitsunternehmen. Neben der Berufsakademie sind auch die Universitätsmedizin Göttingen und viele weitere Einrichtungen der Gesundheitsbranche an diesem neuen Angebot beteiligt. Der Studiengang startet erstmals im Wintersemester 2014/15.

Durchgeführt wird das duale Studium an der Berufsakademie Göttingen in dem Modell der ‚geteilten Woche‘. Das bewährt sich schon seit vielen Jahren: Die Studenten absolvieren an drei bis dreieinhalb Tagen ihre berufliche Ausbildung und studieren die übrige Zeit an der Berufsakademie. Durch die Ausbildungsvergütung sind sie finanziell unabhängig, und in den meisten Fällen übernimmt der Betrieb darüber hinaus die Studiengebühren. In der Regel werden die Absolventen von den Betrieben übernommen und gelangen im Vergleich zu Hochschulabsolventen deutlich früher in Führungspositionen.

Das Studium im Praxisverbund ist ein Studienmodell der Berufsakademie, das Unternehmen und deren praktische Ausbildungsbeiträge in das Ingenieursstudium einbindet. Die Hochschule vermittelt dabei naturwissenschaftlich-technische Grundkenntnisse. Die werden in den Fachdisziplinen des gewählten Studiengangs vertieft. Wahlpflichtfächer zu Soft Skills und speziellen technischen Fragestellungen ergänzen das Profil. Unternehmen können über das Studium im Praxisverbund ihren gut vorbereiteten Ingenieurnachwuchs gewinnen. Oft erfolgt zusätzlich eine Ausbildung als Industrieelektroniker, Industriemechaniker oder Feinoptiker. Auch die in Göttingen, Hildesheim und Holzminden sitzende HAWK – Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst – bietet ein Studium im Praxisverbund. Dort werden die Inhalte der ersten beiden Semester aber auf vier Semester verteilt. Dadurch verlängert sich die gesamte Studiendauer um ein Jahr. Das Studium ist so organisiert, dass jeweils volle Tage im Unternehmen und an der Hochschule verbracht werden. Die HAWK bietet den Bachelorabschluss im Praxisverbund-Studium mit Facharbeiterausbildung oder mit beruflicher Tätigkeit. Parallel zum Studium führen die Unternehmen in den ersten beiden Jahren die betriebliche Ausbildung zum Facharbeiter durch oder bieten die Möglichkeit zu einer berufspraktischen Tätigkeit.

Die Prüfung vor der IHK erfolgt vor Beginn des dritten Studienjahres. Daran schließen sich für die Studierenden beider Richtungen ingenieurnahe Tätigkeiten im Rahmen eines Praktikums an. Die finden während der lehrveranstaltungsfreien Zeit und parallel zur Erstellung der Bachelor-Abschlussarbeit statt. Auch an die Weiterqualifizierung hat die HAWK schon gedacht und bietet ein Masterstudium im Praxisverbund oder in einem Forschungsprojekt an. Das Studienmodell eignet sich für Studenten mit abgeschlossenem Bachelorstudium, die in Teilzeit an einem Forschungsprojekt an der Hochschule oder in einem Partnerunternehmen arbeiten.

Aber natürlich gehen die Initiativen nicht nur von den Hochschulen aus. Immer mehr Unternehmen entwickeln eigene, auf sie zugeschnittene duale Studiengänge. Gleich acht davon bietet das Göttinger Unternehmen Sartorius an. Denn auch beim international führenden Anbieter von Labor- und Prozesstechnologie setzt man auf die Kombination aus Ausbildung und Studium. Je nach Fachbereich (siehe Homepage: www.sartorius.de/karriere) besucht derStudent eine entsprechende Fachhochschule oder Berufsakademie und macht dort nach erfolgreichem Studium den Bachelorabschluss. Durch die gleichzeitige Arbeit bei Sartorius wird das zugehörige Praxiswissen vermittelt. Das Sartorius- Studium im Praxisverbund dauert zwischen drei und vier Jahre. Einige duale Studiengänge bieten neben dem Studienabschluss auch einen vollwertigen IHK-Abschluss, zum Beispiel als Mechatroniker.

Die Beispiele zeigen, wie abwechslungsreich und praxisnah akademisches und berufliches Wissen aufeinander abgestimmt erlernt werden kann. Auf diese Weise von Anfang an auf gute Karrierechancen zu setzen, ist sicher eine Überlegung wert. Gut ausgebildet, finanziell abgesichert und beste Zukunftsaussichten – das hört sich nach einer tollen Kombination an.