©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Dual studieren – der sofortige Einstieg in das praktische Berufsleben und die vermeintliche Doppelbelastung schreckt viele potenzielle Bewerber erst einmal ab. Jenny Classen und Josephine Neumann aber haben sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden und sehen vor allem eines: die Chancen darin.

Jenny Classen und Josephine Neumann haben bereits ihre zweijährige Ausbildung zur Feinoptikerin abgeschlossen. Schön und gut. Doch die zwei haben sich beruflich noch höhere Ziele gesteckt. Und dafür tanzen sie auch gern auf zwei Hochzeiten zur selben Zeit: Sie studieren dual. Das bedeutet, dass sie neben ihrer praktischen Berufsausbildung auch gleichzeitig ein Bachelor-Studium im Studiengang Physikalische Technologien an der HAWK in Göttingen absolvierten. „Ich halte das für ein super Konzept“, sagt Jenny. Man solle sich auf keinen Fall davon abschrecken lassen, dass ein duales Studium möglicherweise zu anstrengend sei, so die 22-Jährige. „Vielmehr bekommt man neben der Uni schon einen wirklichen Einblick in den späteren Beruf“, ergänzt Josephine. Und die 23-Jährige nennt gleich noch einen weiteren Vorteil: „Mit dem Geld, das man dabei bereits verdient, kann man sich auch prima das Studium finanzieren.“

Auf diesem Weg stand den beiden als Ausbildungsbetrieb Qioptiq zur Seite – und tut es bis heute. Das Unternehmen aus Göttingen, das seit einigen Jahren zur Excelitas-Gruppe gehört, entwickelt und produziert optische Komponenten und Systeme, die in einer Vielzahl von Märkten zum Einsatz kommen – wie zum Beispiel in der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrt oder auch in der Forschung und Entwicklung in den  unterschiedlichsten Branchen. Qioptiq liefert dafür Lösungen in den Bereichen Beleuchtung, Detektion und anderen Hochleistungstechnologien. Der Standort Göttingen ist hauptsächlich auf Planoptik spezialisiert, also auf optische Bauteile, die eben sind, wie Glasplatten oder Prismen. Anders als Linsen zum Beispiel weisen die Glasflächen in der Planoptik keine Krümmung auf. Die entstehenden Komponenten werden dann unter anderem in sehr komplexe Module eingebaut, die in Maschinen eingesetzt werden, um Chips zum Beispiel für Computer oder Handys herzustellen.

In den ersten zwei Jahren ihrer Ausbildungszeit haben Jenny und Josephine jeweils die Hälfte der Woche bei Qioptiq verbracht. Hier haben sie im praktischen Teil die Grundlagen der Feinoptik sowie das Arbeiten mit Werkstoffen, Hilfsmitteln und Materialien kennengelernt und durchliefen dabei die verschiedenen Abteilungen im Unternehmen. Die Theorie dahinter nahmen sie ergänzend in der Hochschule durch. „Dabei ist es wahnsinnig hilfreich, die Dinge, die man im Studium plant oder konstruiert, schon einmal praktisch gesehen zu haben“, so Josephine.

Nach der bestandenen Prüfung vor der IHK und damit ihrem Berufsabschluss als Feinoptikerinnen, beendeten sie die verbleibenden zwei Jahre bis zum Bachelorabschluss als Vollzeit-Studentinnen. Sie lernten den Aufbau und die Erstellung von technischen Zeichnungen, Grundlagen der Optik und der Elektrotechnik.

Aktuell befinden sich Jenny und Josephine mitten im Master-Studiengang Laser- und Plasmatechnik, der insgesamt drei Jahre dauert, und arbeiten parallel dazu wieder jede Woche 20 Stunden bei Qioptiq – nun aber in festen Abteilungen. „Ich habe mich für das Projektmanagement entschieden“, erzählt Josephine. Hier koordiniert sie gemeinsam mit Ihren Kollegen die Entwicklung neuer Produkte für die Kunden. „Dabei gefällt mir die Kombination aus dem technischen Teil und der kommunikativen und organisatorischen Arbeit besonders gut.“ Jenny hingegen hat sich für eine stärker handwerklich orientierte Abteilung entschieden, die auch eng mit der Produktion zusammenarbeitet – das Production Engineering. Hier unterstützt sie die Produktion bei der Entwicklung und Verbesserung von Prozessabläufen, zum Beispiel durch die Entwicklung und Optimierung eines Verfahrens für das Lösen von eingeklebten Optiken aus Objektiven.

„Man sollte schon einen gewissen Biss  mitbringen, wenn man sich für diesen Weg entscheidet. Für die Ausbildung zur Feinoptikerin ist jede Menge Geduld und Fingerspitzengefühl vonnöten. Und auch das Studium ist nicht leicht, man braucht Ausdauer“, sagt Jenny. „Wenn aber grundsätzliches Interesse da ist und ein gewisser Sinn für das Feine, kann dieses duale Studium genau das Richtige sein“, ergänzt Josephine zufrieden. Und die Anstrengungen lohnen sich. Wenn die beiden dann am Ende ihre Abschlüsse – den Bachelor, den zur Feinoptikerin sowie ihren Master-Abschluss in der Laser- und Plasmatechnik – in der Tasche haben, winken zahlreiche Karrieremöglichkeiten als Ingenieurin in den Bereichen der Technischen Optik und Photonik.

Nach deiner Ausbildung kannst du …

• technische Zeichnungen anfertigen und anwenden
• Glas bearbeiten und optische Komponenten z.B. für Handykameras herstellen
• Baugruppen für Anwendungen in der Halbleitertechnik montieren und justieren
• Glasoberflächen z.B. durch Spiegelschichten veredeln
• numerisch gesteuerte Maschinen bedienen und kalibrieren

Duales Studium oder klassische Ausbildung?

Du kannst den Beruf des Feinoptikers auch in einer klassischen Ausbildung in dreieinhalb Jahren absolvieren. Wenn du danach das Gefühl hast, noch mehr über deinen Beruf erfahren zu wollen, dann kannst du im Anschluss ein Studium dranhängen. Passende Studienfächer wären dabei Photonik, Mikrotechnik oder Physikingenieurwesen. Aber Achtung: Jede Hochschule hat andere Zugangsvoraussetzungen, es kann also sein, dass du Abitur haben musst.