DLR forscht an Fluggerät der Zukunft

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Text von: redaktion

Unabhängig von den großen Flughäfen mitten in der Stadt abheben und in einer anderen landen - mit dem Kipprotor-Flugzeug ist das keine Utopie mehr. Die Mischung aus Hubschrauber und Flugzeug kann helfen, den stetig wachsenden Verkehrsströmen an Flughäfen gerecht zu werden.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig forscht derzeit im Rahmen des EU-Projekts NICETRIP (Novel Innovative Competetive Effective Tilt Rotor Integrated Project) an solch einem Fluggerät der Zukunft.

Das Kipprotor-Flugzeug kann helfen, die zukünftige Auslastung der Flughäfen zu steigern, indem es die Vorteile von Hubschrauber und Flugzeug vereint. Wie ein Hubschrauber startet es senkrecht und kann somit flexibel, von fast allen Hubschrauberlandeplätzen, eingesetzt werden. Erst ab einer bestimmten Höhe geht das Kipprotor-Flugzeug in den ökonomischen Reiseflug eines „normalen“ Flugzeugs über.

Besonders für Kurzstreckenflüge bietet sich dieses etwas andere Fluggerät an: Passagiere können schnell und kostengünstig von einer Stadt in die andere transportiert werden.

Das jetzt vom niederländischen Partner des DLR, der Niederländischen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (NLR), übernommene Windkanalmodell des Kipprotor-Flugzeugs wird derzeit im DLR-Institut für Flugsystemtechnik für die Windkanalmessungen vorbereitet. Die Wissenschaftler arbeiten an der Inbetriebnahme, Datenverarbeitung und Steuerung des Modells.

In weiteren Vorarbeiten wird das DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik das voraussichtliche Strömungsverhalten des Modells berechnen. Die Ergebnisse werden dann in Windkanalmessungen überprüft.

Das Göttinger DLR-Institut für Aeroelastik führt einen Standschwingversuch am aktuellen Windkanalmodell des Kipprotors durch, damit dessen dynamische Stabilität während des Versuchs sichergestellt werden kann.

Die Göttinger Forscher untersuchten außerdem im Rahmen des Projekts NICETRIP anhand zurückliegender Windkanalversuche das Flatterverhalten von Propellergondeln, das sogenannte Whirl-Flattern. Dieses ist insbesondere bei Kipprotor-Flugzeugen als kritisch bekannt.

Um möglichst realistische Bedingungen für die Windkanalmessungen zu gewährleisten, hat das Modell einen vollständigen Antrieb. Sämtliche Steuergrößen und Stellflächen können so bei den Messungen den tatsächlichen Flugbedingungen entsprechend eingestellt werden und liefern genaueste Ergebnisse.

Mit insgesamt 30 Projektpartnern aus neun Ländern entwickelt das DLR damit das erste für den Linienverkehr einsetzbare zivile Kipprotor-Flugzeug weltweit und geht so einen wichtigen Schritt in Richtung Lufttransport der Zukunft.