Dienen statt netzwerken

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Text von: redaktion

Die Mitglieder des Lions Clubs Göttingen wollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und unterstützen gemeinnützige Projekte für Kinder und Jugendliche.

Der Gedanke, anderen einfach so ohne Gegenleistung zu helfen, gilt bei vielen Zeitgenossen hierzulande als eher schwach ausgeprägt. Auf den Lions Club trifft das nicht zu. „We serve“ – „wir dienen“ lautet das Motto des weltweit vertretenen Wohltätigkeitsclubs mit Wurzeln in den USA. Sie setzt sich finanziell und persönlich für Gemeinschaft, Völkerverständigung und Menschen in Not ein. Die Idee dahinter ist einfach. „Die Gesellschaft ist nur so gut für jeden Einzelnen, wie jeder Einzelne der Gesellschaft gut tut“, erklärt Eckard Siggelkow, Präsident des Lions Clubs Göttingen (LCG), einer von drei Ablegern in der Universitätsstadt. „Lions“ steht eingedeutscht für „Leben ist ohne Nächstenliebe sinnlos“.

Der LCG, der jüngst sein 50-jähriges Bestehen feierte, unterstützt seit Jahren schwerpunktmäßig Kinder und Jugendliche, die mitunter in schwierigen Lebenslagen stecken. Buchstäblich der Löwenanteil seines Engagements floss in den vergangenen Jahren in das Projekt „Lions Quest – Erwachsen werden“. In Fortbildungsseminaren wird Lehrkräften dabei vermittelt, wie sie die soziale Kompetenz ihrer Schüler derart stärken, dass diese alltägliche Konflikte auch ohne Gewalt lösen.

Außerdem helfen die Göttinger Lions schon mal jungen Orchestermusikern beim Instrumentenkauf oder beschenken Kinder im Grenzdurchgangslager Friedland zu Weihnachten. Demnächst Unterstützung erhalten die JVA Rosdorf bei einem Rehabilitations-Projekt für jugendliche Straftäter und die Kirchengemeinde St. Jacobi bei der Schularbeitenhilfe für Migranten. Aufgebracht werden dafür Clubbeiträge und Spenden der Mitglieder, wobei der Obolus je nach persönlicher Wertschätzung für ein Projekt erhöht werden kann. Gelegentlich organisieren die Lions auch Benefiz-Veranstaltungen.

Was Unterstützung verdient, wird gemeinsam entschieden. Der Lions Club Göttingen hält an der Gründungstradition fest und ist nur Herren zugänglich. Er setzt sich derzeit vor allem aus Akademikern, Unternehmern sowie Beamten zusammen und zählt rund 50 Köpfe. Einst war dies die Obergrenze, um die Überschaubarkeit zu gewährleisten. Inzwischen sind Neuzugänge darüber hinaus willkommen – vor allem Nachwuchs, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Der Altersschnitt liegt derzeit bei Mitte 50.

Die Aufnahme in den LCG bedarf eines Vorschlags aus Club-Kreisen. Nach ein paar Schnupperabenden wird über die Mitgliedschaft entschieden, die zwei Bürgen voraussetzt. Bedingungen sind eine weltoffene Einstellung, soziales Engagement und ein guter Leumund. Die Tätigkeit ist unwichtig, ein ausgeglichener Berufe-Mix wird angestrebt. „Der Club stellt Ansprüche, aber wir sind nicht exklusiv“, sagt Eckard Siggelkow.

Der Umgang miteinander sei gerade nur so formell, wie es den Mitgliedern angemessen erscheint. Ziel ist es, dass jedes Mitglied mindestens einmal einen Vorstandsposten übernimmt. Weitere mögliche Aufgaben sind, die Förderungswürdigkeit von Projekten zu prüfen sowie die Vorbereitung von Vortragsabenden und Exkursionen. Auch Club-Freundschaften in Polen und Chile wollen gepflegt werden. Der Aufbau geschäftlicher Netzwerke „spielt hier so gut wie gar keine Rolle“. Lions seien in der Regel gestandene Berufstätige oder Unternehmer, die bereits über ausreichend Kontakte verfügen. Viele der Mitglieder bekleiden auch woanders Ehrenämter. Präsident Eckard Siggelkow: „Gutes zu tun, den Horizont zu erweitern und Einblicke in bisher unbekannte Bereiche zu erhalten – das macht den Reiz aus, ein Lion zu sein.“

Text: BERTI KOLBOW

Lions Club Göttingen

Der Wohltätigkeitsclub LCG engagiert sich persönlich und finanziell für Projekte, die Kinder und Jugendliche fördern. Die Aufnahme ist nur Männern möglich, Club-Veranstaltungen sind aber regelmäßig auch den Partnerinnen zugänglich. Die rund 50 Mitglieder treffen sich jeden ersten und dritten Dienstag im Monat ab 19.30 Uhr im Gebhards Hotel in Göttingen.