Die Zukunft der deutschen Innenstädte

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Text von: redaktion

Handelsverband präsentiert Studienergebnisse in Göttingen: Eine groß angelegte Untersuchung des IFH Institut für Handelsforschung GmbH Köln gemeinsam mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) und weiteren Partnern hat 62 deutsche Innenstädte genau unter die Lupe genommen...

Verändertes Freizeitverhalten, Digitalisierung, demografischer Wandel – deutsche Innenstädte stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Nun wurden über 33.000 Innenstadtbesucher zu der Attraktivität ihrer Stadtzentren befragt.

Am Dienstag, 21. Juli, hat der Handelsverband Hannover e. V. die bundesweit geltenden Ergebnisse der Untersuchung in Göttingen präsentiert. Dazu versammelten sich in der Geschäftsstelle in der Kreishandwerkerschaft rund 25 Mitglieder, Pressevertreter und interessierte Gäste aus den Bereichen Handel, Immobilienwirtschaft, Verwaltung und Stadtmarketing, um mit Vertretern des Handelsverband Hannover e. V. über die Empfehlungen der Studie und mögliche Ansätze für Göttingen zu diskutieren. Darunter waren Helmi Behbehani, Bürgermeisterin der Stadt Göttingen, Angelika Daamen vom Göttinger Tourismus e. V., Willi Klie, Marlis Schügl, Alexander Grosse, Frederike Breyer von Pro-City sowie Ines Haupt von Schünemann Mode aus Einbeck und Tanja Bittner vom Stadtmarketing Northeim.

„Vitale Innenstädte 2014″ – Was macht sie attraktiv?

In der Gesamtbewertung der „Attraktivität der Innenstadt“ erhalten die 62 teilnehmenden Städte die Durchschnittsnote 3+. D.h. nur jeder Zweite beurteilt die Attraktivität der von ihm besuchten Innenstadt mit „gut“ oder „sehr gut“. Das kann aus Sicht von Innenstadthändlern, Gewerbetreibenden und auch Kommunen kein befriedigendes Ergebnis sein, ist sich der Kreisvorsitzende des Handelsverbandes, Willi Klie, sicher.

Die Einzelergebnisse der Studie führen zu folgenden Überlegungen, die auch in Göttingen bei der Weiterentwicklung der Innenstadt als attraktives Einkaufsziel berücksichtigt werden sollten: In Zeiten steigender Online-Umsätze und des zunehmenden Verdrängungswettbewerbs sowie heterogener Innenstadt-Funktionen ist Kooperation notwendiger denn je: Attraktive und vitale Innenstädte funktionieren nicht ohne Handel und kooperierendes City-Management. Der Einkauf in der Innenstadt muss einen hohen Erlebnischarakter bieten. Dazu ist die regelmäßige und klare Abstimmung von Marketing-Maßnahmen zwischen Handelsverbänden, Werbegemeinschaften und Stadtmarketing zu empfehlen.

Der Handel sollte zum Existenzerhalt und zur Kompensation möglicher Umsatzverlagerungen in den Online-Handel alle Vertriebswege nutzen. Eine Internetseite mit Öffnungszeiten und Darstellung des Sortiments sollte zum Standard einer jeden Boutique gehören.

Der Innenstadtbesuch dient nicht mehr nur der reinen Versorgung mit Waren. Immer wichtiger sind dem Kunden ein interessanter Stadtbummel und der Einkauf als ihr Freizeitvergnügen. Dementsprechend hohe Erwartungen stellen sie an eine attraktive Innenstadtgestaltung, Atmosphäre, Sauberkeit sowie Vielfalt der Geschäfte. Somit müssen auch die Vertreter der Immobilienwirtschaft in zukunftsträchtige Konzepte eingebunden werden: Ein attraktives Stadtbild mit schönen Fassaden, einladenden Cafés, grünen Oasen mit Spielplätzen und barrierefreier Pflasterung schafft Atmosphäre und stärkt damit auch den Erlebnischarakter eines Shopping-Tages in der City.

Letztendlich ist es unbedingt erforderlich, im Rahmen der Stadtentwicklungsplanung die Multifunktionalität der City nicht zu begrenzen. Alle Gewerbetreibenden der Innenstadt sind auf Kundenfrequenz und eine gute Erreichbarkeit angewiesen. Die Anzahl der Parkplätze, eine klare Straßenführung sowie gute ÖPNV-Anbindung sind wichtige Faktoren, die der heutige Kunde voraussetzt.

Aber auch die Online-Erreichbarkeit einer Innenstadt ist als Kundenservice von wachsender Bedeutung. Freies W-LAN verlängert die Aufenthaltsdauer in der City und bietet Möglichkeiten zur Ansprache und Kundenbindung der Besucher.

„Der Handelsverband Hannover e. V. sieht die Präsentation und Diskussion der Studienergebnisse als Beitrag für einen intensiven Dialog aller betroffenen Instanzen“, kündigte Geschäftsführer Ullrich Thiemann an, „im Namen unserer Mitglieder stehen wir als Gesprächspartner bereit und werden die gemeinsamen Anstrengungen für die Attraktivität der Göttinger Innenstadt und der Stadtteile gerne unterstützen“.

Im Laufe des Sommers hat der Handelsverband Hannover e. V. bereits in weiteren Städten zum Dialog „Zukunft der Innenstädte“ eingeladen. Bisher haben Veranstaltungen in Hannover, Hildesheim und Hameln stattgefunden.

Der Handelsverband – Sprachrohr der Branche

Der Handelsverband Hannover e.V. fungiert als Interessenvertretung des Handels in etwa einem Viertel von Niedersachsen und spricht dabei für rund 1.500 Mitgliedsgeschäfte. Die Bandbreite reicht von großen Konzernen wie H&M, Kaufhof oder Adler über Mittelständler wie Wiederholdt und Betten Heller bis hin zur Bremer Weinhandlung.

Der Handelsverband Hannover e.V. gehört zum Handelsverband Niedersachsen-Bremen e.V. mit über 10.000 Mitgliedsunternehmen aller Branchen, Standorte und Größenklassen. Über 100.000 Mitgliedsunternehmen sind deutschlandweit über den Handelsverband Deutschland (HDE) organisiert, denn der Einzelhandel ist nach Industrie und Handwerk der drittgrößte Wirtschaftszweig im Bundesgebiet.

Der HDE mit seinen Büros in Berlin und Brüssel vertritt die Belange und Interessen des gesamten Einzelhandels aller Branchen, Standorte und Betriebsgrößen. Er ist das legitimierte Sprachrohr der Branche gegenüber der Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene, gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen, den Medien und der Öffentlichkeit. Das Fundament des HDE bilden wiederum die flächendeckenden Regionalverbände mit ihren Geschäftsstellen vor Ort, wie der Handelsverband Hannover e.V., der für seine Mitglieds- unternehmen der zuständige und kompetente Ansprechpartner in allen sachlichen und fachlichen Fragen ist.

Die unmittelbare Nähe zum Mitglied ist eine der großen Stärken der deutschen Einzelhandelsorganisation und hält sie lebendig, modern und flexibel. Über direkte Informationswege gelangen Meinungen und Stimmungen aus Mitgliederkreisen unmittelbar und schnell in die Verbandsspitze.