Die Zielstrebige

© Alciro Theodoro da Silva
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Schreibtisch der Entscheider: Christiane Dienel möchte etwas bewegen an der HAWK.

Christiane Dienel ist Präsidentin. Eine Amtsbezeichnung, die einen pompösen Arbeitsplatz erwarten lässt. Aber an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim beherbergt ein schlichtes, nicht übermäßig großes Büro die Schaltstelle der Macht. Praktisch eingerichtet mit Regal, Konferenztisch und einem großen aufgeräumten Schreibtisch. Dahinter steht ein Sideboard, auf dem Papierstapel thematisch sortiert sind. Rechts davon erhellt eine große Fensterfront den Raum. An den Wänden hängen Werke von Paul Kunofski, Lehrkraft für Künstlerische Druckgrafik. Ein großes Bild mit verschiedenen Rottönen und dem Motiv eines Buddhas prägt den Raum und wirkt fast sinnlich – ganz im Kontrast zur sachlichen Umgebung.

„Ich bin selten im Büro“, sagt die 46-Jährige, die seit dem 1. Januar 2011 das Präsidentenamt der HAWK bekleidet. Noch ist sie in der Phase des Kennenlernens, geht zu den Menschen vor Ort. „Bisher hatte ich nur einen klaren Blick von außen“, sagt sie. Nun gelte es, das interne Leben der HAWK zu erfassen. Und das heißt, dass sie frühmorgens ihre E-Mail-Korrespondenz erledigt, um dann zu Terminen im Stundentakt unterwegs zu sein: an den Standorten der Hochschule in Hildesheim, Göttingen und Holzminden – zu Abstimmungsrunden, zu Treffen mit Kooperationspartnern und Presseterminen.

Christiane Dienel hat Spaß an ihrer Aufgabe und gibt offen zu, dass sie damit ihr vorläufiges Berufsziel erreicht hat. „Das Leben ist ein großes Spiel, und ich habe Lust daran, etwas zu bewegen“, sagt sie. Geboren in Münster, zog es sie zum Studium nach München und Paris. Nach der Promotion in Geschichte und Sozialwissenschaften wollte sie „ins Getümmel“, wurde Referentin in der Staatskanzlei Brandenburg und schließlich Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit und Soziales in Sachsen-Anhalt. Daneben übte sie weitere Tätigkeiten aus, immer die Wissenschaft im Hintergrund und den Willen, diese mitgestalten zu können.

Für ihre Familie hat sie ihre Karriere nicht unterbrochen. Ihre Kinder sind 16, 15 und vier Jahre alt. Die Familie lebt in Berlin, wobei sie und ihr Mann sich die Elternaufgaben teilen. „Es gibt für alles eine Lösung“, erklärt sie pragmatisch, Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist möglich.
Der Ruf nach Hildesheim hat sie besonders gefreut, denn Frauen sind an der HAWK willkommen – die ausgezeichnete familienfreundliche Hochschule bietet eine Kinderkrippe, eine Gleichstellungsbeauftragte, eine Professur für Gender Diversity, auch ein Teilzeitstudium ist für manche Studiengänge möglich. Dienel betont zudem, dass in der „Ingenieurschmiede für Göttingen“ der Frauenanteil niedersachsenweit spitze ist.

Die neue Präsidentin möchte aber noch mehr in Gang setzen: Strukturverbesserungen gemeinsam mit den Beteiligten angehen und die Potenziale der Kooperation weiter ausschöpfen. Vor allem sei ihr daran gelegen, mit der ebenfalls neuen Präsidentin der Universität Göttingen, Ulrike Beisiegel, die Stärken der Hochschulen im Sinne der Studierenden besser zu verbinden. „Hier ist noch mehr Musik drin“, ist sie überzeugt.
Der nächste Termin ruft bereits. Sie macht sich auf den Weg. Dynamisch, zuversichtlich und mit dem festen Ziel, etwas zu bewegen.