©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Anja Danisewitsch

Nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes übernahm Claudia Halbach von einem Tag auf den anderen die Geschäftsführung von TEKA-Saunabau in Hann. Münden. Die 43-Jährige spricht über ihr Leben nach dem Schicksalsschlag und darüber, was Kieferchirurgie, Mode und Sauna miteinander verbindet.

Mit Menschen kann ich gut umgehen. Ich habe schließlich in der Zahnmedizin gelernt – und da hat jeder Angst …“ Mit diesem Satz stellte sich Claudia Halbach vor 17 Jahren im Store des Luxuslabels Joop in der Königsgalerie in Kassel vor. Ein Satz, der seine Wirkung nicht verfehlte. „Ich wusste, wie wichtig es ist, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, wenn ich die Menschen persönlich erreichen möchte – da ist es egal, ob ich in der Zahnmedizin oder in der Beratung für den Verkauf arbeite“, sagt die heutige Geschäftsführerin von TEKA­-Saunabau im kleinen Fachwerkstädtchen Hann. Münden, dem einzigen Hersteller und Spezialisten in Südniedersachsen für hochwertige Saunalandschaften und Wellness-­Anlagen.

Die damals 26-­Jährige bekam den Job bei Joop und lernte alles, von der Kundenbetreuung über Einkauf und Verkauf in sämtlichen Bereichen und die dazugehörigen Aufgaben. Obwohl: „Eigentlich wäre ich auch gern in der Zahnmedizin geblieben“, erzählt sie rückblickend. Doch ihr damaliger Chef bewies Weitsicht und ahnte, dass diese junge Frau mehr wollte. Dass sie Abwechslung brauchte und größere Herausforderungen suchte als die Assistenz in der Kieferchirurgie. Er sagte zu ihr: ‚Entweder du studierst und wirst selber Zahnärztin, oder du machst noch etwas anderes.‘ Sie ging und kam zur Mode.

Claudia Halbach ist kein Mensch mit Berührungsängsten. Sie ist aufgeschlossen und bindet ihr Gegenüber sofort ins Gespräch ein, bietet Kaffee an und ist darauf bedacht, dass es jedem gut geht. Bevor das Interview beginnt, muss die Geschäftsfrau noch kurz ein paar organisatorische Angelegenheiten klären – nicht ohne auch die Überbrückungszeit angenehm zu gestalten: Für die Zeit des Wartens empfiehlt sie die Infrarot­-Wärmekabine im Ausstellungsraum. Sie besitzt tatsächlich diese Fähigkeit, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Die Menschen sollen sich bei ihr wohlfühlen. Diese Art, mit Kunden umzugehen, erzählt sie später, sei auch Teil ihres Erfolgs als Shopmanagerin bei Escada in Kassel gewesen, wohin sie nach einiger Zeit auf Anfrage des Labels wechselte.

In dieser Zeit habe sie viel gelernt, was bis heute für sie relevant sei: „Ich behandle seit jeher immer alle Menschen gleich. Ich versuche, Wünsche zu erkennen und zu erfüllen.“ Während sie begeistert erzählt, führt sie durch die Ausstellung und zeigt die unterschiedlichen Ausstattungen der Saunen und ihre Besonderheiten: Espe, Altholz aus alten Scheunen in Österreich, gebürstete Erle, rauchig duftende Thermoespe oder Weißtanne. Zwischen rund 100 verschiedenen Holzarten kann der Kunde hier wählen. Die Geschmäcker sind verschieden. „Die Hanseaten mögen beispielsweise Mooreiche – die ist schön dunkel und mystisch“, erklärt die 43-­Jährige. Ansonsten seien derzeit viel Glas, LEDs und helle Hölzer gefragt. „Eine Sauna ist heute nichts mehr, was im dunklen Keller versteckt werden muss. Sie steht mitten im Loft und ist ein richtiges Möbel.“ Die Zeiten haben sich geändert.

Auch das Unternehmen TEKA­-Saunabau schaut inzwischen auf eine bewegte Firmengeschichte zurück – 1985 gegründet, produzierte es zunächst für fast 25 JahreStandard­Saunen für regionale Kunden. Doch dann musste der damalige Gründer Insolvenz anmelden, und Christian Halbach – der bereits bei der Gründung dabei war – übernahm 2009 das Unternehmen inklusive dem langjährigen Namen und führte es aus der Krise. Der Wandel hieß Manufakturarbeit – hochwertig und individuell. Damit hatte er Erfolg. Keine Sauna produktion auf Masse, sondern Spezialanfertigungen nach Kundenwünschen.

Nach nur drei Jahren war die Nachfrage derart schnell gestiegen, dass Claudia Halbach mit ins Geschäft ihres Mannes einstieg und als Prokuristin und Gesellschafterin die Leitung des Büros im Werk übernahm. Heute kann man das mittelständische Unternehmen mit vier Millionen Euro Jahresumsatz zu den Hidden Champions der Region zählen. Es beschäftigt 42 Mitarbeiter an sieben Standorten in Deutschland und an einem auf Mallorca und liefert deutschlandweit sowie ins europäische Ausland – nach Frankreich, Holland, Belgien, Dänemark und in die Schweiz. Die Standard­-Sauna ist zwar immer noch Bestandteil des Produktportfolios, aber TEKA­-Saunabau hat sich längst einen Namen als Anbieter für Designobjekte in Einzelanfertigung gemacht. Und so zählen zu den Kunden private und gewerbliche Nutzer wie Wellness ­Resorts, Fitness­-Clubs, Schwimmbäder und Hotels – in Göttingen zum Beispiel das neue Hotel FREIgeist am Groner Tor.

Eines ihrer ersten großen Projekte als Geschäftsführerin von TEKA-­Saunabau übernahm Claudia Halbach in diesem Sommer, kurz nachdem der Schicksalsschlag sie so unerwartet getroffen hatte. „Mein Mann starb dieses Jahr im März ganz plötzlich an den Folgen einer Grippe. Damit hatte niemand gerechnet. Er war erst 56 Jahre alt“, erzählt sie. Trauer zieht sich für einen Moment über ihr sonst so sprudelndes Wesen. Dennoch möchte sie darüber reden. Sie geht offen mit diesem Thema um, wohl auch, weil sie immer wieder von ihren Kunden angesprochen wurde – jedoch weniger aus Neugierde denn aus Anteilnahme und ernst gemeinter Betroffenheit.

Nicht einmal eine Woche, nachdem ihr Mann verstorben war, habe sie morgens bereits wieder am Schreibtisch gesessen. „Es musste ja weitergehen“, sagt sie bestimmt, und doch merkt man ihr an, wie schwer es ihr ums Herz wird. Die Arbeit lenke sie ab, noch heute. Zudem sei es für sie eine Art Vermächtnis, dieses Unternehmen, welches beiden so wichtig war, erfolgreich weiterzuführen. „Ich bekomme viel Unterstützung von Freunden, die mir auch handfest helfen, wenn es um die Unternehmensführung geht. Für dieses Netzwerk bin ich sehr, sehr dankbar.“ Claudia Halbach war nach 16 gemeinsamen Jahren an der Seite ihres Mannes nicht auf eine derartige Situation vorbereitet.

Vieles steht für sie jetzt und in der kommenden Zeit an Aufgaben bevor. Ein Freund der Familie kommt jede Woche vorbei und bespricht mit ihr die Strategien für die Zukunft. Denn die Situation, dass man auf einen ,worst case‘ nicht ausreichend vorbereitet ist, möchte sie nicht noch einmal erleben. Daher werden Strukturen verändert, für den Fall, dass jemand ausfällt, wird ein Backup-­Team zusammengestellt und geschaut, welche Maßnahmen anstehen, damit das Unternehmen auch weiterhin modern und konkurrenzfähig bleibt. „Auch mein Team hat uneingeschränkt zu mir gehalten. Sie haben im Sommer auf ihren Urlaub verzichtet, damit wir erst einmal alles am Laufen halten.“

Der Lebensmut hat sie nicht verlassen, und sie sieht auch weiterhin, welche schönen Momente das Leben zu bieten hat. Diese positive Ausstrahlung ist es vermutlich auch, die ihre Kunden an ihr schätzen. Sie erinnert sich an einen Tag, als sie mit einem Mitarbeiter ins Rheingau fuhr, um einem Fitnessstudio ihre Ideen und ein Angebot zu unterbreiten: „Wir kamen dort an, und ich sagte nur: Schön hier, die Sonne scheint, die Weinberge. Ideal für ein Verkaufsgespräch. Bei Regen ist es nämlich immer schwierig.“ Sie lacht herzlich auf und erzählt weiter, wie sie die Schönheit dieses Ortes begeistert und inspiriert hat. Dementsprechend verlief das Gespräch. Sie bekam den Auftrag mit der Bemerkung des Investors: ‚Sie haben das Projekt mit so viel Herzblut moderiert, als wäre es für Sie selber. Das hat uns gut gefallen und überzeugt.‘

Und mitten im Gespräch wird plötzlich klar, dass es hier nicht einfach um Verkauf geht. Mag sein, dass eine Frau die Karte besser ausspielen kann, wenn sie bei einer Sauna von einem ‚Schmuckstück‘ spricht oder davon, wie wunderbar Infrarotstrahler ‚verwöhnen‘ können oder wie sie mit Kübel und Kelle Aufgüsse ‚zelebriert‘. „Ich höre zu, inspiriere und gehe mit meinem Kunden auf eine Reise“, sagt die Saunabegeisterte. Inspirationen setzt sie direkt in die Tat um. So wie die Containersauna für den Garten. „Viele Kunden sind es leid, Handwerker im Haus zu haben. Und obwohl meine Mitarbeiter schnell sind, brauchen sie dennoch ihre Zeit, um eine Sauna in einem Haus einzubauen.“ Da entstand die Idee, einen Überseecontainer in Hann. Münden schon so weit als Sauna auszubauen, dass im Garten des neuen Besitzers ausschließlich ein Fundament und ein Stromanschluss gelegt werden muss. Und innerhalb weniger Stunden wird dann der vorproduzierte Container fix und fertig mit einem Kran auf das Grundstück gehoben.

Sie ist eine Frau, die vorwärts schaut. „Ich mache alles mit Liebe und Engagement – so wie mein Mann und ich das zusammen getan haben und wie er mir das beigebracht hat. Genauso mache ich weiter.“ Die erfolgreiche Arbeit der letzten Monate geben ihr Zuversicht. Zwei neue Mitarbeiter hat sie bereits eingestellt, um die anstehenden Aufträge bearbeiten zu können. Dafür arbeitet Halbach jedoch auch mitunter am Wochenende. „Freizeit und Arbeit ist für mich eins“, sagt sie zielstrebig, „und das ist gut so. Aus diesem Grund hat man Erfolg.“ Samstags fährt sie gern auf Kundenbesuch und nimmt sich Zeit für Gespräche – diese Leidenschaft scheint ihr im Blut zu liegen. Denn die Situation, im Außendienst zu arbeiten, ist für die in Staufenberg aufgewachsene Halbach nichts Neues. Bereits als kleines Mädchen von sechs Jahren durfte sie ihren Vater ab und an begleiten, wenn er als Vertreter der Strumpfmarke Hudson seine Kunden besuchte. Für sie damals ein wunderbares Erlebnis.

„Verkaufen macht mir Spaß, egal ob ich jemanden einkleide oder jemandem eine schöne Sauna verkaufe“, erzählt sie freudestrahlend. „Ich könnte auch als Hausdame im Adlon arbeiten – Hauptsache, ich treffe Menschen, die ich aus dem Alltag entführen und begeistern kann.“ Doch anstatt Hausdame in einem luxuriösen Hotel ist sie in der Realität meist die einzige Frau auf der Baustelle. „Ich komme immer klar“, antwortet sie auf die Frage, ob sie da gelegentlich auf Ressentiments stoße.

Und so ist es wohl. Claudia Halbach kommt klar. Ihr Handy ist voll mit Fotos von bereits realisierten Projekten in ganz Deutschland. Zu jedem Foto kann sie eine Geschichte erzählen, auf Einzelheiten verweisen und sich noch nach Jahren daran erfreuen. Für die Zukunft sieht sie weiteres Wachstum und die Etablierung ihres Unternehmens in einem doch hart umkämpften Markt der Wellness­-Industrie. „Ideen habe ich zuhauf“, sagt sie voller positiven Tatendrangs, „denn jeder Kunde inspiriert mich durch seinen eigenen Stil.“ Das war schon immer so. Dafür hat sie einen Blick.