Die Mischung macht’s

©Alciro Theodoro da Silva
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Weinhändler Philipp Bremer und Malermeister Olaf Ringeisen bringen Wein und Design zusammen und kommen gemeinsam auf den Geschmack.

Jeder kennt das: Im Urlaub schmeckt ein Wein fantastisch – derselbe zu Hause dann oft enttäuschend. Umgebung und Stimmung haben auf unsere Geschmackswahrnehmung einen großen Einfluss. Wissen Sie, in welcher Raumgestaltung Ihnen ein Glas Wein am besten schmeckt? Das lernten 50 Teilnehmer im November 2016 beim Workshop ,Wein & Design‘ im Bremer Weinkeller. Der Geschäftsführer der traditionsreichsten Weinhandlung Göttingens, Philipp Bremer, kombin iert seit jeher gern sein ,Lebenselixier‘ mit ungewöhnlichen Dingen: mit Schokolade, Musik, Literatur, sogar mit Geologie. „Als der faktor-Herausgeber Marco Böhme einmal bei einem Weinseminar in unserem Keller saß, erzählte er mir von einem neuen Buch, in dem es um Farben ging und darum, welchen Einfluss sie auf unser Wohlbefinden haben“, erzählt Bremer. „Das Thema Farben in diesem Kontext – da fühlte ich mich gleich angesprochen.“ Kurzerhand organisierte Böhme den Kontakt zu dem Heraus geber des Buches: Olaf Ringeisen, Geschäftsführer des Malerfachbetriebs Ringeisen in Northeim.

In seinem Buch ,Farbspuren‘ sind 20 Wohnstile nach Ländern und Städten präsentiert. „So wie der Wein aufgrund der Regionalität seine eigenen Nuancen entwickelt, unterscheiden sich auch die Räume der Menschen“, erklärt der Farbexperte. Gleichzeitig sei Farbe – genauso wie Wein – immer auch ein sehr individuelles Erlebnis. Es gebe kein Richtig oder Falsch, sondern nur ,mag ich‘ oder ,mag ich nicht‘.

Diese Gemeinsamkeit war die perfekte Grundlage, als sich der Malermeister und der Weinkenner beim ersten Treffen gegenüberstanden. Schnell war man sich einig und experimentell geworden. Das Ergebnis: ein gemeinsamer Workshop der Sinne, der die sensorischen Fähigkeiten der Teilnehmer herausfordert, indem der passende Wein einer Stilrichtung zugeordnet wird. Welches Getränk passt zum Wohnstil ,London Style‘? Welcher Stil zu einem schweren Rotwein? Und nach welcher Farbstimmung schmeckt ein Wein überhaupt? „Diesen Fragen sind wir mit den Teilnehmern auf den Grund gegangen“, sagt Ringeisen. „Denn so wie Wein eine Seele hat, so haben auch Häuser und Wohnungen eine Seele. Und diese zu erspüren und zu erfahren, ist ein bewährter Zugang zur Raumgestaltung und Farbwirkung.“

„Die Teilnehmer lernten aber auch etwas über sich selbst“, sagt Bremer. „Menschen mit ihren sensorischen Fähigkeiten zu konfrontieren, das ist einfach toll.“ Doch auch die Bezüge zwischen den Menschen – dass etwa ein Weinhändler und ein Malermeister etwas zusammen machen – sei für viele spannend gewesen. „Wenn sie zwei Punkte verbinden können, schärft das die Erinnerungsfähigkeit an ein Erlebnis“, erklärt der Weinexperte. Aufgrund der guten Erfahrung ist ein weiterer Workshop in 2018 geplant.

In der Zwischenzeit haben sie ihren gewonnenen Kontakt allerdings auch schon darüberhinaus intensiviert: Es ist nicht nur ein reger Austausch daraus entstanden – Olaf Ringeisen nutzt seitdem Bremers Weinkeller für eigene Seminare und Arbeitstreffen –, sondern auch eine echte Freundschaft.