Die große Fußballfamilie

© Harald Wenzel
Text von: Tobias Kintzel, redaktion

Im Januar findet das 25. Internationale U19-Fußball-Hallenturnier in Göttingen statt. Zum Jubiläum blickt Initiator Lutz Renneberg einmal zurück und zieht ein persönliches Fazit.

Ein Jahr im Voraus konnten die Organisatoren des Sparkasse-&-VGH-CUPs für das im Januar 2014 anstehende Jubiläumsturnier den zweimaligen Finalisten FK Austria Wien als Teilnehmer gewinnen. Mittlerweile haben sich weitere vier internationale Vereine, darunter Fulham FC und PSV Eindhoven, sowie neben Borussia Dortmund und Dauergast Hannover 96 sechs weitere Bundesligavereine angemeldet. Kein Wunder, dass nur Stunden nach dem Vorverkaufsstart die ersten Kartenkategorien ausverkauft waren, und der gesamte Vorverkauf am Folgetag vollständig eingestellt wurde. „Wir erwarten mehr als 11.000 Zuschauer über das gesamte Wochenende. Das ist auch für die Jugendmannschaften der Bundesligisten eine besondere Kulisse. Die spielen sonst oft nur vor 400 bis 500 Zuschauern“, betont Lutz Renneberg, der Initiator des Turniers.

Dass sich das Turnier zu einem solchen Magneten für Top-Vereine entwickeln würde, war bei der ersten Auflage im Jahr 1989 nicht abzusehen, denn kein einziger Bundesligist hatte seine Jugendmannschaft entsandt. „Damals war ich Jugendtrainer bei SVG, und der Leiter der Jugendabteilung, Wolfgang Friedrich, sagte mir, dass wir die Godehard-Halle für zwei Tage zur Verfügung hätten und ich ein Turnier organisieren solle“, erzählt Renneberg rückblickend. Unbedarft habe er dann ein Heft des Kicker durchgesehen und Bundesligisten eingeladen, indem er ihnen die Ausschreibung und seine Startgeldforderungen geschickt habe. „Es gab nur Absagen, wenn sich die Vereine überhaupt zurückgemeldet haben.“ Die Initialzündung sei dann die Grenzöffnung gewesen. Er habe alle Oberligisten der damaligen DDR eingeladen, und der 1. FC Magdeburg sowie BSG Motor Nordhausen seien gekommen. 1.500 Zuschauer besuchten an zwei Tagen die Spiele in der Godehard-Halle. „Wir haben Spieler und Betreuer im Naturfreundehaus in Grone und in der Jahnsporthalle untergebracht, Zuschauer von auswärts waren nicht viele dabei. Heute generieren wir mehr als 1.000 Übernachtungen im Freizeit In und anderen Hotels in der Stadt.“

Aus dem holprigen Start lernt das Organisationsteam der ersten Stunde, aus dem noch heute Dieter Fischbach, Holger Jortzik, Jörg Henkelmann und Lutz Renneberg selbst an Bord sind, viel. Einer der wichtigsten Absagegründe der Top-Vereine war, dass sie kein Startgeld zahlen, sondern Antrittsgeld kassieren wollten. „Uns war danach klar, dass wir die Vermarktung professionalisieren mussten. Ohne eine solide finanzielle Grundausstattung waren keine hochkarätigen Vereine zu bekommen. Das gilt noch heute“, fasst Renneberg zusammen. Und das Team lernt schnell: Schon 1990 sind die ersten Bundesligisten dabei, 1991 Ajax Amsterdam mit dem späteren Weltstar Clarence Seedorf. In den nächsten Jahren entwickelt sich das Turnier rasant weiter, die Zuschauerzahlen steigen von Jahr zu Jahr. 1998 folgt dann aus Rennebergs Sicht der entscheidende Schritt in der 25-jährigen Historie: „Ohne den damaligen Wechsel in die Lokhalle würde es das Turnier heute vielleicht nicht mehr geben. Sie trägt sehr viel dazu bei, dass wir ein europaweit einzigartiges Fußball-Event auf die Beine stellen können.“ Davon ist auch Karsten Schlote, Prokurist und Vertriebsleiter beim Gruppensponsor TSN-Beton, überzeugt: „Die Lokhalle ist einfach perfekt, die Atmosphäre steckt alle sofort an. Kunden, die ich einmal eingeladen habe, wollen immer wieder kommen.“ Für sein Unternehmen sei das der optimale Rahmen, Kundenpflege zu betreiben.

Die Sponsoren individuell anzusprechen und intensiv zu betreuen, sei laut Lutz Renneberg eine weitere Lehre aus den Anfangsjahren: „Wir nutzen den langen Vorlauf, um Sponsoringziele abzufragen und daraus individuelle Pakete und Angebote abzuleiten.“ TSN-Prokurist Schlote, der noch 1996 selbst als Spieler aktiv in das Turniergeschehen eingegriffen hat, kann das bestätigen: „Der Kontakt besteht über das ganze Jahr. Entscheidend ist, dass individuelle Wünsche beachtet werden, Zusagen verlässlich sind und immer eine Win-win-Situation angestrebt wird. Lutz Renneberg schafft es, auch uns in seine große Fußballfamilie einzubinden.“ Nicht zuletzt deshalb hat sich TSN-Beton entschieden, einen Vertrag mit sechs Jahren Laufzeit zu unterschreiben. Peter Sprenger, DPD-Niederlassungsleiter in Nörten-Hardenberg, betont noch einen anderen Punkt: „Seit dem ersten Jahr in der Lokhalle begleiten wir als Sponsor das Turnier, und es hat in den 15 Jahren eine beeindruckende Entwicklung genommen. Das ist sehr professionell und hochwertig organisiert.“ Besonders überzeuge ihn die Möglichkeit, auf hohem Niveau regionale Vereine in der Jugendarbeit unterstützen zu können. „Das passt zu unserer Philosophie‚ der Jugend eine Chance zu geben.“

Heute ist das U19-Fußball-Hallenturnier ein Ganzjahresprojekt, an dem in den Hochzeiten bis zu 150 Menschen arbeiten. „Obwohl sich alle ehrenamtlich engagieren, sind wir organisiert unterwegs. Die Aufgaben sind klar verteilt. Und alle sind mit Leidenschaft dabei, viele seit Jahren“, ist Lutz Renneberg stolz auf sein Team. Diese Konstanz sei den Profimannschaften wichtig, die ihre oft langjährigen Betreuer sehr schätzen.

Durch den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer, darunter viele Eltern und Betreuer regionaler Mannschaften, hat das Organisationsteam einen entscheidenden Vorteil: keine Personalkosten. „Wir können dadurch familiengerechte Preise in der Gastronomie und bei den Eintrittsgeldern ansetzen. Den Profit aus der Gastronomie erhalten wiederum die regionalen Vereine zweckgebunden für die Jugendarbeit“, erklärt Renneberg das einzigartige Konstrukt – und eine weitere Win-win-Situation. Lediglich die Verpflegung im VIP-Bereich ist in den Händen der echten Profis des Hotels Freizeit In. „Das ist ein VIP-Bereich auf Top-Niveau“, ist Karsten Schlote von TSN-Beton überzeugt. Da sein Unternehmen auch die Bundesligamannschaft von Eintracht Braunschweig sponsert, hat er die nötigen Vergleichsmöglichkeiten. Ab dem ersten Anpfiff wird die mediale Aufmerksamkeit für die 25. Auflage des Turniers noch höher sein als in den vergangenen Jahren. Insgesamt 50 Medienvertreter sind akkreditiert, die Profi-Vereine bringen eigene Presse- und PR-Leute mit, um live zu berichten. Auch hier überlassen die Turnierorganisatoren nichts dem Zufall: Sie liefern Fotos und Ergebnisse zu – dank einer eigenen Datenbank mit Hintergründen aus allen Turnieren, bis auf das erste.

„Mit der Fest GmbH, der umfirmierten ehemaligen WM Quartier 2006 GmbH, sind wir für die Abwicklung der geschäftlichen Seite gut aufgestellt. Außerdem sind wir wirtschaftlich unabhängig durch die Sponsoren“, sagt Lutz Renneberg und blickt damit schon vor dem Jubiläumsturnier in die fernere Zukunft. „Im Vordergrund steht für uns auch in den kommenden Jahren das solide Wirtschaften. Aber neue Ideen haben wir laufend.“ Peter Sprenger vom Sponsor DPD wundert das nicht: „Alle Beteiligten wollen immer besser werden – und das schaffen sie auch.“