Die flexiblen Gründer

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Stefan Liebig

Der Traum, sich mit dem eigenen Projekt erfolgreich selbständig zu machen, wurde für drei HAWK-Absolventen Wirklichkeit: Flexbio Technologie ist ein bereits ausgezeichnetes Umwelt-Technologie-Unternehmen mit ressourcenschonenden und nachhaltigen Lösungen für die Abwasserbehandlung.

Acht Jahre harte Entwicklungsarbeit, vom Feilen an der Grundidee bis zu den Details der Umsetzung, stecken in den ersten Prototypen der Ausgründung der Firma Flexbio Technologie. Die Entwicklungsarbeit fand im Technikum der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim Holzminden Göttingen (HAWK) statt. Kirsten Loewe und Waldemar Ganagin, die jetzt gemeinsam mit dem später zum Projekt gestoßenen Paul Bauer die Geschäfte führen, bissen sich am Problemfeld Wasseraufbereitung geradezu fest. Kurz zusammengefasst ging es ihnen darum, belastetes Wasser von versiegelten Flächen und von Produktionsanlagen zu reinigen und in den Wasserkreislauf zurückzuleiten.

Ziel ist es, bewährte Technologien sinnvoll zu kombinieren und zu verschalten, um ein kostengünstiges Verfahren der Wasseraufbereitung anzubieten. Dieses zu lösende Problem betrifft beispielsweise Biogasanlagen: Auf Teilen der versiegelten Flächen nimmt das Regenwasser organische Rückstände auf. Das Wasser, das die Betreiber gemäß gesetzlicher Bestimmungen sammeln müssen, ist durch organische Rück stände belastet und kann nicht in Gewässer eingeleitet werden. Bislang musste das verunreinigte Regenwasser entweder aufgefangen und auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht oder mittels kommunaler Kanalisation entsorgt werden, was jedoch sehr hohe sogenannte Stark verschmutzungsgebühren nach sich zieht. Die Rundumlösung für diese Problematik entwickelten Waldemar Ganagin und Kirsten Loewe in der Fakultät Ressourcenmanagement der HAWK Göttingen mit ihrer modularen vollbiologischen Kompaktkläranlage.

Im Fachgebiet Nachhaltige Energie- und Umwelttechnik ( Neutec) tüftelten die Umweltingenieurin und der Master- Absolvent des Wirtschaftsingenieurwesens an der HAWK an einer effizienten Lösung. Der beeindruckende Beleg für die erfolgreiche Forschungstätigkeit ist der Gewinn zweier Innovationspreise, schon bevor das Unternehmen seine erste Anlage in Betrieb nahm. „Das ist eine unglaublich motivierende Anerkennung unserer jahrelangen Arbeit und unterstützt die Vermarktung unserer Anlagen enorm“, sagt Paul Bauer, der als Bankkaufmann und Agrarökonom für das Rechnungswesen zuständig ist. Grund für diese Vorschusslorbeeren ist das Konzept, bei dem das System im Vergleich mit anderen Anlagen wenig Energie benötigt und gleichzeitig bei der Reinigung Biogas erzeugt.

Kurz gesagt, wird dem System also verschmutztes Wasser zugeführt und heraus kommen gereinigtes Wasser, Bioenergie und als Dünger verwertbarer Schlamm. Wer jetzt schon an die eierlegende Wollmilchsau denkt, versteht die Preisrichter der Innovationspreise – erst recht, wenn er dann auch noch erfährt, dass sich diese Anlage innerhalb von vier bis sechs Jahren amortisiert und zudem auch nicht besonders groß und daher transportabel ist. Natürlich hat sich das auch bereits bei den Anlagenbetreibern herumgesprochen und dort großes Interesse geweckt. „Wir sind stolz darauf, in Kürze den ersten Prototypen anschließen zu können“, sagt Waldemar Ganagin, Geschäftsführer Technik.

Das Team von Flexbio Technologie steht nun in den Startlöchern. Letzte Überzeugungsarbeit bei den Kunden und den genehmigenden Behörden muss noch geleistet werden, bevor die erste Anlage ,schlüsselfertig‘ ausgeliefert wird. Vom Zeitpunkt des Aufstellens bis zum Volllastbetrieb benötigt das vollbiologische Verfahren weitere zwei bis drei Monate. „Ich freue mich auf den Moment, in dem ich sagen kann: Es ist toll, dass wir für die Praxis geforscht und entwickelt haben und nicht für die Schublade“, sagt Ganagin und blickt voller Vorfreude in die nahe Zukunft und der Aufstellung der ersten Anlage entgegen. In weiterer Zukunft denkt er schon an die Expansion seines jungen Start-up-Unternehmens.

„Ich bin mir sicher, dass wir – wenn wir erst mal einige Referenzanlagen in Betrieb haben – mit einer großen Nachfrage rechnen können“, so Ganagin. Personelle Aufstockung im Bereich Montage ist daher für ihn voraussichtlich bald nötig. Neben dem Einsatz der Kompaktkläranlage in Biogasanlagen sieht er vor allem die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie als interessierte Kunden der Zukunft.

Flexbio Technologie UG

Rudolf-Diesel-Straße 12

37075 Göttingen

Tel. 0551 5032268

www.flexbio.de