Die Chance, zu wachsen

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Text von: redaktion

Bei den Business and Professional Women (BPW) in Göttingen netzwerken ausschließlich Frauen mit Frauen.

„Frauen netzwerken anders, und zwar intensiver“, sagt Doris Körner. Beim Business and Professional Women Club Göttingen (BPW), deren Vorsitzende sie ist, finden angestellte und selbständige Frauen viele Gelegenheiten dazu. Im besten Sinne Seilschaften zu knüpfen, ist auch hier ausdrücklich erwünscht. Genau wie männlich geprägte Clubs verstehen sich die BPW als Plattform für Geschäftskontakte und Erfahrungsaustausch. Zusätzlich bestimmen Aus- und Weiterbildung sowie das Training von „Soft-Skills“ das Clubleben. Es ist ausschließlich Frauen zugänglich.

Das findet die Clubführung keinesfalls unzeitgemäß. Zum einen ist die Chancengleichheit im Beruf längst noch keine Realität. Zum anderen sprechen kommunikative Vorteile dafür. „Wir bieten die Möglichkeit, spezifische weibliche Berufsthemen in vertraulicher Atmosphäre anzusprechen und sich gegenseitig den Rücken zu stärken“, sagt Doris Körner, Ingenieurin bei Otto Bock. „Es ist wohl charakteristisch für Frauen, dass sie sich oft zu wenig zutrauen“, so die Erfahrung der 38-Jährigen. Generell haben sich die BPW auf die Fahnen geschrieben, die Ausbildung von Frauen zu fördern. Mitglieder in Führungspositionen ermutigen dabei andere Frauen durch ihr Vorbild. Doris Körner verweist auf das Mentoring-Programm. Bereits mit allen Wassern des Wirtschaftslebens gewaschene Mentorinnen greifen dabei Frauen beim Berufsstart oder Wiedereinstieg, bei der Existenzgründung und bei der Karriereplanung unter die Arme. „Wenn etwa jemand Abteilungsleiterin werden möchte, kann es hilfreich sein, wenn ihr jemand anderes dabei hilft, bereits bekannte Klippen zu umschiffen“, verdeutlicht Körner. Mitglieder profitieren in solchen Fällen vom internationalen BPW-Netzwerk.

Über die Hälfte der Göttinger BPW-Angehörigen ist selbständig, Branchen und Berufe sind bunt gemischt, der Altersdurchschnitt liegt bei 40 Jahren. Frauen unter 35 Jahren bietet der Club ein eigenes Forum. Es heißt „Young BPW“ und spricht Auszubildende, Studentinnen und Berufseinsteigerinnen an. Der 1954 gegründete hiesige BPW-Ableger verzeichnet seit einigen Jahren regen Zuwachs.

Um Mitglied bei den BPW zu werden, empfiehlt sich, so Doris Körner, zunächst der Besuch einiger der regelmäßig stattfindenden Clubabende. Dabei lasse sich schnell prüfen, ob die Chemie stimmt und die Agenda zusagt. Sie ist vielfältig. So ist der bundesweit fünftgrößte BPWClub häufig Gastgeber für überregionale Kongresse. Bei der bundesweiten Mitgliedertagung im November erwarten die Göttingerinnen über 200 Gäste. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Berufslaufbahnen gut ausgebildeter Frauen immer wieder an der so genannten gläsernen Decke enden, die sie am Aufstieg in die Führungsetage hindert. Internationale Hilfsprojekte organisieren die BPW ebenso wie Seminare zu beruflichen Themen. Außerdem werden grenzüberschreitende Partnerschaften gepflegt. „Das erweitert die fremdsprachlichen und interkulturellen Fähigkeiten enorm“, sagt BPW-Pressereferentin Claudia Klaft, die in einer Werbeagentur arbeitet. Für all diese beruflich relevanten Qualifikationen stellt der BPW-Club quasi ein „Lernfeld“ dar. „Es ist ein Forum, sich auszuprobieren, eine Chance, zu wachsen“, sagt Claudia Klaft. Eine gläserne Decke gibt es dabei garantiert nicht, betont die 46-Jährige. „Hier findet jede ihren Platz.“

Text: BERTI KOLBOW

BPW Göttingen

Die rund 90 „Business and Professional Women“ sind berufstätige Frauen, die untereinander Erfahrungen austauschen und Kontakte knüpfen. Vorträge erfolgreicher Unternehmerinnen über Charity-Projekte des Clubs und über Karriere-Themen bieten die öffentlichen Clubabende jeden zweiten Dienstag ab 19 Uhr im Restaurant „Pampel- Muse“ im Göttinger Eden-Hotel.