Die Begeisterer

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sebastian König

Funkelnde Augen und ein leichtes Beben in der Stimme – es ist die pure Begeisterung, die aus Frank Schaumberg und seiner Frau Anja Böning-Schaumberg spricht. Dabei erzählen die beiden nur von etwas ganz Profanem: ihren Job.

Sie sind die Inhaber des ,Cateringhauses Göttingen‘ in Rittmarshausen. Während er als gelernter Küchenmeister und Betriebswirt den Gourmet- Party-Service leitet, führt sie den Bereich Veranstaltung-Logistik-Service. Mit diesen beiden Geschäftszweigen deckt das Cateringhaus als Full-Service-Anbieter den kompletten Bereich einer Veranstaltung ab. „Wir bringen alles mit, von der Ausstattung mit Geschirr über Deko und Personal bis zu den Getränken“, sagt Böning-Schaumberg.

Was daraus entstehen kann, hat Bernt R. A. Sierke, Geschäftsführer der PFH Private Hochschule Göttingen, erst kürzlich erlebt: „Für die Charterfeier des 4. Göttinger Rotary Clubs ‚Göttingen-Sternwarte‘ lieferte das Cateringhaus für 150 Personen alles vom Teelöffel bis zu hervorragenden Speisen und machte so in der ‚Alten Fechthalle‘ einen ganz besonderen Abend möglich.“ Unter anderem bekochte das Team des Cateringhauses auch schon die Besucher des Deutschen Historikertages in der Göttinger Lokhalle. Hier zählte auch Bundespräsident Joachim Gauck zu den insgesamt 1.400 Gästen.

Die Größe einer Veranstaltung spielt im Grunde aber keine Rolle. „Von 4 bis 2.000 Personen ist alles denkbar“, sagt Frank Schaumberg und ergänzt: „Die Hauptsache ist, dass das Budget passt.“ Wobei ihn die Erfahrung gelehrt habe, dass aus fast jedem Budget etwas Einmaliges entstehen kann. Neben privaten Feiern wie Geburtstagen und Hochzeiten betreut das Cateringhaus Firmenfeste, Partys und Gourmetveranstaltungen. „Uns macht die Zubereitung des Mittagessens für die Familie im kleinen Kreis ebenso viel Spaß wie Fingerfood und Flying- Buffets für Großveranstaltungen“, berichtet Schaumberg.

Fertigprodukte haben in seiner Küche dabei keinen Platz. Denn bei den Speisen setzt der Küchenmeister ausschließlich auf Handarbeit und frische, regionale Zutaten: „Unser Gemüse kommt aus der direkten Nachbarschaft von Lotta Karotta, also quasi direkt vom Feld.“ Und auch das Fleisch, auf Wunsch mit Biosiegel, bezieht er von Landwirten aus der Region. Aus den Grundstoffen zaubert das Team kalte und warme Köstlichkeiten mit Einflüssen aus den Küchen rund um den Globus. „Uns ist wichtig, dass die Speisen zum Kunden und zur Veranstaltung passen“, sagt Schaumberg.

Damit die Symbiose klappt, tüfteln er und seine Frau gemeinsam mit 14 festangestellten Mitarbeitern oft lange, bis die richtige Lösung gefunden ist. „Produkte und Atmosphäre müssen einfach passen“, erklärt Böning- Schaumberg. „Vieles hängt vom Ort der Veranstaltung ab.“ Und hier haben die beiden schon einiges erlebt. „Der Job ermöglicht es uns, viele Schmuckkästchen kennenzulernen – öffentliche wie private – das sind wunderbare Erlebnisse“, erzählt der Küchenmeister.

Das bestätigen auch Silvia und Frank Walter Eisenacher, Geschäftsführer des Göttinger Unternehmens Börner-Eisenacher, die schon bei diversen Firmen- und Privatveranstaltungen auf das Cateringhaus und dessen Ideenreichtum gesetzt haben: „Es war besonders faszinierend, wie aus einer schlichten Verpackungsindustriehalle eine entspannte und gediegene Partylocation wurde.“ Sogar Schwimmbäder sind schon abgedeckt und zur Partyfläche umfunktioniert worden. „Wir haben ein Gespür dafür entwickelt, wie eine Veranstaltung am Ende aussehen kann, und das hilft uns, die richtigen Vorschläge zu machen“, erklärt Schaumberg.

Dabei kann das Team auf einen riesigen Fundus an Erfahrung zurückgreifen. Seit 19 Jahren begleitet das Ehepaar Veranstaltungen in der Region – heutzutage bis zu 600 pro Jahr. Dieser Erfolg ist aus kleinen Anfängen entstanden. 1996 kehrte das Paar aus Frankfurt in die Heimat nach Rittmarshausen zurück. Anja Böning-Schaumberg war gerade schwanger und hatte bis dato mit Catering noch nichts zu tun. Frank Schaumberg hatte bislang als Angestellter gearbeitet. Dennoch wagten sie den Schritt in die Selbständigkeit.

Start war der 1. Mai 1996, exakt einen Tag nach der Geburt des ersten Sohnes Gordon. „Für uns ging es direkt aus dem Kreißsaal in die Selbständigkeit“, sagt Schaumberg lachend. Die erste Küche befand sich im Haus der Eltern von Anja Böning-Schaumberg. Besprechungen mit Kunden fanden im Wohnzimmer statt, und Anja Böning-Schaumberg stand nachts in der Küche, um Desserts vorzubereiten. „Damals waren wir ein absoluter Geheimtipp.“

Das änderte sich schnell. Denn Qualität und Erlebnisse sprachen sich herum. Immer mehr Aufträge kamen herein, sodass der Pool des Hauses in eine größere Küche umgewandelt werden musste und die ersten Mitarbeiter eingestellt wurden. 2002 stand der erste echte Großauftrag an. Im Rahmen einer Vertriebstagung verköstigte das Team jeweils 2.000 Personen mit Frühstück, Mittag- und Abendessen. „Das war ein echter Hammer für uns, wir hatten damals 150 Mitarbeiter im Einsatz“, sagt Schaumberg.

Als im Laufe der Zeit immer mehr logistische Aufgaben hinzukamen, wie Geschirrverleih oder Dekoration, strukturierte sich das Unternehmen neu. Die Bereiche Gourmet- Party-Service sowie Veranstaltung-Logistik- Service wurden unter der Dachmarke ,Cateringhaus Göttingen‘ zusammengefasst. Unter dem neuen Namen ging die Entwicklung weiter steil bergauf, auch dank der Einsatzbereitschaft sowohl der festangestellten Mitarbeiter als auch der Zeitkräfte. Waren am Anfang zusätzliche Kräfte für Großveranstaltungen noch ,geleast‘, kann das Cateringhaus heute auf einen eigenen Stamm von bis zu 140 Zeitkräften zurückgreifen.

„Es funktioniert einfach besser, wenn die Mitarbeiter unsere Arbeitsweise schon kennen“, erklärt Böning-Schaumberg, und ihr Mann ergänzt: „Denn unsere Servicekräfte sollen nicht wie Diener in der Ecke stehen, sondern selbstbewusst und aktiv die Veranstaltung mitgestalten.“ Dafür sollen sie auch teilhaben an Lob und Erfolg, wie Schaumberg sagt: „Wir beziehen die Mitarbeiter möglichst eng mit ein und versuchen, sie dabei mit unserer Begeisterung anzustecken.“ Zum Dank für den Einsatz begibt sich die Stammmannschaft einmal im Jahr auf eine Reise ins Ausland. Schaumberg dazu: „Hier sammeln wir neue Ideen, neue Rezepte, die wir dann in die Region mitbringen.“

Das wissen die Kunden zu schätzen: „Mein Eindruck ist, dass Frank Schaumberg die Küche immer wieder neu erfindet, indem er bei bekannten Gerichten Zutaten hinzufügt oder weglässt und dadurch etwas Neues, Spannendes schafft“, sagt der ehemalige Vorstandschef der Göttinger Stadtwerke, Norbert Liekmeier, und ergänzt: „Wie oft kam es vor, dass ich zum Probieren von ‚Kleinigkeiten‘ verführt wurde und es genossen habe.“ Weiterentwicklung ist Programm, wie Schaumberg bestätigt: „Jede Veranstaltung ist anders, eine neue Herausforderung, und deshalb werden wir die Begeisterung für den Job auch nie verlieren.“