Deutscher Fahrradpreis 2021

Text von: redaktion

Das Projekt 'Rücksicht macht Wege breit!' im Landkreis Göttingen gehört zu den Gewinnern des Deutschen Fahrradpreises. Die gemeinsame Aktion von Kreisverwaltung und Landvolk erreichte Platz zwei in der Kategorie Kommunikation.

Die Gewinner des Deutschen Fahrradpreises 2021 stehen fest. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende der Freien Hansestadt Hamburg, Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister der Hanse- und Universitätsstadt Rostock und Christine Fuchs, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW (AGFS), übergaben auf dem digitalen Nationalen Radverkehrskongress in Hamburg die Gewinnerpreise.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: „Der Deutsche Fahrradpreis zeichnet Projekte und die Menschen hinter den Projekten aus, die sich mit viel Herzblut und innovativen Ideen für besseren Radverkehr engagieren. Das trifft ganz besonders auf Dr. Eckart von Hirschhauen zu. Ich freue mich, ihm heute den Preis für die Fahrradfreundlichste Persönlichkeit – eine Art Fahrradbotschafter – zu übergeben. Eckart von Hirschhausen steht für gesunden Lebenswandel, den aktiven Schutz unserer Erde, umweltfreundliche Mobilität – und nicht erst seit heute für mehr Radverkehr. In Interviews, Sachbüchern und Shows wirbt er für seine Überzeugungen. Seine Leidenschaft für das Radfahren ist ansteckend und ich hoffe, dass er damit viele Menschen für das Rad begeistert.“

Die ‚Fahrradfreundlichste Persönlichkeit‘ 2021 ist Eckart von Hirschhausen. Als Arzt, Autor und Gründer der Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“, weiß er welche Vorteile ein bewusstes Mobilitätsverhalten für den Menschen, die Gesundheit und das Klima hat. Überreicht wurde der Preis in Form einer Fahrradhelmes von Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Den ersten Platz in der Kategorie ‚Infrastruktur‘ belegt das Projekt ‚Popup-Radwege in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg‘. Dort wurden über 25 km neue, geschützte Radverkehrsanlagen an Hauptverkehrsstraßen eingerichtet. Laudatorin Christine Fuchs, Vorstand der AGFS lobte die schnelle Umsetzung und die erfolgreiche Zusammenarbeit unterschiedlicher Verwaltungsebenen in Berlin. Platz zwei geht an das Projekt ‚Fahrradstraßen 2.0 in Münster‘. In 2020 wurden acht Straßen auf einer Länge von gut 5,5 km zu Hauptstraßen für das Fahrrad umgebaut. Deutschlandweit einzigartig sind die einheitlichen Qualitätsstandards: breite Fahrgassen, eine flächige Roteinfärbung und die Bevorrechtigung der Fahrradstraße an Knotenpunkten. Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen wurde für ‚Qualitätsstandards und Musterlösungen für das Radnetz Hessen – Sicher Radfahren für alle‘ mit dem dritten Platz prämiert. Das Werk unterstützt Planer dabei, eine attraktive Infrastruktur für den Radverkehr in Hessen zu schaffen. Es werden Pedelecs bzw. Sonderräder berücksichtigt und erstmals Qualitätsanforderungen für ein Radnetz definiert.

In der Kategorie ‚Service‘ wurde die Region Hannover mit dem Projekt ‚Digitalisierung nutzen: GPS-Radverkehrsdaten für eine ganzheitliche Radverkehrsstrategie‘ mit dem ersten Platz gewürdigt. Laudator Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende der Freien Hansestadt Hamburg: „Valide Verkehrsdaten können Gemeinden, Städten und Kommunen dabei  helfen, ihre Radverkehrsinfrastruktur besser zu planen und im Sinne der Fahrradfahrenden besser zu machen. Das Projekt in Hannover verbindet geschickt das Angenehme mit dem Nützlichen: Mit Hilfe der Fahrrad-App werden anonymisiert digitale Daten zum Fahrverhalten der Radfahrerinnen und Radfahrer erhoben, gleichzeitig werden Anreize zum Fahrradfahren geschaffen, indem Radfahrende belohnt werden. Am Ende profitieren alle: Mit den erhobenen Daten können Radwege anhand ihrer tatsächlichen Nutzung leichter geplant, verbunden und verbessert werden – was wiederum den Radfahrerinnen und Radfahrern zugutekommt. Mich begeistert hier der digitale Ansatz, dass gleichzeitig GPS-Radverkehrsdaten erhoben und auf den gesamten Radverkehr hochgerechnet und analysiert werden, um zielgerichtete Maßnahmen im Radverkehr umzusetzen.“ Platz zwei geht an Fahrrad & Familie e.V. mit dem Projekt ‚Proberadeln für Familien mit kleinen Kindern‘. Hierbei können Familien unterschiedliche Fahrradmodule kostenlos testen, z.B. Fahrradanhänger, Lastenrad, Kindersitz, Lauf- und Kinderrad. Dabei steht die Mobilität der Kinder im Fokus sowie die Beratung der Eltern. Über den dritten Platz darf sich das Projekt ‚Fahrräder bewegen Bielefeld‘ freuen. Hierbei werden alte Fahrräder eingesammelt und zusammen mit Bedürftigen, Geflüchteten und Jugendlichen aufgearbeitet. Zudem werden mit einer gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft und der AWO spezielle Räder betrieben, die auch beeinträchtigte Menschen wieder fahrradmobil machen.

In der Kategorie ‚Kommunikation‘ werden die Kidical Mass Köln mit dem ‚Aktionswochenende 2020: Platz da für die nächste Generation!‘ mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Dort haben über 22.000 kleine und große Radfahrende in ganz Deutschland für fahrrad- und kinderfreundliche Städte demonstriert. Die Kidical Mass hat die Vision, dass sich Kinder und Jugendliche sicher und selbständig mit dem Fahrrad bewegen können. Laudator Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister der Universitäts- und Hansestadt Rostock und Vorstandsvorsitzender der Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft fahrrad- und fußgängerfreundlicher Kommunen Mecklenburg-Vorpommern e. V. betont, dass Kinder so früh wie möglich in die Mobilitätsentscheidung eingebunden werden müssen. Aktionen wie diese schaffen positive Erlebnisse, machen Spaß und machen die Kinder sichtbar! Das zweitplatzierte Projekt ‚Rücksicht macht Wege breit!‘ vom Landkreis und Landvolk Göttingen schafft anhand von Schildern an Wirtschaftswegen ein gegenseitiges Verständnis von Landwirten und Radfahrenden. Die Beschilderung von meist privaten Feldwegen fördert einen freundlichen Umgang miteinander und hilft Konflikte zu vermeiden. Den dritten Platz belegt ‚Der Berliner Straßencheck – Studie zur subjektiven Sicherheit im Radverkehr‘. FixMyCity und der Tagesspiegel Berlin haben eine Erhebung zur subjektiven Sicherheit von Radinfrastruktur durchgeführt. In einer Online-Umfrage wurden über 3.000 Infrastrukturvarianten anhand von 3D-Fotos durch 21.000 Teilnehmende bewertet. So stehen erstmals Informationen zur Verfügung, auf welchen Radwegen sich Radfahrende sicher fühlen.

Mit dem Deutschen Fahrradpreis werden jährlich durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen (AGFS) die innovativsten Projekte des Landes zur Radverkehrsförderung ausgezeichnet. Verliehen wird der Deutsche Fahrradpreis für die Kategorien ‚Infrastruktur‘, ‚Service‘ und ‚Kommunikation‘. Zudem werden die ‚Fahrradfreundlichste Persönlichkeit‘ und die Gewinner des Foto- und Fahrradkulturwettbewerbs geehrt. Partner des Wettbewerbs sind der Verbund Service und Fahrrad e.V. und der Zweirad-Industrie-Verband e.V. Ausgewählt werden die neun besten Projekte von einer Expertenjury aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Verbänden.

Neben dem zweiten Platz in der Kategorie ‚Kommunikation‘ wurde die Fahrradstadt Göttingen im März zudem mit Platz 1 der fahrradfreundlichsten Städte zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern ausgezeichnet – trotz der wenig erfreulichen Gesamtnote von 3,3. 708 Göttinger haben im Herbst letzten Jahres an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Besonders positiv bewerteten sie die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die Möglichkeit zum zügigen Radfahren und die hohe Akzeptanz des Radfahrens bei Jung und Alt. Unzufrieden sind Göttingens Radfahrer vor allem mit der hohen Fahrraddiebstahlquote, der Radverkehrsführung an Baustellen, der Falschparkerkontrolle auf Radwegen und Konflikten mit dem Kfz-Verkehr. Der ADFC Göttingen fordert den flächendeckenden Ausbau des Radwegenetzes mit Mitteln des Bundes.