Deutsch-Polnischer Literaturpreis

Text von: redaktion

Der von den beiden Partnerstädten Göttingen und Thorn ausgelobte Samuel Bogumil Linde-Literaturpreis geht an den Krakauer Schriftsteller Adam Zagajewski und an den in Berlin lebenden deutschen Dichter, Literaturkritiker und Essayisten Durs Grünbein.

Der nach dem in Thorn geborenen Sprachwissenschaftler Samuel Bogumil Linde (1771 – 1847) benannte Preis zeichnet nach dem Willen der beiden Städte Autoren aus, „deren Wort Ideale und Werte schafft, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen“.

Adam Zagajewski, geboren 1945 in Lemberg, heute Ukraine, lebt als Dichter, Prosaist, Literaturkritiker und Essayist in Krakau. Er gehörte der Dichterformation „Nowa Fala“ (Neue Welle) an und war der demokratischen Opposition verbunden.

1975 wurde über ihn ein Druckverbot verhängt. Nach Verhängung des Kriegsrechtes 1982 wanderte Zagajewski nach Paris aus und kehrte schließlich nach dem Sieg der demokratischen Bewegung 2002 nach Polen zurück.

Er ist einer der wichtigsten Autoren polnischer Gegenwartsliteratur. In seinen Werken, die zu den modernen Klassikern zählen, und in seinem Handeln protestiert er gegen politische Ideologien und plädiert für die Einheit des europäischen Kontinents.

Die Poesie Adam Zagajewskis, anfangs antipoetisch, der so genannten „Richtlinie des ehrlichen Sprechens“ verpflichtet, verwandelte sich mit dem Gedichtband „Nach Lwów fahren“ in eine philosophische Lyrik mit komplizierten Metaphern und Symbolen. Zagajewski selbst definiert die Poesie als Kunst der Formulierung und Verarbeitung von gedanklichen Eindrücken.

Durs Grünbein, geboren 1962 in Dresden, lebt als Dichter, Essayist, Kritiker und Übersetzer in Berlin. Nach dem Mauerfall führten ihn Reisen durch Europa, nach Südostasien und in die Vereinigten Staaten. Für sein Werk erhielt er mehrere bedeutende Preise.

Er debütierte 1988 mit dem Gedichtband „Grauzone morgens“. In seinen Texten aus den Jahren 1985 bis 1988 zeigt er mit Hilfe von dichterischen Begegnungen mit der Alltagswelt authentische Gefühle und Wahrnehmungen eines Bewohners der DDR-Metropole Berlin. Zu seinen weiteren Werken gehören „Schädelbasislektion“, „Falten und Fallen“ und „Vom Schnee“.

Seit 2005 ist er Professor für Poetik an der Kunstakademie Düsseldorf und seit 2008 Mitglied des Ordens „Pour le mérite“ für Wissenschaft und Künste in Berlin.

Der Samuel Bogumil Linde-Literaturpreis, der seit 1996 jährlich ausgelobt wird, wird Autoren zuerkannt, die auf den Feldern Lyrik, Prosa, Drama, Essayistik im umfassenden Sinn, Literaturkritik, Publizistik, Übersetzung und Edition Hervorragendes geleistet haben. Er ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Zur Preisverleihung im historischen Artushof der Weichselstadt am Sonntag, den 13. Dezember 2009, reist Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer an der Spitze einer kleinen Ratsdelegation an.