©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Stefan Liebig

Markus Billen sorgt in zahlreichen Haushalten Südniedersachsens für stimmungsvolle Momente: Mit seiner Forstbaumschule in Bösinghausen ist er der größte Weihnachtsbaumproduzent und -händler der Region.

Und im Dezember kommen dann immer die ganzen Lkw und liefern die Weihnachtsbäume zum Gelände von Billen Forst …“ Als Markus Billen diesen Gesprächsfetzen aus einer Unterhaltung im Freundeskreis aufschnappt, traut er seinen Ohren nicht. „Ihr glaubt allen Ernstes, die liefern uns die Bäume?“, sagt er und geht irritiert dazwischen. Erstaunte Blicke in der Runde. Natürlich kann er diese Aussage nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen, denn der Diplom-Forstingenieur erntet in seinem Betrieb, der bereits seit 1987 besteht, unter vollem Einsatz jährlich eine fünfstellige Zahl von Bäumen. Ein Großteil davon sind Weihnachtsbäume, die in der Hochsaison in großen Stückzahlen von seinem Betriebsgelände in Waake-Bösinghausen abgeholt und zu Händlern und Verkaufsständen in der ganzen Region gebracht werden.

„Dieser Irrtum herrscht wohl bei vielen Einheimischen aus der Gegend vor“, erklärt Billen schmunzelnd. Denn wer nur das Betriebsgelände sieht, ahnt nichts von seinen 50 Hektar Anbaufläche im Umkreis von 50 Kilometern. Fünf feste Mitarbeiter und 15 Saisonmitarbeiter sorgen hier das Jahr über für den perfekten Wuchs. Dabei züchtet Billen längst nicht nur Weihnachtsbäume, sondern betreibt auch eine Forstbaumschule. Der geschäftigste Jahresabschnitt beginnt für sein Team, wenn viele Menschensich lieber ins gemütliche Wohnzimmer vor ihren holzbefeuerten Kamin zurückziehen. Denn sobald die Blätter nach dem ersten Frost gelb werden, steht nicht nur die Ernte der Weihnachtsbäume kurz bevor, sondern es geht auch raus auf die  Wirtschaftsflächen zum Setzen der nächsten Generation an jungen Bäumen. Die Pflanzzeit endet im Frühjahr, wenn die ersten Laubbäume wieder austreiben – Unterbrechungen gibt es nur bei gefrorenem Boden.

Neben den körperlichen Anforderungen machen Billen in den letzten Jahren auch zunehmend viele geänderte Rahmenbedingungen zu schaffen. „Es ist schwierig, Saisonarbeiter für diesen  anstrengenden Job zu verpflichten. Meistens kommen sie aus Polen“, berichtet der 59-Jährige, dessen Lieblingsbaum die Schwarzerle ist. Und auch die klimatischen Bedingungen fordern Forstwirten eine immer größere Flexibilität ab. „Wir mussten in den letzten Jahren öfter mit Extremwetterlagen wie Hagel, Sturm oder Trockenheit zurechtkommen“, erzählt Billen. „Durch die milderen Winter endet unsere Pflanzzeit bereits drei Wochen früher als noch vor 20 Jahren.“ Die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre hingegen stellt für den aus dem hessischen  Dietzhölztal stammenden Baumliebhaber kein so großes Problem dar. Denn Nordmanntannen als Pfahlwurzler verkraften Extremwetterlagen gut. Dieses Zusammenspiel mit der Umwelt bildet für Billen einen Kern des Geschäfts. Seine nachhaltige und umweltschonende Baumproduktion ist vom Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung zertifiziert. Seine Pflanzungen umfassen immer Bäume aus verschiedenen Pflanzjahren. Deshalb werden sie nie komplett gerodet. „So entwickeln sich wertvolle Biotope für unzählige Vögel, Insekten und viele andere Lebewesen“, erklärt Billen. Er unterstreicht damit, dass der eigene Weihnachtsbaum, wenn er auch nur eine kurze Nutzungsdauer habe, definitiv nachhaltiger sei als die ,pflegeleichte‘ Kunststoffalternative.

Um die Bodenpflege an einigen seiner Standorte kümmern sich übrigens die acht Shropshire-Schafe von Billens Frau. Dabei handelt es sich um die einzige Schafrasse, die allergisch gegen Nadelbäume ist – so bleiben die Bäume stets unverbissen.

„Die Qualität unserer Bäume hat uns zu einer etablierten Forstbaumschule und zum größten Weihnachtsbaumproduzenten und -händler zwischen Kassel und Hannover wachsen lassen“, erklärt der Hobby-Mountainbiker mit stolzer Brust. Doch die wachsende Konkurrenz durch Großmärkte und Internet, die fallenden Holzpreise und Probleme bei der Verpflichtung von qualifiziertem und zuverlässigem Verkaufspersonal für die 16 Weihnachtsverkaufsstände in Südniedersachsen machen auch der Billen Forst zu schaffen.

Die Vorfreude auf das alljährliche Weihnachtsgeschäft lässt sich Markus Billen davon allerdings niemals schmälern. Wenn die Kunden kurz vor den Festtagen nach Bösinghausen kommen und bei Bratwurst und Glühwein ,ihren‘ Baum finden und absägen, dann erinnert ihn diese Stimmung stets zurück an seine Kindheit – daran, wie er als kleiner Junge Jahr für Jahr mit seinem Vater in den Wald ging, um gemeinsam den Weihnachtsbaum für die Familie zu schlagen. So blickt er trotz aller Schwierigkeiten positiv in die Zukunft. „Weihnachten war immer etwas Besonderes und wird es bleiben. Und der Weihnachtsbaum gehört nach wie vor für die meisten Menschen zum Fest mit der Familie.“