Der Veränderer

© Björn Küssner
Text von: Sebastian König

Dennie Klose hat sich mit alto.RED als Berater selbständig gemacht. Im faktor-Interview spricht er über seine persönlichen Veränderungen, die Arbeitswelt vonmorgen und warum er nicht im Schlafanzug im Homeoffice sitzt.

Herr Klose, Sie sind Moderator auf der Bühne und im Fernsehen, dazu Coach, Dozent, und jetzt haben Sie sich zusätzlich mit dem Beratungsunternehmen alto.RED selbständig gemacht. Haben Sie überhaupt noch ein Privatleben?

Ja, und sogar mehr als früher. Ich bin nach vielen Jahren wieder in meine Heimat Einbeck zurückgezogen und habe hier mit meiner Familie ein Haus gekauft. Davor habe ich in Göttingen gewohnt und fest in Hannover gearbeitet. Dazu kamen Fernsehdrehs in München, Dozententätigkeiten in Passau und München sowie Moderationen quer durch Deutschland. Da war ich kaum zu Hause. Die Geburt unserer Tochter hat dann alles verändert. Ich hatte zwei Monate Elternzeit und konnte über vieles nachdenken. Da kam schnell die Erkenntnis, dass ich im Prinzip nur ins Büro nach Hannover gefahren bin, um vor dem PC zu sitzen. Mir wurde klar, dass ich das auch zu Hause machen kann. Die Welt heutzutage ist vernetzt, und dies gilt sowohl für die private als auch für die Arbeitswelt. Das heißt nicht, dass wir uns nur noch virtuell treffen sollten. Es ist wichtig, individuell den jeweils besten Mix zu finden. Den habe ich gefunden bei alto.RED. Ein bis zwei Tage bin ich im Büro, den Rest beim Kunden oder im Homeoffice. Das gibt mir mehr Zeit für meine Familie.

Eigenes Beratungsunternehmen, Haus, Familie – viele Veränderungen auf einen Schlag, die nach mehr Seriosität aussehen. War die Zeit dafür gekommen?

Seriös war ich eigentlich schon immer. Für mich war immer klar, dass ich mal eine Familie und ein Haus haben möchte. Ich liebe es, alle Leute zu kennen und über den Gartenzaun mit den Nachbarn zu plaudern. Ich glaube, das bekommt man automatisch mit, wenn man in einer Kleinstadt wie Einbeck aufwächst. Deshalb ist es schön, wieder hier zu sein. Vorher hatte ich zwar auch eine wunderbare Zeit, aber eine Familie mit Kind ändert das Leben komplett. Ich hatte einfach im Gefühl, dass es Zeit ist, ‚anzukommen‘. Dazu musste sich zwangsläufig etwas ändern, und Veränderungen gehören zu meiner Altersgruppe einfach dazu. Das passt auch gut in meine Arbeit als Berater, denn auch in der Arbeitswelt ist Veränderung aktuell ein großes Thema.

Worauf spielen Sie an?

Zum Beispiel scheidet in den kommenden Jahren eine ganze Unternehmergeneration aus dem Arbeitsleben aus. Deshalb beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Nachfolge. Dabei ist nicht nur wichtig, wer die Unternehmen übernimmt, sondern auch, wie die Nachfolger auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Dazu kommt die individuelle Planung des Übergangs auch aus Sicht der ausscheidenden Führungskräfte. Für sie ist es eine riesige Umstellung, auf einmal nicht mehr das Heft in der Hand zu haben und nicht mehr jeden Tag im Unternehmen zu sein. Insgesamt sehe ich die Nachfolge trotz diverser Schwierigkeiten als eine riesige Chance für die Unternehmen und die Mitarbeitenden. Denn hier steckt extremes Potenzial, ein Unternehmen für die Herausforderung ‚Zukunft‘ fit zu machen.

Welche Herausforderungen werden das sein?

Das Wichtigste in einem Unternehmen sind für mich immer die Mitarbeitenden. Für sie erwarte ich eine höhere Wertschätzung. Denn Unternehmen werden Mitarbeitern in Zukunft einfach mehr bieten müssen, um diese anzulocken und auch halten zu können. Dazu müssen die Unternehmen erkennen, dass der Arbeitsplatz auch immer ein Großteil des Lebensraumes ist. Zusatzangebote wie Kindergärten oder vertikale wie horizontale Entwicklungsmöglichkeiten sind dabei ebenso wichtig wie flexible Arbeitsorte und -zeiten. Ich denke, dass Homeoffice und mobile Arbeitsplätze noch stärker aufkommen werden. Außerdem werden wir eine Grunderreichbarkeit haben, die über die vielen Kanäle wie soziale Netzwerke, Telefon und E-Mail sowieso schon heute oft gegeben ist. Das führt zu mobileren und individuelleren Arbeitszeiten.

Wie ‚mobil‘ sind denn Ihre eigenen Arbeitszeiten? Geht es für Sie direkt aus dem Bett an den Schreibtisch und umgekehrt direkt von dort ins Bett?

Nein, das würde für mich nicht funktionieren. Und ich bin auch viel zu spießig, um mich im Schlafanzug ins Büro zu setzen. Ich ziehe mir sogar im Homeoffice richtige Büroklamotten an. Das ist für mich eine ganz klare Trennung. Wenn ich arbeite, dann arbeite ich und wenn ich frei habe, habe ich frei. Das braucht natürlich ein gewisses Maß an Eigendisziplin, Selbstorganisation und die Fähigkeit, Dinge liegen zu lassen. Ansonsten würde ein Homeoffice aus meiner Sicht nicht funktionieren. Für mich ist es einfach ein Geschenk, zu Hause arbeiten zu können. Dass es dazu auch noch in meiner Heimatstadt geklappt hat, macht mich doppelt glücklich.

Stand bei der Entscheidung zur Rückkehr nach Einbeck denn schon fest, wie es beruflich weitergeht?

Nein, ich habe sogar zunächst Bewerbungen geschrieben. Aber bei den örtlichen Unternehmen gab es einfach keine Stellen, die passten, oder der Bedarf war nicht gegeben. Irgendwann kam der Kontakt zur Kommunikationsagentur alto hier in Einbeck zustande. Der Geschäftsführer, Mark O. Müller, kam auf mich zu, da seine Kunden neben der eigentlichen Agenturleistung häufig auch Beratung benötigten. Recht bald entstand die Idee, eine eigene Unternehmerberatung zu gründen und alto.RED war ‚geboren‘. Wir sind drei Gesellschafter: Lena Küssner ist Chief Impact Officer, Mark O. Müller Chief Visionary Officer, und ich habe die Position des Chief Strategy Officers übernommen.

Das sind eher ungewöhnliche Bezeichnungen, oder?

Stimmt! Wir wollten keinen Standard. Wir sind schließlich auch keine Standardunternehmensberatung. Die nerven uns ehrlich gesagt selbst etwas. Die haben für den schlechten Ruf gesorgt, den die Branche häufig hat: Schlipsträger kommen in ein Unternehmen, setzen sich in ein Büro, entlassen ein Drittel der Leute und sagen, was gemacht wird. Dafür kriegen sie eine Menge Geld und sind recht bald wieder weg – das läuft nach Schema ‚F‘. Bei uns ist das anders.

Aber behaupten nicht alle, „anders“ zu sein?

Ja, aber das liegt daran, dass viele tatsächlich anders sind. Beratung hängt sehr stark von der Persönlichkeit der Berater ab, und da Menschen nun mal verschieden sind, sind auch die Beratungsunternehmen verschieden. Ich und meine zwei Mitgesellschafter sind Praktiker. Wir haben schon in vielen Unternehmen gearbeitet oder welche aufgebaut. Dementsprechend haben wir einiges erlebt und gesehen. Weil wir dabei unterschiedliche Wege gegangen sind, ergänzen wir uns ausgezeichnet.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Beratung?

Wir verschwenden unsere Energie zum Beispiel nicht auf Preisverhandlungen. Es gibt Preise, und wer die nicht bezahlen möchte, der muss woanders Hilfe suchen. Wir stecken unsere Energie lieber zu 100 Prozent in die Problemlösung bei unseren Kunden. Außerdem ist uns bewusst, dass jedes Unternehmen ein eigenes, gewachsenes System mit unterschiedlichen Menschen ist. Mit pauschalen Lösungen kommt man da nicht weit. Es geht darum, dieses individuelle System zu verstehen und die perfekte Lösung dafür zu entwickeln. Weil wir vieles schon einmal selbst erlebt haben, fällt uns das Verstehen oft sehr leicht. alto.RED ist ja auch keine Unternehmensberatung, sondern eine Unternehmerberatung. Die Menschen stehen für uns im Vordergrund. Wir sehen uns als Impulsgeber, der den eingeschlagenen Weg eines Unternehmens unterstützt und zugleich mit frischen Ideen in die richtigen Bahnen lenkt. Im Grunde muss das Knowhow für das jeweilige Geschäftsfeld beim Kunden liegen. Zu guter Letzt kennen wir auch genau unsere Grenzen. Wenn wir von einem Thema keine Ahnung haben, beraten wir auch nicht dazu. Sollten wir an so einen Punkt kommen, empfehlen wir lieber einen Experten aus unserem großen Netzwerk.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person

Dennie Klose (35), in Einbeck geboren, startete bereits während seines Lehramtsstudiums in Göttingen eine Karriere als Fernsehmoderator. Bis heute moderiert er die TV-Comedyshows ‚Upps! die Pannenshow‘ und ‚Comedy Total‘ bei Super RTL. Darüber hinaus arbeitete er als Redakteur für verschiedene Zeitungen und war beim Landessportbund Niedersachsen als Referent tätig. Seit 2008 gibt er als Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten Seminare in den Bereichen TVComedy und Formatentwicklung. Zwischen 2009 und 2011 ließ Klose sich zum lösungsorientierten Berater ausbilden, arbeitete danach als angestellter Berater bei Bergner.biz in Hannover und machte sich in diesem Jahr selbständig.