Der richtige Schalter im Kopf

Andre Fischer erforscht Neurodegenerative Erkrankungen
Text von: Heidi Niemann

Göttinger Forscher sind den Ursachen für Alzheimer auf der Spur. Und sie wissen bereist eine ganze Menge...

Derzeit leben in Deutschland 1,4 Millionen Demenzkranke, zwei Drittel von ihnen leiden an Alzheimer. Jedes Jahr kommen 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Trotz intensiver Forschung ist immer noch unklar, was den jahrelangen Verfallsprozess im Gehirn auslöst und wie man diesen stoppen kann. Nicht nur aus medizinischer, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht wird eine Lösung dieser Fragen immer dringlicher: Sollte es nicht bald Fortschritte auf diesem Gebiet geben, wird sich die Zahl der Alzheimer-Patienten in unserer alternden Industriegesellschaft bis zum Jahr 2025 auf vier Millionen erhöhen. Schätzungen zufolge würde dies jährlich Kosten von 100 Milliarden Euro verursachen.

©DZNE/www.schmelz-fotodesign.de

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Um die Erforschung und Bekämpfung dieser Volkskrankheit zu forcieren, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) eingerichtet. Das interdisziplinäre Netzwerk soll deutschlandweit die Expertise der auf diesem Gebiet arbeitenden Forscher bündeln und neue präventive und therapeutische Ansätze entwickeln.
Dass Göttingen als einer von neun Standorten ausgewählt wurde, hat gute Gründe. Die Universitätsstadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum der Neurowissenschaften entwickelt. Sprecher des Göttinger DZNE-Standorts ist der renommierte Neurobiologe Professor André Fischer.
Jeder DZNE-Standort hat einen unterschiedlichen Forschungsschwerpunkt.

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Die Wissenschaftler in Göttingen versuchen vor allem, die Ursachen der Alzheimer-Krankheit zu ergründen. Also die Suche nach den zellulären und molekularen Mechanismen, die den Zerfallsprozess im Gehirn in Gang setzen. Fischer verfolgt eine ganz spezielle Spur: Er untersucht die Wechselwirkung von Genaktivität und Umwelteinflüssen.

Epigenetik nennt man dieses relativ junge Forschungsgebiet. Seit einigen Jahren finden Wissenschaftler immer mehr Hinweise darauf, dass sich Erfahrungen auf unser Erbgut auswirken und es verändern. Solche epigenetischen Mechanismen spielen vermutlich auch bei der Entstehung von Alzheimer eine maßgebliche Rolle, sagt Fischer. Das Göttinger Zentrum hat hier eine Vorreiterrolle: Es ist das weltweit erste Institut, das sich explizit mit Epigenetik und Neurodegeneration beschäftigt.

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