Der Reformer der Archäologie

Text von: redaktion

Die Anfänge der Klassischen als Universitätsfach liegen im 18. Jahrhundert. Damals hielt der Göttinger Altertumswissenschaftler und Bibliotheksdirektor Christian Gottlob Heyne die erste archäologische Vorlesung an einer Universität. Wissenschaftler der Uni Göttingen rekonstruieren nun den Inhalt der Vorlesung anhand studentischer Mitschriften.

Christian Gottlob Heyne ist es zu verdanken, dass sich die zuvor von einzelnen Gelehrten betriebene Beschäftigung mit der materiellen Kultur der Antike im Laufe des 19. Jahrhunderts einen zentralen Platz im Fächerkanon der deutschsprachigen Universitäten erobern konnte. Seit 1767 bot der Altertumswissenschaftler über mehrere Jahrzehnte hinweg die Vorlesung „Die Archäologie oder die Kenntnis der Kunst und der Kunstwerke des Altertums“ an.

Lange bevor Handbücher des neuen Fachs erschienen, ermöglichten die bald europaweit zirkulierenden Vorlesungsmitschriften erstmals einen systematischen Zugriff auf die Forschungsliteratur zur antiken Kunst. Heute sind die Mitschriften im Besitz verschiedener europäischer Bibliotheken und Archive. In Göttingen werden sie nun virtuell zusammengeführt und erschlossen. Hier digitalisieren Mitarbeiter des Projekts die in der Vorlesung zitierten Schriften und Abbildungen und verknüpfen sie mit dem Vorlesungstext. Im Rahmen einer interaktiven Internetedition stellen sie die Materialien der Forschung frei zur Verfügung.

„Unser Ziel ist es, anhand der uns bekannten Mitschriften aus 40 Jahren die Vorlesung Heynes zu rekonstruieren. Schon seinen Zeitgenossen galt sie als entscheidender Schritt zur Etablierung der Archäologie als universitäres Fach“, erläutert Hildegard Wiegel vom Archäologischen Institut. „Heyne führte in seiner Vorlesung die aus umfassender Kenntnis der älteren und der aktuellen altertumskundlichen Literatur gewonnenen Einsichten erstmals zu einem systematischen Ganzen zusammen“, so Wiegel weiter.

Fachlich wird das Projekt vom Archäologischen Institut der Universität Göttingen betreut. Die Transkriptions-, Digitalisierungs- und Programmierarbeiten übernimmt die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das Projekt mit rund 400.000 Euro.