Der Neugierige

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Hermann Baumann von den Göttinger Händel-Festspielen ist begierig, immer etwas Neues zu lernen, zum Beispiel Barockmusik. faktor hat er einen Blick auf seinen Schreibtisch werfen lassen.

Was er zum Arbeiten braucht? „Ich habe meinen Kopf und einen Tisch“, sagt Hermann Baumann, der neue geschäftsführende Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen und setzt sich in seinen Bürosessel, der bequem und ausladend wirkt. Und dieser ist, ebenso wie der Rest der Einrichtung, nicht wirklich als modern zu bezeichnen. Überbleibsel von seinem Vorgänger Benedikt Poensgen verleihen dem Raum ein fast nostalgisches Flair, und nur wenige persönliche Dinge haben Einzug in das Büro im Altbau gehalten.

Der 47-Jährige winkt fast entschuldigend ab: „Ich bin ja auch erst wenige Monate hier.“ Und er gibt zu, dass er eigentlich auch kein „Einrichtertyp“ sei. Das einzig wirklich Persönliche auf seinem Schreibtisch ist ein Mousepad mit seinem Namen und einem winkenden Comic-Männchen – ein bisschen Spaß muss sein.

Spaß ist auch das, was er mit seiner Arbeit verbindet. Hier kann er seine Begeisterung für Musik und Menschen mit seinem Organisationstalent zusammenbringen und dabei Neues für sich entdecken. Baumann, der vorher zehn Jahre Orchesterdirektor beim Gürzenich-Orchester Köln und bei den Philharmonikern in Hamburg war, findet es spannend, sich jetzt auf die Barockmusik zu spezialisieren. „Nach so vielen Jahren Orchesterarbeit war es einfach an der Zeit, mich beruflich zu verändern“, erzählt er. Bevor er sich auf seine jetzige Stelle bewarb, hat er sich Göttingen erst einmal angeschaut. „Ich wollte wissen, wie sich die Stadt anfühlt und ob ich hier gerne leben würde.“ Schon ein kurzer Aufenthalt genügte, ihn zu überzeugen, und noch voll seiner positiven Eindrücke schrieb er seine Bewerbung, die ihn dann auch an diesen Schreibtisch brachte.

Es ist ein gewöhnlicher Schreibtisch mit den üblichen Utensilien und einem PC. Daneben – und das zeugt von seinem Metier – ein Kopfhörer. Eine Stereoanlage hinter seinem Schreibtisch vervollständigt das Bild. „Das sind meine Zugänge zur Barockmusik“, erklärt er. Ob über CDs oder Youtube-Videos – sie bieten ihm das direkte „Reinhören“. „So kann ich mir einen ersten Eindruck verschaffen.“ Und dennoch, so sagt er, ersetze das bloße Hören von einem Datenträger nicht das reale Erlebnis in einem Konzert. Und eben weil eine Aufnahme nur statisch sei, besucht er die Künstler gerne selbst: „Ich muss wissen, wie sich das direkte Erleben anfühlt.“ Nur wenn ein Musiker das Publikum vor Ort in seinen Bann ziehen kann, ist Baumann überzeugt.

Seinen professionellen Blick für die Musik hat er von seinem Vater, einem berühmten Hornisten, gelernt. Er selbst wechselte vom Horn-Studium zum Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre mit klarem Ziel vor Augen: das Führen eines Musikbetriebes, zu dem es eben auch profunde Kenntnisse in Marketing, Controlling und Personalführung etc. braucht. Musik und Management prägen seinen Berufsweg, eine für ihn ideale Verbindung. „Doch genau genommen arbeite ich in der Freizeitindustrie“, sagt er abwägend. Denn das Internet verbreitet ein Füllhorn an Events, und die Händel-Festspiele sind nur ein Angebot unter vielen. Diese als Publikumsmagnet zu festigen, darauf freut er sich. Er hat die Herausforderung, die Händel-Festspiele künstlerisch und wirtschaftlich voranzubringen, gerne angenommen und verspricht: „In 2011 wird es ein spannendes und spielerisches Regiekonzept geben.“ Das „direkte Erleben“ ist ihm wichtig, und das Publikum darf gespannt sein, wie sich die Festspiele „anfühlen“ werden.

Zur Person Hermann Bauman

Alter: 47
Position: geschäftsführender Intendant
Unternehmen: Internationale Händel-Festspiele Göttingen
Branche: Kultur
Familienstand: geschieden, ein Sohn