DER WELTEN WANDERER

Aufgewachsen in einem Schloss aus dem 14. Jahrhundert in den Wäldern Nordhessens, verwundert es einen fast nicht, dass Thimon von Berlepsch irgendwann in die Welt der Zauberei eintaucht. Magie wird seine Sprache. Er weiß, dass er damit die Welt ein Stück weit verändern kann. Mit faktor sprach er über magische Momente und wie Hypnose in sein Leben kam.

Zur Person

Seit über 30 Jahren steht Thimon von Berlepsch auf der Bühne – als Magier, Hypnotiseur und Speaker. Neben seinen eigenen Shows wird er weltweit von namhaften Unternehmen engagiert, um als Entertainer zu begeistern oder mit interaktiven Vorträgen über Persönlichkeitsentwicklung inspirierende Impulse zu geben. 

Er ist Autor des #1-SPIEGEL-Bestsellers UPDATE FÜR DEIN UNTERBEWUSSTSEIN und hat mit seiner Arbeit bereits mehreren tausend Menschen geholfen – sei es durch seine Bücher, seine Hypnose-Seminare oder in 1:1-Sitzungen. Sein Ziel: Stress reduzieren, ungesunde Verhaltensweisen auflösen, Denkweisen neu ausrichten und damit den Weg zu einem leichteren, selbstbestimmten Leben öffnen. 

Formate

Die Kunst der Hypnose und Selbsthypnose erlernen
www.lernehypnose.de

Den Magier und seine Show live in Berlin erleben
www.secretcircle.de

Update für dein Unterbewusstsein

Paperback: 18,- Euro, Taschenbuch: 12,- Euro

» Magie ist für mich die universelle Sprache. Sie wird auf der ganzen Welt verstanden.«

Es gibt sie durchaus auf dieser Welt. Orte, die etwas Magisches ausstrahlen, die uns in längst vergangene Jahrhunderte entführen. In Zeiten, in denen die Menschen noch an Wunder glaubten. Das Soho House in Berlin-Mitte ist scheinbar genau so ein Ort. Ein bisschen Hipster, ein bisschen Dandy und plüschige Sofas. Genau die passende Location, um einen modernen Magier zum Interview zu treffen. Thimon von Berlepsch liebt diesen Ort, an dem er an einer Handvoll Terminen im Jahr zu seiner Show ‚SecretCircle‘ einlädt. Ein fast familiärer Kreis von 40 Menschen erlebt mit ihm hautnah einen außergewöhnlichen Abend, der noch lange in ihnen lebendig sein wird. „Was mich im Innersten antreibt, ist genau das: Magische Momente mit Menschen zu teilen und sie gleichzeitig das erleben zu lassen, was ich so besonders finde – nämlich neugierig über das Leben zu staunen“, sagt Thimon von Berlepsch. 

Magier. Hypnotiseur. Autor. Sofort beginnt das Gehirn ein Kopfkino und entführt uns in eine andere Welt. Als dann die Tür vom Salon im Untergeschoss des Soho House aufgeht, betritt ein gut gelaunter Thimon den Raum. Der 46-Jährige hat etwas Jungenhaft-Unbeschwertes und zugleich Professionelles an sich. Wir sind sofort beim Du, während er den Raum in Augenschein nimmt. „Was meine Arbeit angeht, da bin ich sehr perfektionistisch“, sagt er und sucht nach dem perfekten Platz für das Interview. Seine ersten Auftritte als Zauberer hatte er bereits während seiner Kindheit und Jugend. Damals nutzte er jede Gelegenheit, um vor Freunden, der Familie oder auch Fremden seine neuesten Zauberkunststücke vorzuführen. Einige Göttinger erinnern sich noch heute, gut drei Jahrzehnte später, daran, wie er bereits in der Schulzeit auf Partys oder in WGs seinen imaginären Zauberkoffer öffnete und kleine Vorstellungen ‣ gab. Um einer Illusion Leichtigkeit zu geben, braucht es Stunden um Stunden harte Arbeit. Ohne den hohen Anspruch an sich selbst wäre die perfekt inszenierte Leichtigkeit undenkbar. 

Thimon von Berlepsch ist nicht nur ein geborener Baron, sondern zudem auch in einem echten Schloss aufgewachsen, das seit dem 14. Jahrhundert Stammsitz der Familie von Berlepsch ist. Er ist der zweitälteste von vier Brüdern und wuchs zwischen alten Gemälden der Ahnen, antiken Möbeln und den angrenzenden Wäldern und Ländereien auf. Frei und unkonventionell sei seine Kindheit gewesen, erzählt er. Und dass seine Mutter und sein Vater selbst Freigeister waren, die es liebten, die Welt zu bereisen. Auf Schloss Berlepsch lief er barfuß und mit kurzen Hosen über ausgetretene Steinstufen und entdeckte für sich die stillen Winkel und Erker. Mit 13 Jahren stöberte er mal wieder auf dem Dachboden des Schlosses. In einem alten, verstaubten Koffer weckte ein in Leder gebundenes Buch aus dem 19. Jahrhundert seine Neugierde. Welche Zauberkräfte ihn dorthin geführt haben mögen, bleibt ungeklärt. Das Buch hieß: ‚Moderne Salon-Magie.‘
Thimon war sofort fasziniert. Was er zu dem Zeitpunkt nicht ahnte: dass Magie sein Leben wird. Seine Berufung. Seine Leidenschaft. Sein Weg auf die Bühne.

Und damit sind wir mittendrin in der Geschichte eines Geschichtenerzählers, der heute mit seinen Shows ganze Theater füllt und die Menschen in eine Welt entführt, die sich real anfühlt und gleichzeitig unglaublich ist. Doch zunächst war es für den jungen Teenager Thimon nicht vorstellbar, dass er von der Zauberei leben könnte. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Goldschmied bei dem traditionsreichen Juwelier Lüttge in Göttingen. Ein Geschäft, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1828 zurückreichen. Es war vor allem die Leidenschaft für antiken Schmuck des Art Déco, die ihn zu diesem Handwerk führte. Die Schmuckstücke spiegeln den Geist einer Epoche, die aus heutiger Sicht auch etwas Magisches an sich hatte. Er trat mit diesem Beruf in die Fußstapfen seines Vaters, der ebenfalls antiken Schmuck kaufte und verkaufte. „Ich hatte sehr große Lust, Goldschmied zu werden und wäre es auch geblieben, wenn nicht die Zauberei dazwischengekommen wäre“, sagt von Berlepsch. 

1999 kam erst einmal der Zivildienst und er zog mit 21 Jahren nach Berlin. Die Freitagabende jedoch gehörten der Magie. Dann nämlich hatte er ein kleines Engagement in einem Sushi-Restaurant. Geld bekam er für seine Auftritte nicht, dafür aber Sushi satt und wertvolle Kontakte zu Menschen, die ihn weiterempfahlen oder selbst für Veranstaltungen buchten. „So ergab eins das andere ‣
und reihte sich aneinander wie die Perlen einer Kette. Ich merkte: Wow, davon kann ich ja leben“, sagt von Berlepsch. In seinem SPIEGEL-Besteller ‚Der Magier in uns‘ erzählt er unter anderem von seinen Reisen zu geheimnisvollen Orten seiner Lehrzeit, zu Zauberern, Schamanen und Medizinfrauen, aber auch von seiner inneren Reise. „Durch die Zauberei wuchs mein Selbstbewusstsein, sie half mir, meine extrovertierte Persönlichkeit auszuleben und Entertainer zu sein.“ Doch in seiner Familie munkelt man noch anderes. Womöglich sei er die Inkarnation seiner Urgroßmutter Carola, die in konservativen Kreisen verkehrte und dennoch immer wieder ihren Leidenschaften folgte: Seiltanz und Zauberei. 

Mit 30 Jahren kam Thimon von Berlepsch dann zum ersten Mal mit Hypnose in Berührung. Die Faszination nahm ihn in ihren Bann und ließ ihn nicht mehr los. Er buchte ein Hypnose-Seminar und schaffte es bereits am zweiten Abend seiner Ausbildung, eine fremde Frau in einer Bar, natürlich mit ihrer Einwilligung, zu hypnotisieren. Er ließ sie ihren Namen vergessen. „Das war für mich so ein unfassbar magischer Moment. Es war einfach ein Wunder“, erinnert er sich. Heute lässt er Zauberei und Hypnose auf der Bühne verschmelzen. In seinen Shows verbindet er Entertainment mit Persönlichkeitsentwicklung, Magie mit Hypnose und entführt die Menschen zurück in ihr kindliches Staunen. 

Doch seine Begeisterung für Hypnose geht weit darüber hinaus. Seit acht Jahren bildet er in Seminaren zum einen selbst Hypnotiseure aus, zum anderen bringt er Menschen bei, wie sie Selbsthypnose für mehr Leichtigkeit im Leben nutzen können. Entgegen der weit verbreiteten Skepsis ist Hypnose kein Zustand, indem der Hypnotisierte die Kontrolle abgibt. Ganz im Gegenteil: Hypnose ist ein angeleiteter aktiver Prozess, den Menschen im privaten Leben wie auch im beruflichen Umfeld nutzen können. Sie unterstützt dabei, sich von alten Verhaltensmustern zu lösen, um beispielsweise achtsamer mit sich selbst und auch mit anderen umzugehen. Keine Magie oder Hokuspokus, sondern eine wirkmächtige Technik zur Persönlichkeitsentwicklung und Selbstführung. Als Speaker wird Thimon von Berlepsch aus diesem Grund regelmäßig von Unternehmen gebucht. Da die innere Haltung maßgeblich die äußere Wirkung beeinflusst, machen ein positives Mindset und zielgerichtete Sprache einen spürbaren Unterschied – wie beispielsweise in schwierigen Situationen ruhig und souverän auf andere Menschen einzuwirken. Es ist eine Art, Veränderung im Business anzustoßen, die faszinierend anders ist und nachhaltig wirkt. 

In seinem zweiten Buch, dem #1-SPIEGEL-Bestseller ‚Update für dein Unterbewusstsein‘ geht es auch genau um diese Frage: Wie können wir mit Achtsamkeit und Selbsthypnose jeden Bereich unseres Lebens nachhaltig verändern? Und fast im gleichen Atemzug gesteht er mit einem Augenzwinkern ein: „Ich habe natürlich auch meine Themen und darf noch an mir arbeiten.“ So ist seine Lieblingsprokastination, das E-Mail-Postfach und seinen Schreibtisch aufzuräumen – mit der fadenscheinigen inneren Ausrede, dann könne er besser kreativ sein. Es ist beruhigend, das zu hören. Denn irgend-
etwas in uns will uns immer wieder glauben machen, dass Zauberei real ist und dass Thimon – ebenso wie Newt Scamander aus ‚Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind‘ – sein ganzes Leben in einer unerschöpflichen Tasche mit sich herumträgt. Also nur zur Erinnerung: Magie ist Entertainment. Und ein Magier ist auch nur ein Mensch. 

„Magie“, sagt von Berlepsch, der selbst fünf Sprachen fließend spricht, „ist für mich die universelle Sprache. Sie wird auf der ganzen Welt verstanden.“ Und dann erzählt er mit einem Strahlen in den Augen von seinen Rucksackreisen an entlegene Orte auf der ganzen Welt. Auch wenn er bereits als Kind und Jugendlicher mit seiner Familie viel gereist ist, so gibt es für ihn doch noch einige weiße Flecken auf der Landkarte. Im Jahr 2000 begann er, jedes Jahr für vier bis sechs Wochen ein Land zu bereisen, das er noch nicht kannte. Ein Rucksack, eine Landkarte und kein Plan, stattdessen Neugierde. An dieser Stelle könnte man sagen, der Entdeckergeist wurde ihm in die Wiege gelegt. Denn als Thimon zwei Jahre alt war, reisten seine Eltern mit ihm und seinem älteren Bruder nach Indien und lebten dort für ein paar Monate in einem Ashram. ‘The present moment is a present of life‘ – Die Gegenwart ist ein Geschenk des Lebens. Dieses Credo nahmen er und seine Eltern aus dieser Zeit mit in ihr Leben. Bis heute. 

Von Berlepsch erzählt begeistert und in warmherzigem Ton von den Kindern im Dschungel von Kolumbien auf seinem Weg nach Ciudad Perdida, der verlorenen Stadt. Eigentlich erhoffen sich die Jungen und Mädchen von weißen Ausländern, die dort in regelmäßigen Abständen vorbeikommen, Süßigkeiten. Doch eines Tages bleibt ein Mann stehen und verzaubert sie. Magie. Mit offenen Mündern und großen Augen sehen sie, was eigentlich nicht möglich ist. Seidentücher verschwinden in der Hand des Mannes. Er zieht ein Geldstück hinter ihrem Ohr hervor. Für Thimon von Berlepsch sind dies kleine Taschentricks aus seiner Anfangszeit. Für die Kinder hingegen öffnet sich eine neue Welt. Dieses Geschenk wird ihnen länger in Erinnerung bleiben als jedes Bonbon. Ein Leben lang vermutlich. 

Ob Kolumbien, Madagaskar, Myanmar oder Indien – auf seinen Reisen hat er immer ein ‚Reisezauberköfferchen‘ dabei. „Ich finde es viel, viel schöner, mich auf einer anderen Ebene mit den Menschen zu verbinden – über diesen staunenden Moment“, sagt von Berlepsch. Zurück in Deutschland bereichern ebensolche Geschichten seine Shows. Mit ihnen entwirft er eine andere Welt, schafft magische Momente und intensive Begegnungen. 

Er ist ein Sprech-Magier – niemand, der auf der Bühne Jungfrauen zersägt. Thimon von Berlepsch spricht mit ‣ den Menschen, involviert sie in seine Magie und verwendet gern alltägliche Dinge wie Münzen, Kartenspiele oder Bücher, gerade weil wir erfahrungsgemäß dazu neigen, die Wunder in Alltäglichkeiten nicht zu sehen. Er nutzt die menschliche Vorstellungskraft und die Kraft der eigenen Gedanken. Mit seiner Hilfe verformen Menschen auf der Bühne Münzen in ihrer Hand oder streicheln imaginäre Einhörner. Mit Hypnose löste er schon innerhalb kürzester Zeit Höhen- oder Flug-angst auf, die Blockade einer Unternehmerin, vor Publikum zu sprechen, oder gar eine Butterphobie. 

Die Macht der Imagination wird durch Thimon von Berlepschs Worte geweckt. Sie wird spürbar, wenn wir uns erlauben, daran zu glauben, dass die Bilder, die er im Kopf entstehen lässt, etwas bewirken können. Dass sie eine Einladung sind, alte Muster und Glaubenssätze zu überschreiben. Die Kraft, etwas im eigenen Leben zu verändern, kommt aus uns selbst. „Wenn wir alle wüssten und tief in uns drin spüren würden, welche enorme Wirkung unsere Gedanken haben – und wie wir diese Gedanken jederzeit zielgerichtet lenken und für uns nutzen können, dann würden wir doch nicht einen Tag verpassen wollen, um uns das Leben zu erschaffen, das wir wirklich haben wollen“, sagt Thimon von Berlepsch. Natürlich verrät er in seinen Shows nicht seine Zaubertricks, er lässt uns vielmehr an den unbegrenzten Möglichkeiten teilhaben, die wir in unser Leben holen können. Wenn wir nur daran glauben. ƒ

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