Der kühle Kopf ist gefragt

©Marco Bühl
Text von: redaktion

„Viele Unternehmen sind in eine Lethargie verfallen und es ist unsere große Aufgabe als Mittelstandsverband, sie zu motivieren.“ Mit diesen Worten eröffnete Jörn Kater, Leiter der Wirtschaftsregion Hannover und des BVMW-Kreisverbandes Südniedersachsen, den ‚Runden Tisch‘ von Führungskräften der Region.

Rege Impulse zum intensiven Austausch gab zunächst Katharina Stapel, Geschäftsführerin der Stapelfux GmbH in Bad Gandersheim. Sie leitet Mastermind-Gruppen, in denen Führungskräfte unterschiedlicher Gewerke zusammenkommen, um die Zukunft ihres Unternehmens zu entdecken. „Die plötzliche Orientierungslosigkeit nach dem Corona-Ausbruch führte bei vielen zu Übereifer, das strategische Denken blieb auf der Strecke“, berichtete sie. Doch die unüberlegten Maßnahmen führten oft auf den falschen Weg. Richtig wäre, dass sich Unternehmen zunächst auf die Ressourcen und die Stärken konzentrieren. Und genau dabei offenbare sich, dass sich noch ganz andere hinter den sichtbaren Problemen auftun. „Es zeigen sich Baustellen im Führungsstil, im Prozess-Management, in SalesProzessen und in Worst-Case-Fragestellungen.“

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, riet Katharina Stapel zum ‚kühlen Kopf‘: erst wenn Prozesse klar sind, können sie ins Home-Office transferiert werden; erst wenn relevante Informationen definiert sind, gelingt der Work-Flow; erst wenn die geänderten Kundenwünsche analysiert sind, kann der Vertrieb wieder auf die Beine kommen. Gerade beim Thema Home-Office sei es wichtig, dass Zuständigkeiten geregelt und Zielvorgaben formuliert sind. Mitarbeiterverantwortung und Führungsstärke seien dafür wichtige Pfeiler. „Nehmen Sie sich Zeit für das nicht-operative Geschäft, denn Innovation passiert beim Nicht-Denken!“ riet sie den anwesenden Führungskräften aus Südniedersachen.

Ihre Ausführungen wurden in kleiner Teilnehmerrunde lebhaft diskutiert. Dabei kam vieles, was den Unternehmerinnen und Unternehmern auf ‚der Seele‘ lag, zur Sprache. Nicht nur strategische, auch praktische Herausforderungen wurden erörtert. „Der Gesprächsbedarf ist enorm groß“, resümierte Gastgeber Jörn Kater. Virtuelle Veranstaltungen seien dazu wenig geeignet, deshalb setze der Bundesverband mittelständische Wirtschaft auf Netzwerk-Veranstaltungen in ‚Corona-konformen‘ Runden. „In einem solchen Rahmen kommen die wichtigen Themen auf den Tisch.“

Bei der nächsten BVMW-Veranstaltung geht es wieder politisch zu: Jürgen Trittin, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen, kommt zur ‚Politik am Morgen‘ am 12. November 2020 und stellt sich den Fragen der Unternehmerinnen und Unternehmer. Auch Nicht-BVMW-Mitglieder sind willkommen.