Der Konstruktive

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Text von: redaktion

Schreibtisch der Entscheider: Göttingens oberster Bauherr Thomas Dienberg genießt in ungewöhnlicher Form den Ausblick.

Sobald man in das Büro von Stadtbaurat Thomas Dienberg in der zehnten Etage des Neuen Rathauses in Göttingen kommt, fällt sofort die ungewöhnliche Form seines Schreibtisches auf: Sie erinnert entfernt an einen Tropfen. Doch schon Sekunden später tritt der Tisch völlig in den Hintergrund. Der Grund dafür ist der Atem beraubende Ausblick aus Dienbergs Bürofenstern. Vom Klinikum und Nikolausberg über das Ostviertel bis hin zum äußersten Rand von Geismar liegt dem Betrachter Göttingen zu Füßen. Von oben fällt auf, wie grün die Umgebung ist. „Im Sommer quillt der Hainberg förmlich in die Stadt“, freut sich Thomas Dienberg. „Von hier aus sieht man, dass Göttingen zu 59 Prozent aus Grünflächen besteht.“

Sowohl der Schreibtisch als auch die Büroeinrichtung sind schwarz – und bilden so einen Gegenpol zu dieser farbenfrohen Aussicht. Auf der Tischplatte, die nicht besonders groß ist, stehen ein silberner Monitor und ein kleiner Kalender. Dazu finden sich eine kabellose Tastatur und eine Maus, Stifte, ein Tacker sowie gelbe Post-its. Mehrere, ebenfalls darauf liegende Mappen mit Arbeitsmaterialien räumt Dienberg an die Seite, um sich für ein Foto auf den Tisch zu setzen. Ein Telefon und eine Lampe sind auf einem kleinen Rollschrank neben dem Tisch untergebracht. Hinter dem Schreibtisch liegen Baupläne auf einem Stehpult mit Blick auf den Hainberg. Insgesamt wirken Tisch und Büro sehr aufgeräumt.

„Ich habe eine Vorliebe für minimalistische Möblierung. Die praktikable, funktionale Einrichtung dieses Büros habe ich von meinen Vorgängern übernommen und seit ich hier arbeite, kaum etwas geändert“, beschreibt Dienberg. Er habe lediglich das überdimensionale, neo-expressionistische Bild an eine der Wände gehängt. Das über zwei Meter hohe und zwei Meter breite Gemälde stammt von Wolfgang Cilarz und habe im Deutschen Theater gehangen, bevor es im Fundus des Museums gelandet sei. Dort habe er es entdeckt, so Dienberg.

Auf seine Arbeit angesprochen, gerät der Stadtbaurat ins Schwärmen: „Ich ziehe Göttingen größeren Städten mit 200.000 oder mehr Einwohnern vor. Die Stadtplanungs- und -entwicklungsaufgaben sind hier einzigartig. Ich kann mich besonders stark in Projekte einbringen. Ich habe Gestaltungsspielraum, kann vorschlagen und umsetzen.“ Seine Begeisterung nimmt man ihm ab. Dienberg spricht offen, ist direkt: „Ein Baumensch möchte bauen! Und da es immer wieder finanzielle Engpässe gibt, ist Kreativität gefragt. Für jedes Problem gibt es eine konstruktive Lösung.“ Wichtig sei, alle an einem Bauvorhaben Beteiligten zu hören, für einen gerechten Interessenausgleich zu sorgen und faule Kompromisse zu meiden.

Text: Tobias Kintzel Fotografie: Sebastian Mauritz