Der kleinste gemeinsame Nenner

© Measurement Valley e.V.
Text von: Tobias Kintzel

Vorsitzender Karl-Josef Schalz und Geschäftsführerin Claudia Trepte über den Nutzen von Measurement- Valley, Perspektiven für die Mitglieder und das Stichwort Qualität

Die Region Südniedersachsen weist eine weltweit einzigartige Ballung von Messtechnik-Kompetenz auf. Der im Jahr 1998 gegründete Unternehmensverbund Measurement Valley organisiert die Interessen von drei Dutzend Unternehmen der Branche. Im Interview erklären der Vorsitzende Karl-Josef Schalz und die Geschäftsführerin Claudia Trepte das Erfolgsrezept eines der ältesten funktionierenden Netzwerke in Deutschland.

Frau Trepte, Herr Schalz, warum funktioniert aus Ihrer Sicht der Unternehmensverbund Measurement Valley e.V. seit mehr als 16 Jahren?

Claudia Trepte: Lassen Sie es mich an einem Beispiel erklären. In der Geschäftsstelle, dem Dreh- und Angelpunkt des Verbands, ging vor kurzem eine Anfrage ein. Für einen Vibrationstest wurde ein spezielles Gerät gesucht. Wir haben das direkt an die Mitglieder weitergeleitet. Innerhalb weniger Tage waren zehn Antworten mit Substanz bei uns eingetroffen. Das Problem konnte gelöst werden. Unabhängig davon, ob Mitglieder oder Externe sich mit einer Frage an Measurement Valley wenden, habe ich die Erfahrung gemacht, dass keine solcher Anfragen jemals unbeantwortet geblieben ist. Wir leben von diesem Engagement unserer Mitglieder.

Karl-Josef Schalz: Seit ich Vorsitzender bin, habe ich in vielen Gesprächen mit den Entscheidern in den bei uns organisierten Unternehmen erfahren, dass sie alle einen Nutzen aus der Mitgliedschaft ziehen. Dieser Nutzen ist individuell, aber durchweg so werthaltig, dass sie dabei bleiben, sich einbringen und ihren Beitrag zahlen.
Womit stiften Sie diesen Nutzen?
Trepte: Zunächst sind wir eine regional begrenzte Plattform, die den Mitgliedern verschiedene Angebote zum Treffen und Austausch untereinander bietet. Unsere regionale Begrenzung auf die Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode ist aus meiner Sicht ein wichtiger Baustein unseres Erfolgs. Die Mitglieder haben durch die kurzen Wege öfter die Gelegenheit, sich persönlich zu sehen und so besser kennenzulernen. Als Ergebnis wird die Hemmschwelle abgebaut und bei Fragen schneller zum Telefonhörer gegriffen.
Schalz: Über die Jahre ist Measurement Valley zu einer starken, international im Markt bekannten Dachmarke geworden und fungiert als Sprachrohr der regionalen Messtechnik-Unternehmen. Wir tragen dazu bei, diese Schlüsseltechnologie aus dem Verborgenen zu holen. Ohne Messungen gäbe es keine Produktion auf hohem Niveau und keine Qualität in Prozessen sowie Endprodukten – das gilt für nahezu jede Branche.
Trepte: Wir unterstützen die Mitglieder auch bei der Mitarbeiter-Gewinnung. Zum einen bieten wir die Möglichkeit, auf unserer Verbandswebsite Stellenanzeigen zu publizieren und verlinken zu den Karriere-Portalen – soweit vorhanden. Zum anderen nehmen wir uns der Aufgabe an, mit gezielter Kommunikation Transparenz darüber zu schaffen, dass es einen echten Arbeitsmarkt vor Ort gibt. Potenziellen Bewerbern zeigen wir Perspektiven auf. Das geschieht auch über die Website sowie PR-Maßnahmen wie Flyer, Pressemitteilungen und Veranstaltungen.
Es scheint, als stünden Ihre Mitgliedsunternehmen im Wettbewerb zueinander. Behindert das die Zusammenarbeit im Verband?
Trepte: Obwohl die Region als Standort mit Tradition eine weltweit einmalige Ballung von Unternehmen und Kompetenz im Bereich Messetechnik aufweist, ist der Wettbewerb nicht so intensiv, wie man annimmt. Es gibt wenige Überschneidungen. Die Mitglieder suchen mal mit, mal ohne Unterstützung der Geschäftsstelle eher nach Gemeinsamkeiten und Synergieeffekten denn nach Problemen in Wettbewerbssituationen.
Schalz: Der kleinste gemeinsame Nenner ist die Physik. Im Grunde versuchen alle Mitglieder, den Grenzen der Physik immer näherzukommen.
Trepte: Ich muss allerdings auch sagen, dass es am Anfang vor 16 Jahren in manchen Bereichen zunächst Berührungsängste gab. Das gegenseitige Kennenlernen und der Aufbau des Vertrauens waren der Schlüssel. Wir haben damals Themen gesucht, über die man sich gut unterhalten kann, ohne zu viel auszuplaudern. Die Erkenntnis ist, dass ein Netzwerk Zeit zum Wachsen braucht. Für diese Vernetzung zu sorgen, Türen zu öffnen und nach innen und außen zu kommunizieren, das war und ist unsere Aufgabe. Dass es funktioniert, sehen wir daran, dass heute viele Aktionen bilateral unter Mitgliedern laufen, ohne uns als Mittler.
Schalz: Das ist für mich im Übrigen ein Qualitätsmerkmal unseres Zusammenschlusses. Nach anfänglicher Starthilfe entwickeln sich Kooperationen von alleine weiter, Ideen werden umgesetzt und führen zu positiven Effekten für alle Beteiligten.
Trepte: Qualität ist ein gutes Stichwort. Auf Qualität achten wir in allen Dienstleistungen, die wir für unsere Mitglieder erbringen und in den Veranstaltungen, die wir durchführen. Wir fokussieren uns fallbezogen auf Veranstaltungen, die wir alleine stemmen können. Das Göttinger Messtechniksymposium am 17. Juli ist dafür ein gutes Beispiel. Wir beleuchten die großen Trends in der Qualitätsprüfung und bieten dabei eine Plattform für Austausch und Weiterbildung.
Sie haben erwähnt, dass Measurement Valley bereits 16 Jahre alt ist. Gibt es Ermüdungserscheinungen?
Trepte: Die sehe ich auf keinen Fall, obwohl wir mit 16 Jahren eines der ältesten Netzwerke in Deutschland sind, und uns als eines der wenigen vollständig ohne Fördermittel tragen. Heute bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass in unseren Mitgliedsunternehmen der Gedanke tief verwurzelt ist, dass nur dabei sein nicht dafür sorgt, dass es Vorteile regnet. Sie engagieren sich kontinuierlich, jedes nach den eigenen Möglichkeiten. Und wir laden sie immer wieder ein, den Verein exzessiv zu nutzen.

Vielen Dank für das Gespräch!