Der Klare

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Wolfgang Rieber, Vorstandsmitglied der Hardenberg-Wilthen AG, hat einen zielgerichteten Blick auf das Spirituosengeschäft.

Das Büro wirkt nüchtern – und das, obwohl viele Flaschen Alkohol im Regal und sogar auf dem Schreibtisch stehen.

„Sie erinnern mich täglich an das Wesentliche meines Berufs“, erläutert Wolfgang Rieber, Vorstandsmitglied der Hardenberg-Wilthen AG.

Der 52-Jährige ist zuständig für das Marketing und den Vertrieb des Spirituosengeschäfts auf dem Hardenberg. Und es ist im Büro auch nichts Weiteres, was ihn von dieser Arbeit ablenken könnte. Klar strukturiert und ohne Überfluss, rein sachlich und kühl.

Auch die beiden Bilder, die den historischen Hamburger Hafen zeigen, sind keine eigenen Mitbringsel – sie hingen schon bei seinem Einzug im März 2008 an der Wand. „Ich habe einige Jahre in Hamburg bei Reckitt & Colman gearbeitet, daher verbinde ich die Bilder schon mit privaten Erinnerungen“, sagt Rieber lächelnd.

In ebenfalls führender Position arbeitete er anschließend bei Melitta in Minden und jetzt eben in diesem Büro. Eine einzige individuelle Note im Raum ist der Herrendiener mit einem Sakko, der eine jederzeit angemessene Repräsentation garantiert.

Angemessen präsentiert sich auch sein Arbeitsplatz: Der lackierte Holztisch ist aufgeräumt, vor der schwarzen Schreibtischunterlage sind Heftgerät, Locher und Stiftschatulle in Silber positioniert. Eine gut gefüllte Dokumentenmappe mit Keilermotiv und ein Ablagefach aus Plexiglas, mit dem Handelsblatt obenauf, liegen griffbereit auf der rechten Seite. Links ist die technische Seite mit Bildtelefon, PC und auf dem anschließenden Seitentisch Drucker sowie weitere Unterlagen, die von Arbeit zeugen. Und die ist mannigfaltig.

Wie kann man die Produkte vermarkten und positionieren, zum Wettbewerb hin abgrenzen? Strategien müssen entworfen werden, die Produkte müssen immer am Markt verfügbar sein, und es richtet sich der Blick ins Auslandsgeschäft, wobei es gilt, die internationale Bedeutung der vier Marken zu stärken. Zu diesen gehören neben Hardenberg die Marken Wilthener, Lehment und das Danziger Goldwasser.

„Sie sind ein historisches Erbe“, sagt Rieber, „und verkörpern Tradition und Moderne in einem.“ Seit 1700 ist Hardenberg ein Familienunternehmen, und er empfindet dafür großen Respekt. „Es bedeutet aber auch eine große Verantwortung“, gibt er zu. So wurde z. B. das Flaschendesign des Danziger Goldwassers geändert, um es für die Konsumenten von heute attraktiver zu gestalten.

„Immer am Puls der Zeit bleiben, ist das Wichtigste“, weiß er.

Dafür ist er auch oft unterwegs, bei den Kunden und den Außendienstmitarbeitern, um sich zu informieren, ob das am Schreibtisch entworfene Markenbild auch tatsächlich so bei den Konsumenten ankommt. Daneben prägen viele Gespräche, Sitzungen und Arbeitskreise seinen Alltag.

Sein Büro ist jedoch nur für kleinere Besprechungen geeignet, gerade ausreichend für zwei bequeme Besucherstühle aus schwarzem Leder am Schreibtisch. Weiß dagegen ist die hinter seinem Schreibtisch hängende Tafel. Sie ist groß genug für Notizen, Terminkalender und Werbematerial – und bildet dadurch neben den Hamburg-Bildern einen Farbtupfer an der weiß gestrichenen Wand.

Weiß sind auch die nach innen geklappten Läden der beiden Fenster, die den Blick auf Hof und Park freigeben. Allein ihre Form zeugt von dem historischen Gemäuer, in dem sich das sachliche Büro mit zeitloser Einrichtung befindet.

Es sind die Gemäuer eines alten Gutshofs, der sich auf dem Hardenbergschen Anwesen befindet, gegenüber den Stallungen und an der Seite des gräflichen Landsitzes. Schon die Eingangshalle des Gebäudes, in der Rieber jeden Morgen von der Empfangsdame begrüßt wird, ist weiß getüncht und wirkt dadurch großzügig und einladend, ohne jedoch den Charme der Architektur zu verleugnen. Durch einen langen Flur gelangt er zum Treppenhaus, das drei Stockwerke miteinander verbindet und ihn zu seinem Büro führt.

Er atmet förmlich die Geschichte des Anwesens und somit des Unternehmens ein, dessen Spirituosengeschäft von ihm vermarktet wird – ganz nüchtern betrachtet.