Der Kennenlerner

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sebastian König

Martin Hoff gewährt einen Einblick in die Welt der Kaffeesysteme und erklärt, warum er Netzwerke ,sammelt‘.

Kurz nachdem Ute Bartz verabschiedet wurde, steht ein unangemeldeter Besucher mit einem eher privaten Anliegen in der Tür. „Ich brauche nur ein paar Schäkel“, sagt Hoffs Segelfreund Thors ten Ruhnke. Schäkel? Hoff zögert nicht lange und verschwindet mit ihm hinter der großen Kaffeebar des Showrooms. Dort verbergen sich weitere Räume, und einer davon lüftet das Geheimnis, worum es geht. Nebenbei betreibt Hoff nämlich einen kleinen Shop für Segelbedarf. „Segeln ist meine große Leidenschaft“, erzählt er, während er die verschließbaren Bügel in die Kasse einscannt. Auf seinen Törns, bei denen er meist auf offener See unterwegs ist, hat er viel Erfahrung gesammelt. Diese gibt er inzwischen an Nachwuchssegler weiter. Für die Volkshochschule Göttingen leitet er Kurse, bei denen die Teilnehmer verschiedene Bootsführerscheine erwerben können. Das Repertoire reicht vom Sportbootführerschein See und Binnen über Funk- und Pyrozeugnisse bis zum Sportküstenschifferschein, dem ‚Abitur‘ für Segler. Die Ausbildungstörns absolviert er gemeinsam mit Ruhnke. Für den theoretischen Teil hat Hoff direkt gegenüber von seinem Shop einen Unterrichtsraum eingerichtet. „Das erklärt auch, warum ich oft noch spätabends im ‚Büro‘ anzutreffen bin“, sagt Hoff scherzend. Bevor er Ruhnke verabschiedet, verkauft er ihm noch einen Hafenführer. „Er ist halt Verkäufer und weiß, was die Kunden brauchen“, sagt Ruhnke mit einem Grinsen im Gesicht.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

13.15 Auch die Mittagspause am Campingplatz Eulenburg nutzt Hoff zum Netzwerken. Kaum eingetroffen, spricht ihn Inhaber Rolf Gröning auf die Unterstützung des Weihnachtsmarktes an.

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit, es ist inzwischen 13 Uhr, geht Hoff zur Mittagspause über. Da er gern etwas ,Handfestes‘ zu sich nimmt, entscheidet er sich für eine Currywurst am Campingplatz Eulenburg. Das liebevoll umgestaltete Gelände rund um das Industriedenkmal der ehemaligen Textil fabrik Eulenburg müsse man ohnehin mal gesehen haben. „Der Inhaber, Rolf Gröning, ist auch Vorsitzender des örtlichen Vereins für Tourismus und Marketing und will mich sicher sowieso wegen des Weihnachtsmarktes sprechen“, sagt er. Mit dem Auto geht es in ein paar Minuten raus zum Campingplatz. Während der Fahrt berichtet Hoff über all das, was er neben dem Beruf und seinen Freizeitaktivitäten noch so treibt. „Ich mag es unheimlich gerne, fremde Menschen kennenzulernen“, sagt er. Habe er die Wahl zwischen zwei Veranstaltungen, so entscheide er sich für die, auf der er weniger Leute kennt. Und an Einladungen mangelt es ihm nicht. Hoff ist in diversen Netzwerken aktiv. Dazu zählen unter anderem der Bundesverband der Automatenwirtschaft, die IHK und Rotary. Hinzu kommen regionale Netzwerke wie Mekom, die WRG in Göttingen, die Stiftung für behinderte Menschen oder der Wirtschaftskreis Osterode, ein Netzwerk von Unternehmern aus dem Landkreis. „Ich bin vielschichtig unterwegs, weil ich mich darin sehr wohlfühle.“ Hier könne er die Arbeit vollständig hinter sich lassen und sich mit seinem liebstem Hobby, dem Kennenlernen neuer Menschen, beschäftigen. So ist er quasi immer „im Dienst“, was sich auch während des Mittagessens bestätigt. Denn Hoff hatte den richtigen Riecher. Kaum eingetroffen spricht ihn Rolf Gröning auf die Unterstützung des Weihnachtsmarktes an. Während Hoff genüsslich seine Currywurst verspeist, breitet Gröning das Weihnachtsmarktkonzept aus, argumentiert und leistet Überzeugungsarbeit. Hoff kürzt die Sache ab: „Natürlich unterstütze ich den Weihnachtsmarkt.“ Das sei für ihn als Osteroder eine Selbstverständlichkeit. Hoff liebt seine Heimat und ist sehr aktiv. Das teile er mit vielen anderen Unternehmern in Osterode.

20.45 Als es draußen längst dunkel geworden ist, sitzt Hoff noch in seinem Büro. Gegen 21 Uhr schließt er als Letzter die Tür hinter sich.

Warum die Stadt trotzdem im Allgemeinen keinen guten Ruf hat, erklärt Hoff ganz simpel: „Der Osteroder neigt dazu, seine Stadt schlechtzureden, das muss sich ändern!“ Er selbst könnte als Vorbild dienen. Beim Thema Osterode kommt er geradezu ins Schwärmen. Viel Zeit bleibt allerdings nicht. Beim letzten Termin des Tages ist noch ein Vertrag für eine Kaffeemaschine bei den Harz-Weser-Werkstätten zu unterschreiben. Auch das passiert eher nebenbei. Denn Hoff und Werkstattleiter Karsten Dannenberg unterhalten sich erstmal ausgiebig über das Angeln, und natürlich schwärmt Hoff vom neuen Promesso-Kaffeeautomaten. Nach der kurzen Inspektion eines bereits aufgestellten Wasserspenders fährt er um 15 Uhr zurück nach Lerbach. Hier kann er die Glocke im Flur läuten, die jeden erfolgreichen Verkauf anzeigt. „Das ist pure Motivation, denn die Glocke erklingt oft“, berichtet der 54-Jährige. In seinem Büro angelangt sichtet und beantwortet er die diversen E-Mails des Tages. „E-Mails sind der beste Kanal, mich zu erreichen, und eigentlich beantworte ich sie zwischendurch meist sofort.“ Heute war dies nicht möglich, und so sitzt Hoff noch im Büro, als es draußen längst dunkel geworden ist. Gegen 21 Uhr schließt er als Letzter die Tür hinter sich. Aber dies gleicht sich wieder aus, denn schließlich wird er auch am folgenden Tag wie üblich nicht der Erste im Betrieb sein.

Zur Person: Martin Hoff ist gebürtiger Osteroder. Der heute 54-Jährige studierte in Göttingen und Koblenz BWL. Über leitende Positionen bei der Tabakwaren Union kam er Mitte der neunziger Jahre in den elterlichen Betrieb, die Hoff Kaffeesysteme GmbH im Osteroder Ortsteil Lerbach. Neben seiner Arbeit segelt Hoff gern auf offener See und gibt Ausbildungskurse für Nachwuchssegler. Darüber hinaus ist er in diversen Netzwerken aktiv. Dabei geht er seinem liebsten Hobby nach: Menschen kennenlernen. Hoff ist verheiratet und hat zwei Kinder. www.fluessigbleiben.de 

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