Der Fall ist gelöst!

© Thomas Klawunn
Text von: Stefan Liebig, redaktion

Die letzte Klappe beendet die Dreharbeiten für den Göttingen-Krimi, der durch die breite Unterstützung der Wirtschaft ermöglicht wurde.

„Es hallt ein Echo durch die Produktionsräume…“ – so postete ,Harder und die Göre – HarderFilm‘ kurz nach der letzten Klappe der Dreharbeiten zum Göttingen- Krimi auf Facebook.

Wo es wochenlang drunter und drüber ging, ist schlagartig Leere eingekehrt. In der Schaltzentrale des Krimiprojekts ,Harder und die Göre‘ im Rosdorfer Weg herrschte tagsüber hektische Betriebsamkeit und am Abend fröhliche Ausgelassenheit nach Drehschluss.

Bis zur totalen Erschöpfung wurden Straßensperren veranlasst, Drehpläne aktualisiert und Requisiten organisiert. Telefone liefen heiß, die Nerven lagen ab und an blank.

Doch das Ziel, einen zugleich humorvollen als auch düsteren Krimi für die eigene Region auf die Beine zu stellen, setzte bei vielen Beteiligten ungeahnte Kräfte frei.

So gelang es sogar, die Dreharbeiten einen Tag früher als geplant abzuschließen.

„Ich bin stolz auf unser Team“, sagt Daniel Bernhard. „Was hier in den letzten Monaten bewegt wurde, ist unglaublich. Die Crew und die Schauspieler um Hauptdarsteller Harry Baer haben unsere Erwartungen übertroffen.“ Der Produktionsleiter des größten Göttinger Filmprojekts der letzten Jahrzehnte lehnt sich erschöpft, aber sichtlich zufrieden zurück.

Das entstandene Material sei sehr ästhetisch und düster zugleich.

Erfolge und Pannen

„Bis das Drehbuch im Kasten war, galt es aber auch einige Hürden zu überwinden“, erzählt Bernhard und berichtet von Erfolgen und Pannen der aufregenden, aber nicht immer einfachen Drehtage im Juli und August.

So brach z.B. Hektik aus, als für den am folgenden Morgen geplanten Dreh noch eine Befestigungsstange für das Kameraauto geschweißt werden musste. Wo findet man nach Geschäftsschluss ein Unternehmen, das die Arbeit noch am Abend durchführt?

Für die Kamerafahrt ist bereits eine Straßensperre genehmigt, der Dreh muss also früh am nächsten Morgen starten. Nach vielen Telefonaten gelang es aber doch noch, einen Metallbauer zu finden, der sich sofort an die Arbeit machte.

Zu einem wahren Glücksfall entwickelte sich ein Wasserrohrbruch in einer Wohnung, in der gedreht werden sollte. „Wir mussten ausweichen, aber wir fanden einen sehr viel schöneren Drehort in einem Architektenhaus – eine tolle Kulisse“, dankt Bernhard den K2-Architekten in Bovenden für das schnelle Einspringen.

Depression hingegen machte sich beim Außendreh am Kiessee in Klein Schneen breit. Das nasskalte Wetter erinnerte eher an November als an Juli und ließ die Autobergung per Autokran zu einem Geduldspiel werden.

Lange musste die kunstvoll geschminkte Wasserleiche auf ihren Einsatz warten. Die Autos wurden immer wieder trockengeputzt und die Statisten und Schauspieler froren vor sich hin.

Dennoch wurde auch dieser Drehtag zur Zufriedenheit von Regisseur Oliver Clark abgewickelt.

Die umfangreiche Unterstützung durch die August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs GmbH hatte diesen aufwändigen Dreh überhaupt erst möglich werden lassen. Als Unternehmen, das regional tätig ist und beispielsweise viele universitäre Projekte im geologischen Bereich fördert, wollte man helfen, die Göttinger Filmtradition wieder aufleben zu lassen und konnte als Dankeschön einigen Mitarbeitern die Chance geben, als Komparsen dabei zu sein.

Hilfestellungen und den Rückhalt

Fast 100 weitere Göttinger Unternehmen (www.harderfilm.de/partner.php) ließen sich ebenso motivieren und steuerten Geld oder Sachleistungen bei, um den Filmetat in Höhe von aktuell etwa 340.000 Euro zu stemmen.

„Ohne die große Begeisterung, die unzähligen Hilfestellungen und den Rückhalt durch die Entscheider der Region hätten wir den Film nicht umsetzen können“, dankt Bernhard der hiesigen Wirtschaft.

Einen weiteren wichtigen Beitrag erhielt das Krimiprojekt aus öffentlichen Geldern der Stadt Göttingen und der Göttinger Kulturstiftung sowie dem Landschaftsverband Südniedersachsen und dem nordmedia Fonds für Filmförderung.

Und schließlich bringt auch das Filmteam selbst ein für die Umsetzung entscheidendes Opfer: Sowohl Schauspieler als auch die 30-köpfige Filmcrew arbeiteten zum Teil auf Rückstellung. Das heißt, ein Teil der Gagen fließt erst, wenn das Projekt Gewinne abwirft.

Diese sollen in erster Linie durch den DVD-Verkauf des Films erzielt werden. Bernhard und Clark hoffen auf das Weihnachtsgeschäft, denn bis dahin sollen die Schneidearbeiten in einem Berliner Studio abgeschlossen sein.

Die erfahrene Schnittmeisterin Doreen Ignaszewski arbeitet zurzeit mit Hochdruck an der Postproduktion.

Wenn alles nach Plan läuft, findet im Dezember im Göttinger Cinemaxx die Filmpremiere statt. Ein voller Saal ist dann garantiert, da die eigens für dieses Projekt gegründete HarderFilm GbR auf mediale Unterstützung bauen kann.

Neben den Medienpartnern faktor, Göttinger Tageblatt, Charakter, Extra Tip und ,in göttingen‘ sorgten die Dreharbeiten auch bei den Radio- und TV-Sendern in ganz Niedersachsen für eine ständige Präsenz und weckten das Interesse vieler Menschen.

So wurde auch die Crowdfunding-Aktion von ,Harder und die Göre‘ zu einem vollen Erfolg und spülte noch einmal dringend benötigtes Geld in die Kassen. Mit Spannung steuern nun alle Mitwirkenden Richtung Filmpremiere und DVD-Verkaufsstart.

Und während die Verhandlungen mit den Fernsehanstalten und den Filmverleihfirmen für die überregionalen Kinos laufen, werden bereits die ersten Szenen für den zweiten Fall von Kommissar Harder diskutiert.