Der Fall geht weiter

© Harder und die Göre
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,Harder und die Göre‘ ist das Paradebeispiel für gelungene Netzwerkarbeit: Der Göttingen-Krimi entstand durch das gemeinsame Engagement vieler Filmenthusiasten. Nun soll die Stadt erneut zum Drehort werden.

Neue Impulse für die Stadt zu setzen – das war das erklärte Ziel, als faktor mit der Herbstausgabe 2009 eine Initiative startete, um Göttingen erneut zum Drehort für eine Film- und Fernsehproduktion zu machen. Knapp anderthalb Jahrzehnte stand Göttingen im Licht der Filmscheinwerfer. Fast 100 Spielfilme entstanden zwischen 1948 und 1961 in den Göttinger Studios. Zudem beherbergte die Stadt auch das größte deutsche Zeichentrickfilm-Studio der Nachkriegszeit.

Um an diesen Glanz vergangener Tage anzuknüpfen, lud faktor zu einem Treffen für Filminteressierte ein. Als Ort für diese 8. faktor-Business-Lounge wählte man das inzwischen abgerissene Sterntheater. Die umfangreiche Gästeliste reichte von einem Vertreter der Film- und Medienfördereinrichtung Nordmedia über Göttingens Tourismus-Chefin Angelika Daamen bis zum damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, der sogar die Schirmherrschaft für diese Aktion zur Wiederbelebung der Filmstadt übernahm. Besondere Freude löste auch das Erscheinen von Marek Erhardt, dem Enkel von Heinz Erhardt, aus. Die Verbindung zu ruhmreichen Zeiten, als Heinz Erhardt und viele weitere prominente Schauspieler hier Nachkriegs- und Wirtschaftswunderfilme drehten, war somit hergestellt.

Nicht zum Schwelgen in alten Zeiten, sondern zum Anstoßen neuer Projekte folgte auch Oliver Clark der Einladung. Gemeinsam mit Daniel Bernhard von der Agentur Nortia wollte Clark Gleichgesinnte finden, die seine Idee unterstützen, einen Spielfilm zu drehen. An einem Drehbuch arbeitete er bereits seit längerer Zeit, doch für die konkrete Umsetzung fehlten Netzwerke und Finanzen.

Mit dieser Vision knüpften die beiden im Rahmen der Business-Lounge wertvolle Kontakte, und ein zweites Treffen, bereits mit dem konkreten Ziel, ein Filmprojekt zu initiieren, fand einige Monate später statt. Schnell kristallisierten sich wichtige Partner heraus, die einmal mehr durch das faktor-Engagement begeistert wurden. „Insgesamt unterstützten uns über 100 Unternehmen mit den unterschiedlichsten Dingen: Drehorte, Leihwagen, Hotelzimmer, Catering und natürlich auch mit Geld“, erzählt Bernhard. „Diese große Begeisterung für das Thema Film und das uns entgegengebrachte Vertrauen haben uns immer wieder angetrieben. Dafür sind wir heute noch sehr dankbar.“

Ganz problemlos verliefen die insgesamt vier Jahre von der Stoff- und Projektentwicklung über die Produktion bis zur Premiere im Kino von ‚Harder und die Göre‘ allerdings nicht. „Man glaubt gar nicht, wie kompliziert die Antragsverfahren für öffentliche Fördergelder sind“, sagt Bernhard und erinnert sich an unzählige Formulare und Telefonate mit den Filmförderanstalten. „Umso wichtiger war es für uns, dass wir uns auch in schwierigen Phasen auf unsere Partner verlassen konnten.“ So stellte faktor unter anderem Anzeigenseiten zur Verfügung, auf denen Unternehmen sich als Unterstützer präsentieren konnten. Der Erlös floss in die Projektentwicklung. „Zu der Zeit hatten wir noch keinen Euro von Sponsoren oder Förderanstalten, aber schon viele Eigenleistungen eingebracht. Deswegen waren diese Einnahmen besonders hilfreich“, so Bernhard weiter.

Viele Filmbegeisterte aus der Region trugen zu einer gelungenen Wiederbelebung der Filmstadt bei. „Und es hat tatsächlich geklappt! In 30 Drehtagen an 70 Locations entstand ‚Harder und die Göre‘. Im November 2013 feierten wir Premiere“, berichtet der stolze Produzent. Anschließend wurde der Film auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.

Doch wie ging es weiter? Mehrere Personen, die sich über die gemeinsame Arbeit am Krimi kennengelernt hatten, gründeten das Göttinger Filmnetzwerk. Die Ziele: Vernetzung von Filminteressierten aus der Region und deren Weiterbildung. So bietet der gemeinnützige Verein unter anderem Seminare an der Uni und Workshops für jedermann rund um die Themen Drehbuch und Technik an. Bereits zum dritten Mal veranstaltet das Göttinger Filmnetzwerk im Mai 2018 das Kurzfilmfestival ‚Mach mal halblang!‘.

In 2017 hat die Arbeit des Vereins auch ein weiteres Filmprojekt aus Göttingen hervorgebracht: Der Germanistik-Student Rashid Ben Dhiab besuchte ein Drehbuchseminar und durfte später bei der Verfilmung seiner Kurzgeschichte am Set dabei sein. ‚Whitecollar Upgrade‘ ist ein Science-Fiction-Kurzfilm, den Clark und Bernhard von HarderFilm produzieren, um ihn im ersten Schritt auf Festivals vorzuführen. Im zweiten Schritt soll er dabei helfen, Sponsoren und Co-Produzenten für die Umsetzung eines zweistündigen Science-Fiction-Films zu begeistern, der die Handlung des Kurzfilms fortsetzt.

Doch es gibt noch mehr konkrete Pläne. „Eine Fortsetzung von ‚Harder und die Göre‘ wird es nicht geben…“, verrät Clark, „… aber eine Serie! Das Grundgerüst steht schon.“ Die Serienbibel für drei Staffeln à sieben Folgen wurde bereits geschrieben. „Sie basiert jedoch nur in ihren Grundzügen auf dem Film. An sich ist es ein eigenständiges Werk, ein Familiendrama im Gewand einer Polizeiserie“. Die neue Vision sei es, die Serie durch Streaming-Dienste wie Netflix zu finanzieren. Zwei Filmstudios haben bereits erstes Interesse bekundet. Man darf weiter die Daumen drücken. „Es hat sich viel getan seit unseren ersten Überlegungen für ‚Harder und die Göre‘“, resümiert Bernhard überzeugt. „Und es geht noch weiter. Dank faktor ist also tatsächlich etwas in Bewegung gekommen in der Filmstadt Göttingen.“