Der Energiegeladene

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Gerd Rappenecker, Vorstand der Stadtwerke Göttingen, mag es gern lebendig.

„Hier in den vierten Stock verirrt sich nicht wirklich jemand“, gibt Gerd Rappenecker zu. Der technische Vorstand der Göttinger Stadtwerke hat sein Büro im obersten Stockwerk des Firmengebäudes, abgetrennt noch mit einer Glastür zum separaten Flurbereich. ‚Heilige Hallen‘ sollen es dennoch nicht sein, etwas mehr Nähe zu den Mitarbeitern wäre ihm nur recht.

Der 50-Jährige, der lieber mit den Menschen arbeitet statt sie nur zu dirigieren, löst das Problem auf seine Weise: Er geht selbst zu den Mitarbeitern und fährt mit ihnen auch manchmal auf Einsätze. „Ich tummle mich gerne im operativen Bereich“, gibt er zu – nur Schreibtischarbeit wäre nicht sein Ding.

Der ‚kölsche Jung“ favorisiert Handfestes

– schon das Promotionsthema des Physikers mit Bezug auf Elementarteilchen war zu kleinteilig. Sein Arbeitsbereich sollte realitätsnäher sein, und so begann er 1993 seine berufliche Laufbahn bei ABB Mannheim. Und da eigentlich „das Thema Energie schon immer mein Geschäft war“, sei der Wechsel zu den Stadtwerken Mannheim für ihn nur logisch gewesen. Dort blieb er vier Jahre, wechselte dann als Prokurist zu den Stadtwerken Kiel und ist nun seit dem 1. Juni Vorstand der Stadtwerke Göttingen.

Kein Wachstum ohne Verlust

Er gibt zu, dass es ihm nicht leicht fiel, Kiel zu verlassen, aber „kein Wachstum ohne Verlust“, sagt er. Was ihm bleibt ist ein Bild des Kieler Wasserturms gegenüber seinem Schreibtisch. „Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst“ beschreibt er das elegante Gebäude, das in vier Farbkompositionen die weiße Wandfläche ziert. Und es ist für ihn ein Ausdruck dafür, dass Stadtwerke eine grundsolide Institution sind und trotzdem eine moderne Ausrichtung haben.

Aufbauend auf der verlässlichen Kontinuität müssen sich jetzt die Strukturen des Energieversorgers ändern, weil sich die Umwelt verändert, ist der 50-Jährige überzeugt. Die Stadtwerke müssten sich, vor allem wirtschaftlich, auf sinkenden Energiebedarf einstellen.

Treiber der Energiewende

Dazu gehört, selbst Treiber der Energiewende zu sein. „Wir wollen uns einbringen und mitgestalten“, sagt Rappenecker. Und genau daran arbeitet er. Er ist zuständig für den Technik-Bereich und zeichnet gemeinsam mit dem kaufmännischen Vorstand Norbert Liekmeier auch verantwortlich für die strategische Neuausrichtung des Unternehmens.

Diese Zukunft zu gestalten ist ihm wichtiger, als sein Büro neu einzurichten. Die dunklen Möbel haben den Charme vergangener Eleganz. Noch älter ist lediglich ein historisches Amperemeter, das Rappenecker aus Mannheim mitgebracht hat – doch hat dieses den gewissen Retroschick. Auffällig lebendig ist dagegen eine transparente Wasserwand, die neben dem Schreibtisch unablässig gurgelt, während Rappenecker voller Ideen sprudelt.

„Wasser ist Bewegung“, so sein Credo. Und nach einem Blick auf seine Taschenuhr setzt auch er sich wieder in Bewegung – voller Energie.