Der Einsteiger

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Tobias Kintzel

Es gibt viele Wege, die in eine Festanstellung führen – einen davon ging Maschinenbau-Ingenieur Witali Karsten. Heute sorgt er als Projektmanager beim Pharma- und Laborzulieferer Sartorius in Göttingen dafür, dass neue Produkte und Technologien in die Serienfertigung gehen.

Die Tatsache, dass sich Witali Karsten vor zwei Jahren als Maschinenbaustudent initiativ um einen Praktikumsplatz bei Sartorius beworben hat, verdankt er genau genommen einem Zufall. Er arbeitete damals als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Fabrikanlagen (IFA) und Logistik an der Gottfried-Wilhelm- Leibniz-Universität Hannover und suchte nach möglichen Unternehmen für ein Praktikum. „Mein damaliger Betreuer hat mir über seine Erfahrungen mit Sartorius, von der Internationalität und der Marktstellung des Konzerns berichtet“, erinnert er sich zurück.

„Das hat mich sehr interessiert.“ Nach kurzer Recherche im Internet schickte er seine Initiativbewerbung ab – und erhielt wenig später eine Einladung zu einem Gespräch in Göttingen. „Das Vorstellungsgespräch fand in einer sehr angenehmen Atmosphäre statt“, berichtet der 27-jährige Ingenieur heute. Zunächst hatten ihm die Mitarbeiter den Fachbereich vorgestellt, in dem er das Praktikum absolvieren würde. Danach wurden vor allem seine Interessen, Zielsetzungen und Erwartungen abgefragt. „Das hatte ich in der Form nicht erwartet. Half aber dabei, eine klare Vorstellung davon zu bekommen, was ich erreichen wollte.“ Schnell habe er sich mit allen Beteiligten in einer konstruktiven Runde auf Themenschwerpunkte für die Projektarbeit des Praktikums einigen können: Er sollte ein in der Lead-Factory in Göttingen neu entwickeltes Logistikkonzept analysieren und aufnehmen sowie dessen Umsetzung in Peking, an einem weiteren Standort von Sartorius, begleiten. In einer Lead-Factory, oder Leitfabrik, werden neue Herstellungsverfahren und die Fertigung innovativer Produkte erprobt, um sie dann auf andere, weltweit verteilte Fabriken zu übertragen.

Das international agierende Unternehmen ist in 110 Ländern vertreten und hat eigene Produktionsstätten in Europa, Asien und Amerika. „Schon die Aufgabe an sich und auch die damit verbundene Tätigkeit im Ausland haben mich von Anfang an begeistert“, so Witali Karsten. Im April 2013 verbrachte Karsten für die Konzeptionsphase und weitere Vorbereitungen drei Monate in Göttingen. Danach machte er sich auf ins Reich der Mitte.

„Von den Erfahrungen in Peking werde ich in jeder Hinsicht lange zehren können. Ich habe intensive Einblicke in eine völlig andere Lebens- und Arbeitsumwelt erhalten, eine andere Kultur“, sagt er noch eineinhalb Jahre nach seiner Reise in Erinnerungen schwelgend. Er sei von den Kollegen vor Ort herzlich begrüßt, in das Arbeitsleben und in den Alltag integriert worden und habe sich deshalb beruflich und persönlich weiterentwickeln können. Mit einem verschmitzten Lächeln sagt er: „Toll ist, dass ich als Hobby- Koch viele chinesische Rezepte ausprobiert und gelernt habe.“ In der Umsetzung des Logistikkonzepts sei es vor allem darauf angekommen, Dinge gemeinsam auszuprobieren und auf lokale Anforderungen einzugehen, um Erfolge zu erzielen.

„Die Begeisterung der Kollegen in Peking war schnell geweckt, und wir haben alle zusammen das Ziel erreicht“, berichtet Karsten. Rückblickend habe er sowohl in Göttingen als auch in Peking eine Atmosphäre vorgefunden, die durch Offenheit, Raum für eigene Ideen und Lösungswege sowie eine unaufdringliche Hilfsbereitschaft aller Sartorius-Mitarbeiter geprägt sei. Für ihn wurde hier ganz klar das Versprechen eingelöst, das der Konzern zur eigenen Kultur auf seiner Website macht.

Zu dieser Erfolgsgeschichte eines Praktikums haben offenbar vor allem zwei Faktoren beigetragen: Zum einen ein Unternehmen, das seinem Praktikanten nicht nur eine herausfordernde Aufgabe stellt, sondern auch Freiraum bietet, um gesteckte Ziele erreichen zu können. Und zum anderen ein Student, der diese Gelegenheit bestmöglich nutzt und mit Leistung überzeugt. So war es kein Wunder, dass sich am Ende des Praktikums beide Seiten auf die Zusammenarbeit für die dann anstehende Diplomarbeit einigten. „Wir sind dem Thema des Praktikumsprojekts treu geblieben“, betont der Maschinenbau- Ingenieur.

Von Mai bis Oktober 2014 beschäftigte er sich damit, wie Sartorius globale Standards für die Übertragung neuer Methoden und Prozesse aus der Lead-Factory Göttingen in die anderen Standorte des Konzerns schaffen kann. Es ging darum, den Prozess zu systematisieren und reproduzierbar gute Ergebnisse zu erzielen. Heute ist Witali Karsten als Projektmanager in der Produktion bei Sartorius angestellt. Er ist im Bereich Production Engineering das Bindeglied zwischen der Abteilung Forschung und Entwicklung auf der einen und der Produktion auf der anderen Seite tätig. „Mit den Kollegen stelle ich sicher, dass neue Produkte und Technologien an allen Standorten in die Serienproduktion überführt werden“, erklärt er. Dazu müssten manchmal Prozesse völlig neu aufgesetzt oder bestehende angepasst werden. Auch die Betreuung und Beratung der weltweiten Standorte gehören zu den Aufgaben des Ingenieurs.

Und obwohl er nach Praktikum und Diplomarbeit eigentlich schon ein ‚alter Hase‘ bei Sartorius ist, steckt er noch mitten im ,Onboarding‘-Prozess des Technologieunternehmens. Dieser Prozess beschreibt im Personalmanagement das Einstellen und Integrieren neuer Mitarbeiter, also das ‚an Bord nehmen‘. Mit einer systematischen Einarbeitung und einer professionalisierten sozialen Integration wollen es Unternehmen neuen Mitarbeitern erleichtern, sich zurechtzufinden – und natürlich ihre ganze Motivation und ihr Engagement sichern. „Ich finde, dass es Sartorius neuen Mitarbeitern leicht macht, sich zu orientieren, und der Start in die Arbeitswelt des Konzerns angenehm ist“, beschreibt Witali Karsten seine Eindrücke. Den Rahmen bilden Veranstaltungen, in denen interdisziplinäre Gruppen von verschiedenen Standorten gemeinsam Produkt- und Bereichsvorstellungen oder auch Werksführungen erleben und sich in Rollenspielen gegenseitig kennenlernen. „So beginnt von Anfang an ein Netzwerk zu wachsen, das den Austausch zwischen unterschiedlichen Fachbereichen und Standorten fördert“, findet er.

Ihm selbst habe geholfen, dass er gleich zu Beginn alle Ansprechpartner persönlich treffen konnte, mit denen er täglich zusammenarbeitet. „So hatte ich vom Start weg immer ein Gesicht vor Augen, wenn ich E-Mails geschrieben oder mit jemandem telefoniert habe. Das macht vieles deutlich leichter.“ Begeistert ist er besonders von der fachlichen Begleitung durch einen erfahrenen Kollegen. „Jeder bekommt einen Paten an die Seite, der einen in der Einarbeitungsphase unterstützt. Das sind Menschen mit zum Teil 30 oder 40 Jahren Unternehmenszugehörigkeit. Von deren Wissen kann jeder nur profitieren.“ Er habe festgestellt, dass die Paten außerdem Interesse an neuen Ideen und einem Austausch hätten, also auch selbst von der Patenschaft profitierten.

„Ich finde es spannend, an der Entwicklung des Unternehmens beteiligt zu sein und helfen zu können, die Wachstumspläne umzusetzen.“ Sartorius böte ihm dafür ein modernes, Kreativität förderndes Arbeitsumfeld mit vielen Perspektiven und herausfordernden Aufgaben. Vielleicht nimmt Witali Karsten deshalb auch zurzeit in Kauf, täglich zwischen Göttingen und Hannover zu pendeln, wo er mit seiner Frau lebt. „Mit dem ICE geht das ja schnell und bequem“, sagt der sympathische Maschinenbau-Ingenieur mit einem Lächeln im Gesicht.