Der Angreifer

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Text von: redaktion

Im Restaurant Peking Pavillon spricht der Zehnkämpfer Jacob Minah über seine aktuelle Form, seine Ziele und natürlich übers Essen.

Sieht man sich Jacob Minah an, erkennt man sofort, dass man einen Zehnkämpfer vor sich hat, der mitten in der Vorbereitung für ein sportliches Großereignis steckt: Die Brustmuskeln zeichnen sich deutlich unter seinem T-Shirt ab, sein Bizeps ist ausgeprägt unter den kurzen Ärmeln zu erkennen, und im Gesicht erkennt man nicht einmal den Ansatz von Fett. Da verwundert es, wenn der Zehnkämpfer sagt, dass er eigentlich ganz normal esse, also keine besonders strikte Diät einhalte oder nach einem streng definierten Essensplan lebe. Auch Chinesisch würde er verhältnismäßig viel essen, weshalb ihn die Einladung zum Mittagessen sehr gefreut habe.

„Nur wenn ich viel Krafttraining mache, nehme ich noch zusätzlich Eiweiß zu mir. Ansonsten verzichte ich fast komplett auf Nahrungsergänzungsmittel“, erklärt der 26-Jährige. Sein Gewicht hält er um die 82 Kilogramm, wobei es beim Zehnkampf nicht auf jedes Kilo ankommt, wie Minah weiß: „Es gibt nicht den Zehnkämpfertyp.“ Einige seien eher Schwergewichte, was in einigen Disziplinen ein Vorteil, in anderen wiederum ein Nachteil sein kann. Andere Athleten hingegen wirkten sehr schmächtig, seien aber trotz ihrer Statur exzellent in den Wurfdisziplinen. Dies sei vor allem auf ihre feine Technik zurückzuführen.

Genau in diesem Bereich sieht Jacob Minah bei sich selbst immer noch Verbesserungsmöglichkeiten, auch wenn er sich gerade im vorigen Jahr deutlich gesteigert hat. „Laut den sportwissenschaftlichen Auswertungen des Olympiastützpunkts bin ich erst bei 80 Prozent meiner Leistungsfähigkeit. Ich kann mich also noch in allen Belangen steigern“, erläutert der sympathische Modellathlet. Dies muss er vor allem im Diskus- und Speerwerfen, seinen deutlich schwächsten Disziplinen. Stark hingegen ist er immer schon über die 100 und 400 Meter und im Weitsprung gewesen.

Sein bisheriges Leistungspotenzial einmal nahezu komplett abrufen, konnte der Zehnkämpfer, der für die LG Göttingen startet, bei der Universiade 2007, den Weltsportspielen der Studenten. Dort sicherte er sich die Goldmedaille, stellte mit 8.099 Punkten seine persönliche Bestleistung auf und übertraf damit zum erstenMal die für einen Zehnkämpfer so magische Grenze von 8.000 Punkten. Dies war ihm bei seinen bis dato größten Erfolgen, dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2005 und dem Vize-Titel 2006, stets verwehrt geblieben.

Sehe man sich seine bisherige Entwicklung an, dann kommen die Olympischen Spiele in diesem Jahr für ihn, nach eigener Einschätzung, fast noch ein bisschen zu früh, auch wenn es das größte für ihn bedeutet, dabei zu sein („Die Olympiade ist das beste, was in einem in seinem Sportlerleben passieren kann“).

Doch schon jetzt hat er seine nächsten großen Ziele im Auge: Die Leichtathletik WM 2009 in Berlin und die Olympischen Spiele 2012 in London. „Die WM im eigenen Land ist für mich ein besonderer Ansporn“, sagt der Universiade-Sieger. Denn in Berlin stehe dann, anders als bei Olympia, nur eine Sportart im Fokus der Medien. Zudem wisse man das eigene Publikum im Rücken. Dass das Interesse an der WM im eigenen Land bei den Zuschauern zum jetzigen Zeitpunkt schon groß ist, zeige die Tatsache, dass für den Zehnkampf bereits alle Karten vergriffen sind.

Als möglichen Höhepunkt seiner Karriere sieht Minah dann aber die Olympischen Spiele in London 2012, wo er dann mit Anfang 30 im besten Zehnkampfalter ist. „Wenn ich verletzungsfrei bleibe, kann ich in den nächsten vier Jahren richtig angreifen.“

Zur Person

Mit einer Bestleistung von 8.099 Punkten gehört der 26-jährige Jacob Minah zu den besten Zehnkämpfern Deutschlands. Seinen bisher größten Erfolg feierte er 2007 bei der Universiade in Bangkok, den Weltsportspielen der Studenten. Auch national kann er einige Erfolge auf seinem Konto verbuchen. So sicherte er sich den Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2005, den Vize-Titel 2006 und die Siege bei der Deutschen Hallenmeisterschaft 2007 und 2008.