Den Schwung mitnehmen

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Text von: redaktion

Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Göttingen wird Wirklichkeit und ist zugleich nur der Startschuss zum Logistikzentrum.

Die Positionierung Göttingens und der Region Südniedersachsen als Logistikstandort nimmt immer weiter Formen an. Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit ist die Logistikhalle (siehe Foto) auf dem Güterverkehrszentrum (GVZ) Anfang Mai in Betrieb genommen worden; offizielle Eröffnung ist am 25. Juni. Den ansässigen Logistikunternehmen stehen 9 200 m2 Lagerfläche und 800 m2 Bürofläche direkt an den beiden wichtigsten Verkehrswegen Schiene und Autobahn in Nord-Süd-Richtung zur Verfügung.

Für Klaus Hoffmann, Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderung GWG, ist der Bau der Logistikhalle ein weiterer Meilenstein: „Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass der Ausbau des Schienenverkehrs und die Möglichkeit, in Göttingen Container zu verladen, ein extrem wichtiger Standortvorteil ist.“ Auch wenn aktuell der Hauptverkehr noch auf den Straßen sei, erkenne jeder die Vorteile des Schienenverkehrs, besonders wenn man sich die Engpässe in den Seehäfen und die staubelasteten Straßen anschaue, so Hoffmann. Finanziell abgesichert ist die Startphase des GVZ, denn 80 Prozent der Fläche der Logistikhalle ist von der Spedition Schenker gepachtet worden, um die Logistik für die Firma Novelis Göttingen abzuwickeln. Das Novelis- Werk hat seine Transportlogistik komplett neu strukturiert und wird sowohl die Werksversorgung mit Lieferantenware als auch die Distribution der Fertigprodukte hier abwickeln.

„Für die Startphase ist solch ein Ankernutzer sehr wichtig, da uns dies eine planerische und finanzielle Sicherheit bietet. Die restlichen 20 Prozent klingen zwar wenig, allerdings sind sie noch nicht komplett verpachtet“, erklärt Hoffmann. Wie wichtig das GVZ für die Entwicklung Göttingens zum Logistikzentrum ist, verdeutlicht auch Klaus Richter, Manager des Logistik- und Mobilitätsclusters Göttingen/Südniedersachsen: „Es ist sehr wichtig, die Möglichkeit eines kombinierten Verkehrs Straße/Schiene zu haben, da es in Zukunft ein deutlich höheres Logistik-Aufkommen in der Region geben wird. Wir haben zum Beispiel jetzt gerade eine Kooperation mit dem Flughafen Hannover initiiert und arbeiten auch mit dem GVZ Bremerhafen zusammen.“ Wirtschaftsförderer Klaus Hoffmann hat sogar die Erfahrung gemacht, dass eine Schienenanbindung für ansiedlungsinteressierte Logistikunternehmen unerlässlich ist. Deshalb wird sich die GWG bemühen, zukünftig ein komplettes Dienstleistungsangebot anzusiedeln. Auf dem Areal des GVZ ist momentan noch eine Fläche von ca. 20 000 m2 unbebaut, diese soll ganz gezielt dafür genutzt werden, einen Containerdienstleister anzusiedeln, der seefertig vor Ort verpacken kann. Die Ressourcen in Göttingen sind für Hoffmann damit aber noch nicht ausgeschöpft. „In dem Moment, in dem ein Unternehmen sagt, dass es für ein großes Geschäft 10 000 m2 benötigt, sind wir auf Standortsuche. Dieses Areal müsste aber woanders in Göttingen gesucht werden, es könnte auf der Siekhöhe oder am Siekanger sein, jedenfalls im Nahbereich des GVZ.“

Zurzeit wird mit der Bauverwaltung an der zweiten Baustufe gearbeitet, diese würde noch einmal eine Ansiedlungsfläche von über 90 000 m2 schaffen, mit der Anbindung an die B27 und somit direkt an der Autobahn. Für Wirtschaftsförderer Klaus Hoffmann nicht nur eine Vision: „Das soll in einem kurzen Zeitraum realisiert werden. Wir sind bei den Planungen, haben Abstimmungsgespräche und müssen die Finanzierung klären. Wir versuchen jetzt den vorhandenen Schwung der ersten Phase mitzunehmen.“

Text: CARSTEN DÖRGES