Den eigenen Weg finden

© IStockPhoto/Abdulhamid AlFadhly
Text von: Stefan Liebig

Armin Asselmeyer ist Inhaber der o.r.t. Sanitätshäuser an sechs Standorten unserer Region. Er beschäftigt 145 Mitarbeiter, darunter 13 Azubis. Er studierte in Göttingen Theologie mit dem Ziel, Pastor zu werden und erlernte dann einen Handwerksberuf, der die berufliche Grundlage des Sanitätshausinhabers ist.

Herr Asselmeyer, wie kann man sich den Weg von Theologiestudenten zum Sanitätshausinhaber vorstellen?

Ich komme aus der evangelischen Jugendarbeit und hatte somit schon früh mit Menschen zu tun. Der Beruf des evangelischen Pfarrers war mein Ziel. Das Theologiestudium war mir aber viel zu theoretisch, und so bin ich zur Berufsberatung gegangen. Nach einem Eignungstest kam überraschenderweise als Empfehlung der Beruf des Orthopädietechnikers heraus. Der Beruf war mir völlig unbekannt – aber es passte: ein Beruf mit Menschen, bei dem manuelle Fähigkeiten und Kopfarbeit wichtig sind.

Wie ging es dann weiter?

Nach einer Ausbildung in einem Göttinger Sanitätshaus legte ich schließlich die Meisterprüfung in Heidelberg ab. Als mein Arbeitgeber meine Ideen für ein innovatives Sanitätshaus nicht unterstützen wollte, habe ich mich selbständig gemacht.

Was empfehlen die Schülern, die vor der Berufswahl stehen?

Durch Praktika und Hospitationen in Betrieben erkennt Ihr Eure Interessen und Fähigkeiten besser. Es lässt sich so auch besser herausfinden, ob Vorstellung und Realität zusammenpassen. Häufig hilft es, sich mit Erwachsenen über deren berufliche Entwicklung zu unterhalten.

Sie haben studiert und dann doch den Ausbildungsweg eingeschlagen, was haben sie daraus gelernt?

Wenn man erkennt, dass der gewählte Weg nicht der richtige ist, sollte man den Mut haben, dies zuzugeben und einen anderen Weg einschlagen. Natürlich möchte man gern die akademische Laufbahn wählen, weil man denkt, dass dort die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten am besten sind. Es gibt sehr interessante Laufbahnen, die man mit einer dualen Ausbildung einschlagen kann. Wer Praxisbezug sucht, der merkt oft, dass der Weg über eine Ausbildung und anschließende Weiterbildung mindestens genauso attraktiv ist und dass Aufstiegschancen dort oft viel eher gegeben sind, was sich dann auch im Gehalt niederschlägt.

Warum legten Sie bei der Berufswahl wert auf ‚manuelle Fähigkeiten‘?

Es ist nicht jedem Menschen gegeben, mit den Händen etwas zu erschaffen. Wer jedoch die Begabung hat, bringt ein großes persönliches Kapital mit. In unserer Branche benötigt man diesen Mix aus handwerklichen Fähigkeiten und Intelligenz, um eine Gehhilfe zu konzipieren und dann zu bauen, die dem Menschen das Alltagsleben erleichtert. Für mich bedeutete die handwerkliche Tätigkeit immer mehr, als im Büro Akten zu wälzen. Im Handwerk gibt es so viele abwechslungsreiche und gestalterische Tätigkeiten. Leider haben akademische Berufe in unserer Gesellschaft zurzeit den besseren Ruf. Ich denke, das wird sich in Kürze wandeln, denn wir brauchen handwerklich begabte intelligente Menschen in so vielen Bereichen.

Gibt es für Schüler Möglichkeiten, ihren Betrieb kennenzulernen?

Natürlich. Wir bieten gerne Praktika an oder Hospitationen an schulfreien Tagen. Jeder kann sich über das Kontaktformular auf unserer Homepage bewerben.

Sie haben zurzeit 13 Auszubildende, welche Berufe kann man bei Ihnen erlernen?

Im handwerklichen Bereich bilden wir Orthopädietechnik- Mechaniker und Orthopädieschuhmacher aus, außerdem Fachlageristen und Kaufleute im Gesundheitswesen sowie im Einzelhandel. Spannend ist es dann im Alltag zu sehen, wie diese verschiedenen Bereiche verzahnt sind, um die Kundenwünsche zu erfüllen.

Wieso stecken Sie so viel Energie in die Ausbildung?

Wir kämpfen um die Begabtesten und Motiviertesten! Wer bei uns lernt, bekommt eine solide Ausbildung und hat die Chance auf einen Arbeitsplatz mit vielen Entwicklungsmöglichkeiten. Ob zum Spezialisten für Hightech- Prothesen oder zum Bereichsleiter mit Personalverantwortung – alles ist möglich.

Was ist das Spannende an einer Ausbildung bei o.r.t?

Die vielen verschiedenen Berufe zeigen es: Schon in der Ausbildung arbeitet wir mit ganz unterschiedlichen Experten zusammen und entwerfen und bauen Hilfsmittel für unsere Kunden. Hierbei lernt man aber nicht nur das Handwerkliche, sondern auch den Umgang mit Kunden und Patienten sowie die Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten kennen. Die praktische Ausbildung im Unternehmen und die theoretische Ausbildung im Blockunterricht in Hamburg, der voll vom Unternehmen finanziert wird, sind superspannend.

Gibt es besondere Voraussetzung, die man mitbringen sollte?

Handwerkliche Begabung, Kommunikationsbereitschaft, Interesse an Technik und IT sind ganz besonders wichtig, ebenso wie das Interesse für die Funktionen des menschlichen Körpers. Denn wir bauen und schaffen Lösungen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, wir mobilisieren Menschen. Wichtig sind auch die Teamfähigkeit und die Kontaktfreudigkeit im Umgang mit Kunden.

Wie sehen Sie die Zukunftsperspektiven ihrer Branche?

Menschen sind immer auf der Suche nach Lösungen für ihr Handicap. Das Gesundheitssystem in Deutschland garantiert den kranken Menschen medizinische Lösungen, bezahlt für Hilfsmittel, die man benötigt, um weiterhin aktiv am Leben teilzunehmen. Grund genug, positiv in die Zukunft zu sehen: Es wartet viel Arbeit auf uns Medizinprodukteberater und Gesundheitshandwerker! Wer bei uns eine Ausbildung macht, befindet sich in einem krisensicheren Berufsbereich.

VIELEN DANK FÜR DAS GESPRÄCH!