Demographischer Wandel bietet dem Handwerk neue Marktchancen

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Text von: redaktion

Am Samstag, 21. April 2007, fand ein Aktionstag zur Erschließung des Seniorenmarktes in den Berufsbildenden Schulen II in Göttingen statt. Mit Praxisbeispielen für seniorengerechte Produkte und Wohnungsumgestaltungen.

Kreative, kooperationsbereite und kompetente Handwerksbetriebe können den demographischen Wandel zur Erschließung neuer Marktchancen und damit für mehr Umsatz und Beschäftigung nutzen: Zu diesem Ergebnis gelangten am Sonnabend während eines Aktionstages „Generation 50plus“ – Zielgruppe des Handwerks“ in den Berufsbildenden Schulen II in Göttingen Experten aus ganz Niedersachsen. Ausrichter waren neben den BBS II die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, die Kreishandwerkerschaft und der Regionalverband Südniedersachsen.

Der Diplom-Ingenieur Andreas Nentwig, Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim, zeigte, wie eine Gehhilfe so umgestaltet werden kann, dass sie beim Abstellen an einer Tischkante nicht abrutscht. Eine eckige Ummantelung gehört ebenso zu den im Ergebnis einfachen nutzerorientierten Modifikationen wie das Anbringen von Magneten an den Griffen – so zusammengesteckte Gehhilfen rutschen beim Anlehnen an Tisch oder Wand nicht weg. Anderes seniorengerechtes Produkt: Die „weiche Wanne“, also eine Art Matratze, die – ausgelegt in einer Badewanne – das Duschen erleichtert und sicherer macht. Drittes Beispiel: Ein „stummer Butler“, eine inzwischen auch von Restaurantbetreibern nachgefragte Hilfe zum Anziehen von Jacken und Mänteln. Nentwig erläuterte den anwesenden Handwerkern, wie aufwändig aber letztlich doch ein Prozess zur Entwicklung neuer Produkte ist.

Seniorenfreundliche Wohnungsanpassung

Eine Fülle anschaulicher Beispiele, wie Wohnungen und ihr Zugang seniorenfreundlicher gestaltet werden können, zeigten die Osnabrückerinnen Maike Tesch als Pflegeberaterin der Innungskrankenkasse und Susanne Sökeland als Innenarchitektin und Geschäftsführerin der Tischlerei Werner Döring. Sie beschrieben, wie Stolperfallen in Wohnungen beseitigt, durch das Anbringen von Markierungen und Handläufen an Treppen die Sicherheit Älterer gesteigert und durch den Einsatz höhenverstellbare Kücheneinrichtungen der Komfort verbessert werden kann. An der Finanzierung solcher Maßnahmen beteiligen sich auch Kranken- und Pflegekassen sowie das Land und Kommunen.

Nach Angaben des Geschäftsführers der Handwerkskammer, Jürgen Garms, bietet der Europäische Sozialfonds (ESF) interessante Programme zur Förderung der Weiterbildung von Handwerkern. Bei einigen Betrieben sieht Garms durchaus Verbesserungsbedarf in der Beteiligung an seniorenorientierten Qualifikationsmaßnahmen. Karin Klaus-Witten von der Landesinitiative „Generationengerechter Alltag“ (LINGA, Wolfsburg) unterstrich in ihrem Referat die Bedeutung systematisch ausgerichteter Kooperationen von Handwerksbetrieben. Ältere Menschen, so ihre Einschätzung, legten besonderen Wert auf kompetente Beratung und Dienstleistungen aus einer Hand. Dieser Trend werde vom Handwerk noch nicht ausreichend wahrgenommen.

Seine Forderung nach Einrichtung einer Wohnungsanpassungsberatung mit dem Ziel, das Wohnen zu Hause zu fördern, unterstrich der CDU-Kreistagsabgeordnete Gerhard Winter. Auch Jürgen Herbst, Präsident der Handwerkskammer, strich die Bedeutung des Seniorenmarktes für das Handwerk heraus. Herbst lobte die Initiative zur Auslobung eines Preises „Seniorengerechte Innovationen im Handwerk“ durch die BBS II. Deren Schulleiter, Oberstudiendirektor Peter Peschel, stellte für Schüler der Berufsbildenden Schulen sowie Auszubildende im Landkreis Göttingen 500 Euro in Aussicht. Einsendeschluss ist der 30. Juni 2007.