Das Paradebeispiel

Text von: redaktion

Harder und die Göre ist das beste Beispiel für gelungene Netzwerkarbeit; der Göttingen-Krimi entstand durch den gemeinsamen Willen vieler Filmenthusiasten.

Text: Margareta Vogel – Fotografie: Thomas Klawunn

„Unsere Idee war es, die Filmstadt Göttingen wiederzubeleben, um neue Impulse für die Stadt zu bekommen“, erklärt faktor-Herausgeber Marco­ Böhme rückblickend seine Motivation, zu einem Treffen für Filminteressierte einzuladen. Als Ort für diese faktor-Business-Lounge suchte sich das Entscheider-Magazin im November 2009 das inzwischen abgerissene Sterntheater aus. Die umfangreiche Gäste­liste reichte von einem Vertreter der Filmförderstelle Nordmedia über Göttingens Tourismus-Chefin Angelika Daamen bis zum damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, der die Schirmherrschaft für eine Wiederbelebung als Filmstadt übernahm.
Besondere Freude löste auch das Erscheinen von Marek Erhardt, dem Enkel von Heinz Erhardt, aus. Die Verbindung zu ruhmreichen Zeiten, als Heinz Erhardt und viele weitere prominente Schauspieler hier Nachkriegs- und Wirtschaftswunderfilme drehten, war somit hergestellt.

Nicht zum Schwelgen in alten Zeiten, sondern zum Anstoßen neuer Projekte folgte auch Oliver Clark der Einladung.

„Ich ärgerte mich so oft, wenn im Zusammenhang mit kleinen Projekten immer noch von der ‚Filmstadt Göttingen‘ gesprochen wurde“, fasst der Inhaber von Surfcut, einer Göttinger Filmproduktionsfirma, seine damalige Gemütslage zusammen. „Von einer Filmstadt erwarte ich bedeutungsvollere Ergebnisse, als es sie damals gab.“ Gemeinsam mit Daniel Bernhard von der Agentur Nortia wollte Clark Gleichgesinnte finden, die seine Idee unterstützen, einen Spielfilm zu drehen. An einem Drehbuch arbeitete er bereits seit längerer Zeit, doch für die konkrete Umsetzung fehlten Netzwerke und Finanzen.

Mit dieser Vision knüpften die beiden im Rahmen der Business-Lounge wertvolle Kontakte, und ein zweites Treffen, bereits mit dem konkreten Ziel, ein Filmprojekt zu initiieren, fand einige Monate später statt – erneut mit der Unterstützung von faktor­. „Diese beiden Veran­s­taltungen haben uns einen enormen Schub gegeben“, so Clark. „Wir spürten das große Interesse bei den Menschen.“
Ambitioniert stellten Clark und Bernhard gemeinsam mit Schauspielerin Brit Hennig schon beim zweiten Treffen eine Umsetzung des Krimi­projektes mit baldiger Premiere in Aussicht. „Wir hatten damals unsere Geschwindigkeit über- und eventuelle Schwierigkeiten unterschätzt. Aber wichtig war, dass wir ein Ziel hatten und dies den Leuten auch glaubhaft vermitteln konnten“, sagt Bernhard.

Schnell kristallisierten sich wichtige Partner heraus, die ein mal mehr durch das faktor-Engagement begeistert wurden: Angelika Daamen und das städtische Kulturamt hatten die in dem Projekt schlummernden Vermarktungsmöglichkeiten für Göttingen schnell erkannt und stellten neben finanzieller Unterstützung auch viele wichtige Kontakte für das Filmteam her. Zum engen Kooperationspartner entwickelte sich so zum Beispiel die Agentur Profilgeber, die sich über die gesamte Projektdauer um Sponsorensuche und die Pressearbeit kümmerte sowie bei der Treatment- und Drehbuchüberarbeitung assistierte und für Catering und Hotelunterbringung sorgte. „Insgesamt unterstützten uns über 100 Unternehmen. Dieses uns entgegen­gebrachte Vertrauen hat uns immer wieder angetrieben, und dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Bernhard.

Manche Unternehmen folgten der Idee, um einfach ein spannendes Projekt zu unterstützen, andere konnten den Film auch konkret für Marketingzwecke nutzen, indem sie in einigen Filmszenen zu sehen waren. „Wir wissen, dass man den Effekt nicht messen kann. Aber wir haben es keinesfalls bereut, dass wir den Film unterstützt haben“, sagt Kerstin Schüttel vom Best Western Hotel am Papenberg, in dem einige Szenen spielten und wo mehrere Schauspieler während der Dreharbeiten kostenlos untergebracht waren.
Ganz problemlos verliefen die vier Projektjahre des Göttinger Krimis ‚Harder und die Göre‘ bis zur Vorpremiere im GDA Wohnstift und zur Premiere im Cinemaxx im November 2013 allerdings nicht. „Man glaubt gar nicht, wie kompliziert die Antragsverfahren für offizielle Fördergelder sind“, erinnert sich Bernhard an unzählige Formulare und Telefonate mit den Filmförderanstalten und verweist darauf, dass es sich dabei zudem häufig um Darlehen handelt, die von einem zu erhoffenden Gewinn getilgt werden müssen. „Umso wichtiger war es für uns, dass wir uns auch in schwierigen Phasen auf faktor und sein Netzwerk verlassen konnten.“ So stellte faktor unter anderem Anzeigenseiten zur Verfügung, auf denen Unternehmen sich als Unterstützer präsentieren konnten. Der Erlös floss in Teilprojekte des Filmes, wie etwa die Drehbuch- oder Projektentwicklung.

All diese einzelnen Bausteine und die konsequente mediale Begleitung durch faktor trugen zu einer gelungenen Wiederbelebung der Filmstadt bei, und Bernhard hofft, dass es weitergeht: „Wir möchten mit einem Spielfilm die Initialzündung für weitere Produktionen und eine lebendige Filmstadt geben. Die Gründung des Göttinger FilmnetzWerk e.V. und das von dem Verein ins Leben gerufene Kurzfilmfestival belegen, dass hier etwas ins Rollen gekommen ist.“ Für ihn und seinen Mitstreiter soll dies aber erst der Anfang eines spannenden Weges sein. „Wir haben jetzt ein Referenzprodukt. Wir hoffen auf Produzenten, die sagen: ‚Ihr habt durchgehalten – Hut ab!‘ Denn wir entwickeln bereits mehrere Harderkrimis im TV-Format“, erklärt Clark seine Ziele. Die Finanzierung – darüber ist er sich klar – kann dann aber nicht wieder über lokale Sponsoren laufen, sondern soll von Koproduzenten in Form von Produktionsfirmen oder TV-Anstalten übernommen werden.

„Wir haben über unser Netzwerk viele ‚Filmverrückte‘ zusammengebracht, die das Projekt gemeinschaftlich umgesetzt haben“, sagt faktor-Herausgeber Böhme und freut sich über sein gutes Gespür. „Aus der diffusen Idee der Filmstadt wurde so der konkrete Kinofilm.“

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