Das Wärmepumpen-Dilemma

Wärmepumpen verkaufen sich inzwischen besser als Gasheizungen. Trotzdem liegt der Umsatz beim Holzmindener Hersteller Stiebel-Eltron noch immer deutlich unter den Planzahlen. Warum ist das so, welche Auswirkungen hat das auf die Standorte in der Region – und wie geht das Unternehmen damit um?

Stiebel-Eltron setzt neben seinem Stammsitz in Holzminden, wo auch die Verwaltung angesiedelt ist, auf mehrere
Produktionsstandorte im In- und Ausland.

Es sind Schlagzeilen wie diese, die in den vergangenen Monaten aufhorchen ließen: „Stiebel Eltron verschiebt den Bau des Kunststoffkompetenzzentrums“, berichtete etwa die Werra-Rundschau aus Eschwege, dem­gegenüber meldete zum Beispiel das Westfalen-Blatt: „Krise vorbei: Stiebel Eltron produziert in Höxter Wärmepumpen“. Das Unternehmen selbst überschrieb unlängst eine seiner eigenen Pressemitteilungen zusammenfassend so: „Willkommen in der Achterbahn“.
Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt zunächst einmal: Der Absatz von Wärmepumpen in Deutschland hat 2025 wieder deutlich zugelegt. Etwa 299.000 Einheiten konnten abgesetzt werden, 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig ging die Zahl verkaufter Gasheizungen um 33 Prozent auf 276.500 zurück. Somit waren Wärmepumpen im vergangenen Jahr erstmals erfolgreicher als Gasheizungen. Allerdings: Die Gesamtanzahl verkaufter Wärmeerzeuger ist rückläufig.
627.000 waren es im Jahr 2025, zwölf Prozent weniger als noch 2024.
Nach dem Rekordjahr 2023 mit mehr als 350.000 verkauften Wärmepumpen war der Absatz 2024 deutlich eingebrochen – auf nur noch 193.000 Geräte. 2025 ging es dann zwar wieder bergauf, aber nicht so stark wie erwartet. Für Stiebel-Eltron hieß das im vergangenen Jahr, dass die Planzahlen – wie schon im Jahr zuvor – nicht erreicht werden konnten. Unternehmenssprecher Henning Schulz hat dafür verschiedene Ursachen ausgemacht: „Zunächst mal ist Deutschland nicht der einzige Markt, der zum Unternehmensumsatz beiträgt. In sehr vielen Ländern ist die Wirtschaftslage angesichts der weltpolitischen Entwicklungen in den vergangenen Jahren unstet und damit schwierig gewesen – und ist es noch.“ In Deutschland sei dann auch noch die Diskussion um das sogenannte „Heizungsgesetz“ dazugekommen, die zur Verunsicherung und zu einem „watch and wait“-Zustand bei Endkunden geführt und zum Nachfrageeinbruch im Jahr 2024 beigetragen habe. 2025 sei man dann laut Schulz zumindest besser vorbereitet gewesen als im Krisenjahr 2024 und habe die „Kostensituation laufend entsprechend angepasst“. 

Mitte in der schweren Krise, in der auch der Abbau von Arbeitsplätzen im Raum stand, hatte das Unternehmen seinerzeit mit großen Plänen reagiert. 72 Millionen sollten in den Ausbau des Stammsitzes in Holzminden investiert werden; für diese geplante Werkserweiterung gaben Bund und Land eine Fördersumme von 10,8 Millio­nen Euro frei. Stiebel Eltron spiele einen Schlüsselrolle für eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige Wirtschaft, ließ das niedersächsische Wirtschaftsministerium vor ­etwas mehr als einem Jahr verlauten. Die Unterstützung des Unternehmens sei „ein wesentlicher Bestandteil der Strategie zur Förderung einer klimaneutralen und wett­bewerbsfähigen Wirtschaft“, zitierte der Norddeutsche Rundfunk damals Staatssekretär Frank Doods (SPD).
Der Standort Eschwege konnte davon zunächst nicht profitieren – zumindest nicht unmittelbar. Der hier geplante Neubau einer Halle für das Kunststoff-Kompetenzzentrum ist inzwischen auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Allerdings betont Unternehmenssprecher Schulz: „Selbstverständlich halten wir an dem Neubau einer weiteren Halle in Eschwege fest, wenn sich der Wärmepumpenmarkt in den kommenden Jahren weiterhin positiv entwickelt. Diese Entwicklung findet allerdings dauerhaft langsamer statt, als zum Zeitpunkt des Grundstückskaufs abzusehen war.“ 

Das Werk in Eschwege sei ein wichtiger Teil der Stiebel-Eltron-Gruppe. Die Verlagerung der Durchlauferhitzerproduktion von Holzminden nach Eschwege im Jahr 2023 unterstreiche den Stellenwert der Tochtergesellschaft, die damit neben der schon länger hier angesiedelten Kleinspeicherproduktion für ein zusätzliches Erfolgsprodukt des Unternehmens verantwortlich sei. Aber: „Aktuell haben wir ausreichend gebaute Infrastruktur, um die Kapazitätserweiterungen, die mit dem moderaten Wachstum einhergehen, realisieren zu können. Daher stehen Neubauten aktuell nicht im Fokus unserer Investitionen.“ Die Bedeutung des Standorts Eschwege innerhalb der Unternehmensgruppe sei aber nicht vom Neubau der geplanten Halle abhängig.  
Sichtbar voran ging es hingegen zu Jahresbeginn 2026 am Standort Höxter: Hier hat Stiebel Eltron die Wärmepumpenfertigung wieder aufgenommen. In direkter Nähe zum Hauptsitz werden Luft-Wasser-Wärmepumpen der neuen Produktgeneration namens wpnext produziert.

Das Werk in Höxter, eine ehemalige Maschinenbaufabrik, war Ende 2022 erworben und rund ein Jahr lang für die Anforderungen des Unternehmens hergerichtet worden. Insgesamt investierte Stiebel Eltron rund 7,6 Millionen Euro in den neuen Standort. Ab Dezember 2023 liefen erste Geräte vom Band. Im Mai 2024 musste die Produktion dann aber aufgrund der eingebrochenen Wärmepumpen-Nachfrage unterbrochen werden. Die ­Erholung des Marktes in 2025 führte jetzt dazu, dass die Kapazitäten in Höxter wieder gebraucht werden – sodass die Fertigung hier wieder angelaufen ist. „Wir sind überzeugt, dass der Markt nicht nur stabil bleiben, sondern zukünftig weiterwachsen wird“, so Stiebel-Eltron-CEO Kai Schiefelbein. Die Wärmepumpe habe dem Gaskessel auch in Deutschland nun endgültig den Rang abgelaufen. Der Geschäftsführer verweist auch auf die technische Weiterentwicklung: „Wir haben 2025 ein komplett neues Wärmepumpenportfolio über alle Bereiche mit dem sehr effizienten natürlichen Kältemittel Propan in den Markt gebracht – darunter die weltweit erste echte Luft-Wasser-­Hei­zungs­wärmepumpe für die Innenaufstellung.“ 45 Patente halte das Unternehmen im Zusammenhang mit den ­neuen Geräten. Die neue Baureihe zeichne sich durch ein modulares Konzept, hohe Leistungsfähigkeit, niedrige Schall­emissionen, ein mehrstufiges Sicherheitskonzept sowie eine optimierte Systemeffizienz aus. Damit wolle Stiebel Eltron aktuellen Marktanforderungen gerecht werden.

Sprecher Schulz erklärt das Zusammenspiel der Standorte Höxter und Holzminden, die nur wenige Kilometer trennen: „In Höxter befindet sich aktuell eine Doppellinie zur Fertigmontage von Wärmepumpen, in Holzminden sind ähnliche Linien vorhanden. Vormaterialien und Komponenten wie zum Beispiel Verdampfer, Hydraulik-Baugruppen oder Elektronikteile werden komplett in Holzminden gefertigt. Höxter erweitert also unsere Produktionskapazitäten vorrangig in der Endmontage. Holzminden ist und bleibt mit Abstand der größte Produktionsstandort.“ Neben dem Stammsitz Holzminden, Höxter und Eschwege betreibt Stiebel-­Eltron weitere Produktionsstandorte in Freudenberg und Hameln – und auch im Ausland, genauer gesagt in Thailand, China, Schweden und der Slowakei.
Und auch wenn die Gesamtzahl verkaufter Wärme­erzeuger in Deutschland im vergangenen Jahr so niedrig war wie seit Jahren nicht mehr, sieht sich Stiebel-­Eltron für die Zukunft gut gerüstet: „Die Wärmepumpe gewinnt an Beliebtheit, weil sich mehr und mehr die Erkenntnis durchsetzt, dass sie die mit Abstand energetisch sinnvollste Möglichkeit ist, ein Gebäude zu beheizen beziehungsweise Warmwasser zu bereiten. Hinzu kommt, dass der Betrieb einer Wärmepumpe mittlerweile in den meisten Fällen günstiger ist als der einer fossil betriebenen Heizung – das liegt zum Beispiel am steigenden CO2-Preis“, erläutert Schulz. Und er hadert ein wenig mit der Tatsache, dass die Wärmepumpe schon seit Jahren weltweit Standard beim Heizen ist, aber ausgerechnet in Deutschland vergleichsweise schwer in die Gänge kommt: „Der deutsche Staat hat die Verbraucher über Jahrzehnte in die Nutzung günstiger fossiler Brennstoffe getrieben, während der Strom immer teurer gemacht wurde. Strombasierte Systeme wurden damit benachteiligt.“
Noch heute sei der Stromkunde die „Melkkuh der Nation“: Zwar gebe es seit einigen Jahren einen CO2-Preis auch für fossile Brennstoffe, allerdings sei der eher gering – die realen finanziellen Folgen von einer Tonne ausgestoßenem CO2, für die im Moment 65 Euro bezahlt werden müssen, liegen laut Umweltbundesamt für die aktuelle Generation bei rund 300 Euro. Rechne man langfristige Folgen dazu, steigen die Kosten auf bis zu 900 Euro. Diese Kosten seien real, sie werden aber nicht von den Verursachern bezahlt – oder nur zu einem geringen Teil –, sondern von der Gesellschaft. „Tatsächlich hat die Ampel-Regierung versucht, die Weichen neu zu stellen, und hat das mit dem aus unserer Sicht sinnvollen Gebäudeenergiegesetz und der sehr erfolgreichen BEG-­Förderung für energetische Sanierungen auch getan“, findet Schulz. Der zeitliche Ablauf der Gesetzgebung und der Förderungs-Neuordnung sei allerdings unglücklich gewesen, die Kommunikation dazu ebenso.  
Trotz aller Hürden sei man bei Stiebel-Eltron für den deutschen Markt „optimistisch, dass die Wärmepumpe ihren Spitzenplatz bei den Wärmeerzeugern nicht mehr abgeben, sondern im Gegenteil ihre Dominanz eher ausbauen wird.“ Schulz weiter: „Wenn darüber hinaus auch die Gesamtzahl der Wärmeerzeuger wieder ansteigt, ist ein solides Wachstum der Wärmepumpenverkäufe zu erwarten.“ ƒ

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